Sonntag, 17. Oktober 2010

Terror Live Review SO36


Hell On Earth Tour 2010
- Live Review Berlin SO36

Terror, Every Time I Die, All Shall Perish, The Acacia Strain, Down to Nothing, Thick As Blood und VERA CRUZ

Der Oktober zeigt sich von seiner kalten Seite und lässt Berlin frieren und dennoch will man im SO36, wie jedes Jahr, die Hölle auf Erden eröffnen. Das Line Up sprach für sich, wobei vor allem der Headliner genug Leute zog um das SO zu überfüllen. Doch nicht nur Terror zog die Hardcore Szene ins SO, sondern All Shall Perish und Every Time I Die hatten maßgeblichen Anteil am sehr gut gefüllten SO36 an diesem kalten Samstagabend. Aber konnten die 7 Bands wirklich die Hölle auf Erden erzürnen und Berlin dem feurigen Tartarus näher bringen oder war es am Ende nur ein kleines Leuchtfeuer, das nicht richtig zünden wollte?

Der Club selbst füllte sich zunächst nur schleppend und auch vor die Bühne zog es nur wenige Leute. So konnten sich aber die Merchandise Stände großer Beliebtheit erfreuen. Doch pünktlich um halb 7 durften dann die ersten auf die Bühne.

Die französische Hardcore Band Vera Cruz machte den Anfang und hatte zunächst Mühe die Leute überhaupt vor die Bühne zu kriegen. Langsam verdichtete sich aber das Feld vor den Franzosen, die selbst alles daran setzten einen guten Anfang zu machen. Sie erfanden den Hardcore nicht völlig neu, aber spielten das Altbewährte mit viel Elan und einigen synchronen "Tanzeinlagen". So gehörte vor allem die Gitarre um den eigenen Körper drehen dazu. Allerdings wollte die sture Berliner Gemeinde noch nicht locker werden. Weder das rhythmische Klatschen, noch der Moshpit funktionierte so richtig. Einige wenige bewegten sich zwar etwas, doch mehr als Kopfnicken war bei den meisten nicht drin. Auch die französischen Ansprachen vom Sänger fanden wenig Anklang. Nur wenige konnten überhaupt französisch und auch an sich versteht man gebürtige Franzosen nur sehr schwer. Der Gitarrist musste bei den Ansagen also immer aushelfen. Aber von den doch merkwürdigen Ansagen mal abgesehen, tat Vera Cruz alles um wenigstens irgendeinen Pit zu kriegen. Das Gitarrendrehen wurde wiederholt zelebriert und fand den Höhepunkt darin, dass der Bassist plötzlich sein Instrument ohne Kopf wiederfand. Nach 25 Minuten mussten die Franzosen aber auch die Bühne verlassen, denn bei 7 Bands hat man einen sehr engen Zeitplan, der unbedingt eingehalten werden musste. Trotzdem machten Vera Cruz einen musikalisch passenden Anfang, der aber die Berliner noch nicht richtig zum kochen brachte.

Noch war die Hölle nicht auf Erden angekommen und dies sollte nun die zweite Band ändern. Pünktlich im Zeitplan wurden auch Thick as Blood auf die Bühne gelassen und die Hardcore Truppe aus Miami wollte jetzt die Menge zum beben bringen. Doch ohne den erkrankten Frontsänger musste nun der eigentliche Gitarrist das Mic ergreifen. Aber auch der hatte damit nur wenige Probleme und gab sich voll motiviert. Und endlich schaffte man es auch erste Pits zu eröffnen und siehe da, selbst das rhythmische Klatschen klappte besser. Auch wurde es voller vor der Bühne und allgemein fand Thick as Blood mehr Zuspruch. Egal ob Aushilfsgitarrist und Aushilfsfrontmann, die vier Jungs aus Florida konnten das Feuer zumindest etwas aufblitzen lassen. Nun wurden auch zum ersten Mal noch einmal alle 7 Bands angekündigt, allerdings in einer kreativen Weise, wobei man immer kurz ein Stück der angekündigten Band anspielte. Und nachdem beim letzten Lied auch Stagediver die Bühne erklommen, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Thick as Blood das Publikum jetzt endlich erwärmt hatten, sodass die nächsten Jungs davon profitieren. Allerdings kam es einem vor, als hätten sie kürzer gespielt, als sie gedurft hätten, was vielleicht der Krankheit des Sängers zuzuschreiben ist. Aber es waren gut gefüllte 25 Minuten.

Und pünktlich wie die Maurer kam dann auch die Truppe aus Richmond auf die Bühne. Und jetzt wurde es knüppelvoll. Man konnte erkennen, dass Down to Nothing heute eine der am meisten erwarteten Bands waren. Und den hohen Erwartungen wollten die Straight Edger natürlich bestätigen und taten wirklich alles dafür. Und jetzt wurde der große Pit eröffnet, Stagediver eroberten die Bühne und siehe da, selbst das rhythmische Klatschen funktionierte endlich. Die Jungs gaben sich viel Mühe die Stimmung am Siedepunkt zu halten und das Publikum bei Laune zu halten. Immer wieder forderte der Sänger Pits und das Publikum tat wie ihm geheißen. Das SO36 kochte endlich über und Down to Nothing hat die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern gar übertroffen. Und nachdem noch einmal alle Bands des heutigen Abends angekündigt, wurde der Auftritt standesgemäß mit einem großen Pit beendet. Down to Nothing haben die Messlatte wirklich hoch gelegt. Voll gepackte 30 Minuten, die wirklich alles in sich hatten. Im Nachhinein hätten sie wahrscheinlich mehr Zeit bekommen müssen, so stark war der Zuspruch des Publikums. Darüber müssen die nächsten vier Bands erst einmal kommen.
Nun war Halbzeit angesagt und ein Stilbruch im SO36 sollte vollzogen werden. Von der Hardcore-Party kam man jetzt mit The Acacia Strain eine veränderte Stilrichtung auf die Bühne. Die Bande aus Massachusetts wollte mit dem Knaller davor natürlich mithalten und dem Publikum, das durchaus skeptisch war, eine Show bieten. Der Metalcorebulldozer ging, wie alles an dem Abend, überpünktlich los und schnell merkte man, dass vor allem die Hardcore Zuschauer der Band nichts abgewinnen konnten. Dennoch gaben The Acacia Strain alles, auch wenn man meist zwischen den Songs wortkarg fortfuhr. Auch das der Sänger ständig mit dem Rücken zum Publikum stand, half nicht. Trotzdem begaben sich jetzt die andere Hälfte der Zuschauer in den Pit, denn man kann nicht sagen, dass nichts los war. Bewegung gab es trotzdem, wenn auch weniger als bei Down to Nothing. Auch The Acacia Strain lies es sich nicht nehmen noch einmal alle Bands des Abends zu benennen und mit einer Ansage gegen Nazis, die auf viel Zuspruch stieß, feuerten sie den letzten Song durch und ließen eine gespaltene Zuhörerschaft zurück. Eingefleischte Hardcore Fans waren eher unbeeindruckt, während die Deathcore Fans schon auf ihre Kosten kamen. Also geteilte Meinungen bei den gefüllten 35-40 Minuten, die The Acia Strain gefüllt haben.

Und jetzt wurde einmal das Publikum ausgetauscht. Deathcore Fans strömten vor die Bühne, denn jetzt war es Zeit für eine der besten und meistgefeierten Bands dieser Szene. Das es erneut überpünktlich losging, brauch ich eigentlich nicht zu erwähnen, mache ich aber trotzdem, denn die Planung im SO36 ist diesen Abend wirklich großartig gewesen. Und so machten sich All Shall Perish mit einem eingespielten rockigen, Heavy-Metal auf die Bühne und nachdem man Eddie dann auch erkannt hatte, knallte es los. Eddie, der wahrscheinlich vorher noch ein Interview mit Reinhold Messner gesehen hat, gab wirklich alles. Warum die Anspielung auf den Bergsteiger? Eddie sah ihm mittlerweile wirklich ähnlich. Das sollte dem Auftritt aber nicht schaden, denn All Shall Perish taten genau das, wofür sie bekannt sind: Sie zerlegten alles, was es zu zerlegen gab. Mit einer wirklich Best Of Setlist gab sich das Quintett alle Mühe auch die eingefleischten Hardcore Fans zu überzeugen. Allerdings lief der Pit auch so und bei den großen Hits wie "Eradication" oder "Wage Slaves" blieb auch kaum jemand ruhelos stehen. Mindestens Kopfnicken, wenn nicht sogar mehr war gegeben. Nach Down To Nothing sicherlich die zweite Band, die wirklich die Hölle auf Erden gezeigt haben. Und natürlich ließen sich auch All Shall Perish es sich nicht nehmen noch einmal alle Bands anzukündigen und sich bei Terror für diese Tour zu bedanken. Aber auch bei All Shall Perish darf man sich für diesen wunderbaren Auftritt bedanken. Viel Action im Pit, rhythmisches Klatschen und zum ersten Mal sogar einige Headbanger. Man kann also All Shall Perish mit Lob verabschieden und darf sich bestimmt auf eine Tour nächstes Jahr mit neuem Album im Gepäck freuen.
Freuen durfte man sich jetzt auf den vielleicht vorersten letzten Auftritt von Every Time I Die. Auf Twitter kündigten sie an, dass sie vorerst nicht mehr zurück nach Deutschland kommen werden. Sehr schade, denn die Musik ist einzigartig. Eine Mischung aus Deathcore, Hardcore, Post-Hardcore und Metalcore. Das alles chaotisch, aber genial zusammengemischt. Einfach einzigartig und nun will man auch die Hardcore Fans erreichen. Die Truppe aus Buffalo war auch von der ersten Sekunde an überzeugend und wollte Deutschland und vor allem Berlin einen gebürtigen Abschluss bieten. Mehrmals am heutigen Abend wurde Berlin als guter Ort für Konzerte bezeichnet, aber nur, wenn sich Bands wirklich ins Zeug legen, zeigt die Hauptstadt diese Magie. Und bei Every Time I Die wagten sich beide Fraktionen in den Pit und machten Party. So verabschiedet man sich wirklich aus der Hauptstadt und aus Deutschland, aber genau so hinterlässt man einen guten Eindruck bei der Band und sorgt vielleicht doch für ein baldiges Widersehen. Die Jungs aus Buffalo waren zumindest wirklich stark an diesem Abend und lockten wirklich alle in den Pit und auf die Bühne zum Stagediven. Leute flogen durch die Halle und der Circle Pit erreichte zum ersten Mal eine wirklich namenswerte Größe. So versprühten sie bei ihrem vorerst letzten Auftritt gute Laune und hinterließen eine zufriedene Menge. Man konnte sich wirklich über nichts beschweren, Setlist, Sound, Licht, Stimmung und Performance waren großartig.

Eigentlich hätte das als Headliner schon ausgereicht, aber man hatte die große Bombe noch vor sich. Vorab kann man sagen, dass Terror live wohl eine der besten Bands aller Zeiten sind und wo auch immer sie sind eine unglaubliche Stimmung herrschte. Heute wurden sie auch schon mehrmals, im Prinzip von jeder Band, angekündigt und gehuldigt und nun sollte sich zeigen wieso. Natürlich pünktlich um 10 vor Elf erklommen die 5 Jungs aus Los Angeles die Bühne und sollten noch einmal alles überbieten, was man heute schon gesehen hat. Wer meint, er habe schon einmal eine gute Live Show mit Stimmung gesehen, wird von Terror die neuen Maßstäbe gesetzt bekommen. Ab Sekunde 1 war eigentlich die ganze Halle ein Pit. Wer sich nicht bewegte, der hat irgendwas falsch gemacht und passte eigentlich nicht zu diesem Konzert. Wer außerdem dachte, bei Every Time I Die waren viele Stagediver, der wurde von Terror eines besseren belehrt. Eigentlich verging keine Sekunde ohne, das zwei bis drei Fans die Bühne erklommen und akrobatisch in die Menge sprangen. Salti, Purzelbaum und andere Figuren wurden gezeigt. Und Terror wollten immer mehr. Wer zu lange auf der Bühne unangemessen poste wurde kurzerhand vom Sänger einfach runter geschubst. Keine Gnade, dafür viel Spaß. Auch Fans durften das Mic bedienen, mitsingen oder sogar jemanden grüßen. Nur bei der geforderten Wall of Death brach der Sänger ab, denn diese Aktion ist nicht nur für ihn mittlerweile zu ausgelutscht. Dafür gab es einen Circle Pit von der Bühne bis zum Soundpult, was immerhin schon 20 Meter, wenn nicht sogar mehr sind. Viele Mosh- und Two Step Passagen regten den Pit zum tanzen an und bei einer solch riesigen Setlist kann man gar nicht anders. Von "One with the Underdogs", über "Always the Hard Way", bis zu "Spit My Rage" und "Keep Your Mouth Shut" war alles dabei, was das Herz begehrte. Terror selbst zogen die Leute sogar auf die Bühne zum stagediven. Sogar der Basser von Every Time I Die durfte das Mikro bedienen. Sie waren auf der Tour wirklich, wie die anderen Bands heute mehrmals angekündigt haben, zu einer Familie zusammengewachsen. Und es war keine Überraschung, dass man sich nach Keep Your Mouth Shut noch nicht zufrieden gab und noch einen letzten Song forderte. Und Terror kam dem natürlich nach und zerlegten mit "Never Alone" noch einmal das SO36. Wer also die Hölle auf Erden erwartet hatte, dem hat Terror wirklich den verbrennend heißen Tartarus gezeigt. Wenn man etwas kritisieren kann, dann das Terror nicht die volle Zeit gespielt haben und ca. 5-10 Minuten früher aufgehört haben. Aber nach dem Auftritt war das eigentlich nur eine kleine Nebensache.

Fazit: Eigentlich kann man an dem Konzert nichts aussetzen, denn wenn man Terror liest, dann kriegt man, was man erwartet, nämlich eine Riesenshow und viel Party. Das hier an sich zwei Szenen aufeinandertreffen tat dem auch keinen Abbruch. Selbst wenn alle sieben Bands nicht unbedingt zueinander gepasst haben, so haben am Ende doch alle eine gute Show gezeigt und das Berliner Publikum nach und nach aufgewärmt, sodass am Ende doch eine Höllenhitze herrschte. Wer auch immer vorher sagte, dass Never Say Die, das andere jährlich wiederkehrende Konzert mit Death-, Hard- und Metalcore Bands das bessere Line Up hat, der hat noch nie Terror live gesehen. Gewinner des Abends waren Down To Nothing und Every Time I Die und natürlich "the allmighty" Terror. Am Ende waren es also mehr als nur gut investierte 21 Euro und wer nicht zumindest schwitzend, wenn nicht sogar mit blauen Flecken, die Halle verließ, der hat klar etwas falsch gemacht.

Review von Lars


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

4 Euro Eintritt? Nicht wirklich, oder ;)