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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Party.San Open Air 2010 Bericht

Donnerstag

Die ersten dunklen Töne dieses besonderen Musikereignisses stimmen die jungen deutschen Ketzer an und können die ersten Festivalbesucher von sich überzeugen. Der noch grüne Bühnenbereich fällt ihnen auch gleich zum Opfer, der sich auch leider die Folgenden Tage nicht wieder vom Schlamm befreien kann.

Nach dem guten Start von Ketzter betritt die französische Black Metal Band Merrimack die Bühne. Das Festivalgelände ist zu diesem Zeitpunkt schon total verschlammt. Merrimack geben vollgas und können mit ihrem rohen und monotonen Black Metal aber nur wenig Punkten und so wartet die Metalscharr auf die heiß ersehnten Devourment.

Devourment, die mit einer geballten Ladung Death Metal Grindcore über den Battleground in Bad Berka einfallen. Die Texaner prügeln sich durch ihre bunte Setlist und lassen keine Wünsche offen. Ein mehr als gelungerner Start ihrer Europatour, die jeden Nackenmuskel beansprucht.

Für die nächsten Amerikaner Monstrosity ist alles vorbereitet, können aber die Power und den Schwung ihrer Vorgänger nicht ganz so umsetzten. Nichts desto trotz sind die Metalheads guter Dinge und lassen sich auch nicht vom schlechten Wetter erschrecken und Headbangen gepflegt zu den hasserfüllten Terraden, die durch klirrenden Gitarrensound unterstützt werden.

Top oder Flop, der größte Streitpunkt bei The Devils Blood. Einige recht Begeisterte zieht es direkt vor die Bühne der dunklen Messe der Holländer, doch die Meisten können mit der ungewohnt rockigen Musik nichts anfangen und belagern erst einmal den Bierstand.

Bei den Stockholmer schwarz Metallern Watain dauert die Umbaupause ein wenig länger, aber diese Verzögerung lohnt sich. Die Bühne wird mit rotem Licht überflutet, das durch Kerzenfeuer noch mehr einen düsteren Hauch erlangt. Das Set ziert neue und alte Songs. Mit einer eingebunden Widmung für Dissection Frontmann "Jon Nödtveidt" , wo allein die Ansage schon Gänsehaut verursacht und der Mund der Black-Metalgemeinde offen steht lies, haben Watain auch sonst nichts anbrennen lassen. Professionel haben sie ihr Black Metal Feuerwerk mit Hits wie Sworn to the Dark und Devils Blood abgebrannt und den ersten Tag des Festivals beendet.

Freitag

Onheil eröffnen den zweiten Festivaltag. Nur langsam begeben sich die Partysanbesucher auf das völlig verschlammte Gelände. Doch davon lassen sich die holländischen Black Death Metal nicht beindrucken. Drückend und sprudelnd wird ihr bombastischer Sound übers Gelände gefeuert. As Hope Dies, einer der besten Songs der aktuellen Scheibe Razor aus dem Jahre 2009 kann noch weiter positive Akzente setzen.

Diese gute Stimmung können Milking The Goatmaschine noch toppen. Die deutsche Death Metal Grindcore Überfliegerband mit Schlagzeuger und Sänger "GoatLeedUder" lassen die Ziegen mit samt Wolf aus dem Sack und spielen sich positiv ins Gedächtnis der Partysanbesucher. Da darf auch Bingo Bongo und das Cover Surf Goataragua von Sacred Reich nicht fehlen, bis einen die Ziegen wieder verlassen.

Lividity die US-Amerikaner lassen sich auch nicht lange bitten und legen ein vorzügliches Death Grindbrett an den Tag. Was die von oben bis unten verschlammten Metaller total aus den Häuschen bringt und zu wilden Headbang attacken motiviert.

Die Griechen werden dieses Jahr wohl gar nicht mehr Müde erst eine ausgedehnte Tour und jetzt überfallen sie Festival für Festival. So geben sich Suicidal Angels auch auf dem heiligen Boden in Bad Berka die Ehre. Hits wie Inquisition werden dem Publikum regelrecht um die Ohren geprügelt und hinterlassen bei allen Beteiligten einen guten Eindruck.

Origin hingegen versagen auf ganzer Länge. Roh und kalt gehen sie zwar zu Werke, schaffen es aber nicht einen guten Sound zu produzieren und so verlassen viele enttäuscht den Bereich vor der Bühne um sich an kostengünstigen Erfrischungsgetränken zu erfreuen.

Die Schweden Demonical, die mit den noch verhinderten Ofermod tauschen, hadern ebenfalls wie Origin mit dem Sound. Nichts desto trotz geben sich die Stockholmer größte Mühe eine gute Show auf die Bretter zu bringen. Aber so Richtig will der Funken nicht auf die Zuschauer überspringen und so Spielen die Schweden vor eher geringen Publikum was auch der Tausch zur Ursache hat.

Da Ofermod immer noch verhindert sind, betreten The Crow die Bretter, mit neuem Sänger am Start gehts Steil ab. Die ersten Beats verraten, dass The Crow besser mit dem Sound in Bad Berka klar kommen. Erstmal ins Rollen gebracht, lassen sie sich auch nicht von den wiedriegen Wetterbedinungen beindrucken und hinterlassen verblüffte Gesichter. Von der ersten bis zur letzten Sekunde geben The Crow vollgas was ihnen auch hoch angerechnet wird.

Nun ist es aber soweit, Ofermod sind bereit und starten mit einer satanistischen Zeremonie als Intro, was eine gefühlte Viertelstunde dauert. Genauso belanglos sind auch die nächsten fünfzehn Minuten, die durch langweiligen und lahmarschigen Melodic Black dominiert werden. Bis, ja wer mags glauben ein total unterirdisches Outro was auch eine gefühlte Viertelstunde dauert, diesen schwachen Auftritt beendet.

Vor drei Jahren gabs die Legendere Wiedervereinigung auf dem Partysan und auch diesesmal können Asphyx die bei Century Media Records unter Vertrag stehen die Death Metal Gemeinde wieder erfreuen. Spielfreude und Songauswahl lassen die holländische Kriegsmachine kraftvoll durchrollen und bildet für viele das Highlight des Wochenendes.

Gewohnten fetten Sound haben uns die US-Amerikaner von Dying Fetus vorbereitet, den die Partysangänger auch gerne aufsaugen. Ein Mix aus neuen und alten Songs wird geboten, wobei One Shut, One Kill besonders gut ankommt. Einzig negativ, das nervige Dauergeniesel, was die Stimmung an diesem Freitag Abend ein wenig trübt, aber mit ordentlich Bier wieder belebt wird.

"Nocturno Culto" Frontmann von Darkthrone und Ausnahmemusiker Sarke geben mit ihren Live-Membern in ihrem Projekt Sarke ein gutes Bild ab. Mit ihrem aktuellen Album Vorunah im Gepäck, geben sie eine durchgehend interessante und melodische Show. Da kann man sich nur wünschen. dass "Nocturno Culto" im nächsten Jahr mit Darkthrone den Battlegound Bad Berka in Angriff nimmt.

Nach Sarke steigt die Spannung ins unermessliche Autopsy steigen nach 20 Jahren Jahren Abwesenheit in Europa auf die Bühne in Bad Berka. Wie Kinderaugen zu Weihnachten leuchten nun die Metalhead-Augen als die Amerikaner die Bühne betreten. Alles andere als ruhig gehen Autopsy die Wiederkehr an und lassen ihre Spielfreude aufblitzen die die Metalheads direkt ansteckt. "Chris Reifert" überzeugt an Mikro und Schlagzeug, nur das Bühnenbild ist ohne Frontmann etwas ungewohnt, was aber die musikalische Leistung nicht schmälern soll und den Anwesenden ein Grinsen aufs Gesicht zaubert.

Sammstag

Under That Spell, die jungen Krachmacher eröffnen den letzten Schlammfestivaltag. So richtig können sie aber mit ihrer Standartspielweise nicht punkten und so bleibt ihr Auftritt ziemlich blass.

Tribulation spaltet am dritten Tag die Gemüter. Ihr verspielter Death Thrash Metal kommt in Kombi zu ihrer Bühnenshow nicht bei allen an. Was die Kombo aber nicht interessiert und so werden ihre Fans voll auf ihre Kosten kommen.

Ghost Brigade aus Finnland schaffen, dass sich die Wolken ein wenig lockern. Feine Melodien hallen über das sonst wüst, geschüttelte Festivalgelände. Trotz ihres eher ruhigeren Angehens könne die Finnen die Aufmerksamkeit der Partysan Besucher binden. Hits wie Lost in a Loop werden in die Gehörgänge geflochten und lassen die Köpfe im Takt nicken. Zufrieden verlassen Ghost Brigade die Bühne und geben sie für Desaster frei.

Die Koblenzer Black/Thrash Kombo Desaster wird wie gewohnt gut vom Publikum aufgenommen und danken dieses mit einer intensiven Show, die zu extremen Nackenschmerzen führen kann. Desaster legen stark vor, da kann man gespannt sein wie sich Varg schlagen werden.

Über Varg hat man die Tage viel gelesen, darauf möchte ich nun aber nicht eingehen und wende mich zur Musik. Deutsch Sprachige Pagan Metal Bands gibt es viele, doch Varg hat das spezielle Etwas. Eine unterhaltsame Bühnenshow, der sie auch diesmal wieder gerecht werden. Abwechslungsreiche Stücke und das Talent eine gute Stimmung im Publikum zu erzeugen, so auch Heute. Skal und Wolfszeit wird von den Anwesenden dichten Reihen quasi aufgesogen und mit ausgelebt.

Die zweite Pagan Metal Band Manegarm dürfen sich der von Varg aufgeputschten Horde stellen. Dieses gelingt aber nur Teilweise. Musialisch gibt es bei den Norwegern nichts zu meckern, denn noch will der Funke nicht recht auf die Anwesenden überspringen.

Necrophagist fallen deutlich dem Wetter zum Opfer. Bei Ihrem agressiven Gefrickel sind die Metalheads einfach zu müde um noch einmal voll durchzustarten und gönnen sich ein erfrischendes Bier oder Wahlweise Kaffe.

Ex Mayhem "Bassist Blaspehmer", lässt mit seiner Meute Aura Noir noch einmal das Black Metal Schwert in die Höhe reissen und donnert diesen hasserfüllt in den eisigen Festivalhimmel. "Agressor" bringt die Black Metal Gemeinde nochmal zum staunen als er auf Krücken die Bühne betrat und Sons Of Hate anstimmte und somit dem Aura Noir Auftritt das I-Tüpfelchen aufsetzte.

Naplam Death Frontmann "Barney Greenway" machte der erschöpften Metalscharr noch einmal die Beine. Scum und Kill werden gewohnt gut aufgenommen und Barney flitzt wie ein Flumi über die Bühne. Schimpft über die bösen Nazis und erntet Applaus für den Gedanken an eine friedliche Welt. Nichts desto trotz ist der Sound brachial und wird mit suffocation noch extremer.

Drei Bands stehen in der Schlammhölle jetzt noch an. Cannibale Corpse, Look Up und Suffocation. Suffocation machen den Anfang und setzten eine hervorragende Songauswahl in den Schlamm oder besser in die Ohren von den Leuten die im Schlamm stecken. Die beiden Gitarristen bilden ein unschlagbares Dreamteam und lassen einen dichten Teppich über das Schlammfeld fallen.

"Shane Embury", Dauergast des Partysan Open Airs. bringt es 2010 gar auf zwei Auftritte. Gerade erholt von der kraftraubenden Napalm Death Show schwingt er sich direkt wieder mit Look Up auf die Bühne und drücken gewaltig vor verhaltenem Puplikum auf die Grindcore Tube. Das schlecht abgemischte Schlagzeug ist einziger negativer Beigeschmack bei der starken Leistung.

Das Ende des Höllentrips bescheren uns Cannibale Corpse, die für diese Position wie gemacht scheinen. "Corpsegrinder Fischer" peitscht mit seinem stählernden Nacken die Death Metal Fans gewaltig auf. Den letzten Abend konnten so Cannibale Corpse gekonnt abrunden und mit Stücken wie Hammer Smashed Face und I Will Kill You gekonnt veredeln.

Musikalisch war das PSOA 2010 wieder ein Hochgenuss, nur besseres Wetter kann man sich für 2011 wünschen!

Für euch waren vor Ort: René, Patrick, Fabian, Diana und Marie

Alle Bilder vom Party.San 2010 findet ihr hier.
Dieses Review entstand in Zusammenarbeit mit Pure Metal Radio.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Way Of Darkness Festival 2010 Bericht

Kaum angekommen zum 5. WAY OF DARKNESS, diesmal in der Stadthalle Lichtenfels, Bändchen geholt, ging es auch schon sofort los:

Hateprison

Als Opener hat man es wahrlich nicht leicht, schon gar nicht um eine Uhrzeit, wo sich die meisten in ihren Betten noch einmal rumdrehen. Doch HATEPRISON ließen sich davon nicht beeindrucken und bliesen den noch etwas verschlafen blickenden Zuschauern mit einer gehörigen Portion Death Metal die Müdigkeit aus den Knochen. Mit dieser souveränen Einleitung konnte das WAY OF DARKNESS beginnen.

Morphosis

Weiter ging es mit den nunmehr seit über 20 Jahren existierenden MORPHOSIS: perfekter Death mit tief gestimmten Gitarren für den guten Start in den Tag, der freudig von einigen Fans mit einer großen Irlandflagge im Publikum begrüßt wurde. Allerdings klang der Sound etwas verwaschen, aber vielleicht war das einfach ein Versuch, das raue Klima Irlands in die Stadthalle zu bringen. Von den Klängen der alteingesessenen Death Metal Formation angelockt, füllte sich die Halle auch so langsam und der Massenfokus verlegte sich gemächlich vom Essenstand vor die Bühne. Nachdem man etwas aufgewärmt war, sprang der Funke denn auch über und die ersten Headbanger wirbelten ihre Matten freudig im Takt.

Verdict

Kaum verschnauft, waren die seit 1991 bestehenden Death-Thrasher VERDICT auf der Bühne. Und selbst die Leute, die für diese Musikrichtung wenig übrig hatten, mussten den Jungs eine hervorragende Showeinlage anerkennen, nach der man spätestens hellwach war. Die 25 Minuten Spielzeit reichten zwar nur für vier Songs, aber spätestens danach war man hellwach. Gestartet wurde mit „Bestial Nature“, nur um danach die Kracher „Assassination“ und „Root Of Unrest“ des letzten Album hinterher zu schmettern. Abgeschlossen wurde mit „Generation: Genocide“ des gleichnamigen Albums.

Sideblast

SIDEBLAST – eine der erfreulicheren Exporte aus Frankreich. Beeinflusst von Immortal, Emperor, Behemoth und Strapping Young Lad aber dennoch mit ihrem ganz eigenen Stil, einer wilde Mischung aus Black/ Thrash/ Death, schaut man Fredd, Noam, Sebb und Nacim immer wieder gerne zu.

Ultrawurscht

Jetzt geht´s um die Wurscht! Bühne frei für ULTRAWURSCHT. Spätestens jetzt war die Halle gut gefüllt, denn das Spektakel der seit 2004 bestehenden Death/ Grindformation wollte sich keiner entgehen lassen. Und man sollte nicht enttäuscht werden: Von Würstchenketten über zu schreiend komischen Outfits bis hin zu einer Kochstrippeinlage mit anschließendem Wurstabschuss (keine Haftung für die Gedanken der Leute, die nicht live dabei waren). Aber wer denkt, es geht nicht skurriler, falsch gedacht: Zum Ende entledigte sich Sänger Dr. Mett Wurscht noch seines Strings, warf ihn feixend der Menge entgegen und machte sich – aber nicht, ohne sich vorher gebührend feiern zu lassen- so wie Gott ihn schuf von der Bühne.

Rawside

Kleiner Musikwechsel: von Thrash/ Death/ Grind weg hin zum Hardcore Punk mit dem Urgestein aus diesem Genre: RAWSIDE. Nachdem die Jungs durch die Aufnahme an ihrem neusten Album „Widerstand“ eine kleine Sommerpause eingelegt hatten, wird wieder hart aufgetrumpft. „Es herrscht Krieg“, „Destruct and Broken“ waren nur der Vorgeschmack auf eine Setlist voll politorientierter Songs. Es folgten „No Gods- No War“, „Warsymbols“, „Staatsgewalt“, „Police Terror“ und ein Cover von Terrorizer „Corporation Pull-In“. Abgeschlossen wurde mit dem Titelgeber des letzten Albums “Widerstand” und „Brut of Scum“.
Die Halle hatte sich jedoch nach Ultrawurscht merklich gelehrt, Hardcore Punk schien wohl nicht jedermanns Sache.

Poppy Seed Grinder

Zurück zum Death und zwar absolute brutal mit POPPY SEED GRINDER. Die fünf Tschechen heizten dem Publikum ordentlich ein und wurden begeistert abgefeiert. Auch die Leute, die sich zuvor auf die Tribühnen verkrümelt hatten, kamen Matten schwingend angelaufen und frönten der gelungenen Show um Vocalist Cifron.

Milking The Goatmachine

MILKING THE GOATMACHINE, wahrscheinlich eines der Highlights, auf das viele gewartet hatten. Doch leider vergeblich. Den Ziegen schien das Glück diesmal nicht hold zu sein, sie steckten noch im Stau und somit musste man sich damit begnügen, 45 Minuten eine leere Bühne anzustarren – ohne Ansage. Immerhin kam sie dann verspätet ein paar Bands später mit dem Hinweis, als Entschädigung würde es eine Autogrammstunde geben. Wirklich schade um den Auftritt.

Final Breath

Lange war es still geworden um die Jungs, doch seit diesem Jahr sieht man sie auf mehren Festivals ordentlich auftrumpfen. Beim WOD machten FINAL BREATH da keine Ausnahme und selbst für diejenigen, die mit der Musik vielleicht nichts anfangen konnten, ist es doch ein Erlebnis, allein Sänger Jürger Aumann beim ausprobieren extremer Gesichtsverrenkungen zuzuschauen. Dass sie den Fans schon lange die Veröffentlichung eines neuen Albums schulden, war bekannt, und so wurde flux mit einer Neuvorstellung namens „Babylon“ begonnen. Danach kehrte man erst einmal zu Bekanntem von der letzten 2004 erschienenen „Let Me Be Your Tank“ zurück ( „Strong Pain”, „Eyes Of Horror”). Im Wechsel gab es einen weiteren Einblick in das kommende Album („ Illega Lie Sating“), Rückkehr zur „Mind Explosion“ von 2002 mit „Under Pressure“ sowie dem gleichnamigen Song „Mind Explosion“, um anschließend wieder etwas Neues zum Besten zu geben („Immemorial Disease“). Als Abschluss noch „Greed For Revenge”, “To Live And To Die” und “Bemoaned Animosity” hinterher gedonnert und der Auftritt war perfekt. Hut ab.

At War

Die Thrasher AT WAR, die ihre einzige Show hier in Deutschland spielten, zogen wie ein Magnet ein Meer von Kuttenträgern vor die Bühne, die ihre Helden ordentlich hochleben ließen: die Matten geschüttelt, sporadisch kleine Moshpits angezettelt. Der Rest quittierte den Auftritt eher mit verhaltenem Nicken, so dass man vermuten könnte, dass bereits einige mit purem Thrash übersättigt waren. Die Meisten genossen das Spektakel von der Bühne aus. Wobei man sagen muss, dass man eine absolut kraftvolle energieintensive Show geliefert bekam – und das, obwohl die Band nur drei Mann stark ist. Zum Schluss schwappte die Begeisterung dann doch auf die hinteren Reihen über, so dass es für Paul, Shawn und Dave einen ordentlichen Applaus regnete.

Desaster

Die erste Band, bei der man es anscheinend nicht abwarten konnte, sie schnell genug auf der Bühne zu sehen. Bereits beim Aufbau wurde im lauten Sprechchor immer wieder laut „DESASTER! DESASTER!“ gefordert. Die Fans mussten auch nicht lange auf ihre deutschen Thrash/Black Helden warten: überzeugend enterte das Vierergespann mit „Black Thrash“ die Bühne, was von allen mit johlenden Begeisterungsrufen aufgenommen wurde. Und keine zwei Songs später, ortete man auch schon den ersten großen Moshpit – voller Kuttenträger. Natürlich durften Songs wie „Teutonic Steel“, „Hellbangers“ und „Metallized Blood“ nicht fehlen und da man danach immer noch nicht genug hatte, gab es noch „ Cross Me Fool“ obendrein.

Evildead

Es wurde immer ausgelassener, berechtigt, schließlich gaben als nächstes EVILDEAD amerikanischen Thrash Metal zum Besten. Seit 1989 das erste Mal wieder auf europäischem Boden unterwegs war das ein gewaltiger Grund absolut durchzudrehen. Nachdem man Titel wie „FCI: The Awakening”, „Run Again” und „Gone Shooting” um die Ohren geknallt bekam, gab es kein Halten mehr. Ein surrendes Haargewirr überall und die Tradition von Desaster beibehaltend spätestens während „Future Shock“, „Sloe Death“, „Living Good“ ein nicht kleiner Circle Pit mit wild im Kreis rennenden Kuttenträgern. Nachdem man nach vier weiteren Songs („Parricade“, „Bohica“, „Blasphemy Divine“, „Annihilation“) immer noch nicht genug hatte, gab es noch „Unauthorized“ sowie den Klassiker „Holy Trails“ oben drauf.

Pestilence

“Are you guys ready for some suicide? Are you guys ready for some suicide? Are you guys ready for some hate?” Mit diesen Worten aus dem Munde Patrick Mamelis starteten die niederländischen Deather PESTILENCE ihren Auftritt. Allerdings wurden die Erwartungen an die seit 1986 bestehenden, 2008 reformierten Holländer ein wenig mehr als enttäuscht. Dezent könnte man es mit einem Omakino der Extraklasse beschreiben. Im Gegensatz zu den vorherigen Bands fungierten PESTILENCE eher als tragender Einschläferrhythmus mit grottigem Sound, vielen Verspielern und Rumgetorkel auf der Bühne. Dementsprechend saßen auch mehr Leute auf der Tribüne und erwarteten gelangweilt den Auftritt des Headliners, während sie die Ansagen von Sänger Patrick in unnatürlich langsamen Redetempo à la Schlaftablette über sich ergehen ließen. Mag sein, dass die Jungs nur einen schlechten Tag hatten, trotzdem für mich der schlechteste Co-Headliner, den ich jemals gesehen habe.

Kataklysm

Doch diesen kleinen Fauxpas konnten KATAKLYSM sofortvergessen machen. Kraftstrotzend bliesen einem die Kanadier den Klassiker „As I Slighter“ als kleine Einstimmung um die Ohren, sogleich gefolgt von „Let Them Burn“. In der Menge gab es kein Halten mehr, mit lautem Gegröle und Jubelrufen wurden Maurizio & Co gefeiert. From Old Stuff zum Neusten ging es mit den beiden Titelgebenden Werken der letzten beiden Scheiben weiter („Push The Venom“, „Prevail“). Nach „Determined“ gab es dann noch eine feurige Rede von Maurizio über träume, dass die Kraft aus dem Herzen komme und jeder, der sich einem in den Weg stelle, da gäbe es nur eine Antwort: Fuck you all! Natürlich durfte an diesem Abend der altbekannte Hit „The Ambassador Of Pain“ nicht fehlen. Danach wurde noch einmal kurz eine Deathpause eingelegt und die Menge kam freudig der Aufforderung nach, Bassist Stéphane ein dröhnendes „Happy Birthday“ zu singen. Abschließend gab es noch mal die volle Ladung geschmettert: „Numb And Intoxicated“ sowie selbstredend „Crippled and Broken“. Wenn die Vier nun dachten, man würde sie so einfach in den Abend entlassen, falsch. Nach mehreren Minuten Zugaberufen, wurden KATAKLYSM nochmals auf die Bühne beordert, schließlich fehlte da noch was: „In Shadows And Dust“!

Goregonzola

11Uhr des nächsten Tages: eine wirklich ansehnliche Menge wartet auf das fränkische Death/ Grind Pendant zu Ultrawurscht: GOREGONZOLA. Mit Müdigkeit war da nicht mehr viel, ab dem ersten Song wurde einem der Rest Schlaf erfolgreich aus dem Körper geblasen.

Seregon

Anschließend warteten die jungen Briten von SEREGON mit alles anderem als rigidem Klischeethrash aus. Mit einer Mischung aus Sepultura, Vader, Testament und Kreator lieferten sie ein abwechslungsreiches Set und präsentierten ihren ganz eigen entstandenen Stil, eine echt positive Überraschung an diesem Morgen.

Deadwalk

Als Ersatz für VENDETTA im letzten Moment eingesprungen aus Bayern kommend: DEADWALK. Und man muss sagen sie waren in allem ein absolut würdiger Ersatz. Von der Spielqualität (ohne die Thrasher jetzt zu beleidigen) möchte man meinen sogar besser. Mit Titeln wie „World Barricade“, „Cast Away“, „Kill“ sowie „Out Of The Shadows“, „Final Scream“, „Way Of The Insane“, „Fallen“ und „Bastard“ ließen Markus, Christian, Jonas und Matthias die Erinnerung an Kataklysm noch einmal aufleben.

Moshquito

Die alteingesessene Death Thrash Metal Band charakterisierte sich durch unzählige Besetzungswechsel und musikalische Selbstfindungsprozesse. Aber gerade da macht sie wohl zu dem, was sie heute sind: ein bekanntes Urgestein noch aus Zeiten vor der Wende. Der Auftritt enttäuschte auch absolut nicht, mit voller Power wurde einem ein Set aus etlichen Jahren Bandgeschichte um die Ohren gehauen.

Delirium Tremens

Die zweite Ersatzband; diesmal für GRAILKNIGHTS. Eine große Herausforderung, die Show der Gralsritter in würdigem Maße zu vertreten. Die Klamotten der seit mehr als 14 Jahren bestehenden Thrasher schlossen zumindest an den Amüsementfaktor der Grailknights an und auch der Körpereinsatz von Sänger Christian Lindner war nicht zu verachten, als er kurzerhand seinen Gitarristen auf die Schultern nahm und eine visuelle Thrashpyramide aus dem Boden erhob.

Setlist: Worship Satan, Seed Of Violence, Fucked up..., Read My Fist, Devil´s Child, Iron Gäng, Beer Patrol

Master

Ursprünglich aus den USA um Paul Speckmann, heute durch seine Übersiedlung allerings sonst aus Tschechen bestehend, wird mit MASTER eine fast 30 Jahre alte Old School Death Metal Band auf den Plan gerufen. Dass sie alte Hasen sind, merkt man. Sofort haben sie die Masse auf ihrer Seite, liefern eine saugeile Show voller Power und das bei einem klaren, differenzierten Sound. Ein Ohrenschmaus für jedermann, so dass selbst am Ende viele überzeugt waren, denen die Band vorher nicht geläufig war.

Inhumate

Ob sich die Death/Grindcore Band INHUMATE als Export positivem aus Frankreich bezeichnen lassen, ist Ansichtssache. Zumindest hatten sie eine eingeschweißte Fanmeute, die dieser Meinung waren und ordentlich bei „Ashes“, „Sickness Is The Law“, „Hellmaze“, „Mic Crusher“, „Ecotone I : The Tree“ sowie „Freaks (5)“ abfeierten. Der große Rest betrachtete das Spektakel um Christophe, der wie aufgedreht aus der Bühne hin und her lief, lieber von der Tribüne aus oder begnügte sich beim Essen den weiteren Songablauf („Human?“, „Underground“, „Dig !“) zu verfolgen. Zum Schluss wurde der Einsatz der Fans honoriert und es wurden alle, die konnten, auf die Bühne gerufen, so dass der Auftritt mit „Ecotone II : The Ocean“ und einer Meute von ca. 30 Leuten auf der Bühne sein Ende nahm.

Negator

Um ein wenig Abwechslung zu schaffen, kam anschließend die so called Black Metal Band NEGATOR aus Hamburg auf die Bühne. Wobei Black Metal so eine Definitionssache ist, die von Negator meiner Meinung nicht so ganz erfüllt wird. Man könnte es eher als Schreddermugge bezeichnen. Viele schien diese Band auch nicht zu begeistern, jedenfalls anfangs nicht. Zu den letzten drei Songs „Eisen Wider Siechtum“, „Panzermetal“ und „Der Infanterist“ bequemten sich die ein oder anderen doch noch von ihrem Sitzfleisch und gesellten sich zu dem NEGATOR Fanpulk. Leider hatte die Band zwischenzeitlich mit Soundproblemen (Bassausfall) zu kämpfen, was sie aber nicht aus der Ruhe brachte und lediglich Vocalist Nachtgarm zu der Aussage verleitete: „Scheiß auf die Technik, aber ihr seid geil!“

Exumer

Zurück zu der Leitmusikrichtung des WOD: pure Thrash und sogleich sah man einen kompletten Publikumswechsel; die Kuttenträger eroberten sich wieder ihren Platz vor der Bühne. Für die Fans wahrscheinlich ein großartiger Auftritt, selbst entlockte mir der etwa langatmige Humpa Thrash nicht mehr als ein müdes Klatschen. Zudem war die Stimme von Sänger Mem Von Stein einfach viel zu kraftlos. Fazit: Gut zum Aufwachen, ansonsten wohl nur für absolute Thrashfans zu genießen.

Ex Deo

Kataklysm zum Zweiten, nur diesmal im Namen der römischen Mythologie. Ein Auftritt, den viele gespannt erwarteten, um EX DEO einmal live in Augenschein zu nehmen. Diesmal nicht in blauer Jeans und mit offenen Haaren, sondern strengem Zopf und in voller Römerrüstung wurde die Bühne unter einem epischen Intro betreten, so dass man sich sofort in die Zeit ab 753 v. Chr. zurückversetzt sah. Die Zeit reichte nicht ganz, um das ganze (und einzige) Album „Romulus“ durchzuspielen, doch Pflichtsongs wie „Cruour Nostri Abbas“, „The Final War“ und „Legio XIII“ waren natürlich dabei. Selbstredend wurde anschließend mit Romulus abgeschlossen, worauf es einen ohrenbetäubenden Applaus regnete. EX DEO schien sich behauptet zu haben.

Darkened Nocturn Slaughtercult

Ein weiteres Mal geht es zum Black Metal. Diesmal aber richtig und zwar mit den deutschen DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT. Und nicht nur das. Wir sehen die erste weibliche Wesen dieses Festival auf der Bühne. Nicht etwa als Keyboarderin, Bassistin oder sonst irgendwas, im Gegenteil: Als Sängerin Onielar höchstpersönlich. Es folgt eine typische dem Genre entsprechende Show: Pandabemalung, dezente Blutdusche in die Menge und eine entsprechend atmosphärische Lichtgestaltung lassen einen für die nächste Dreiviertelstunde alles andere vergessen.

The Crown

THE CROWN, bekannt geworden unter dem Namen Crown Of Thorns, sah man als nächstes. Eine schwedische Deathdelikatesse der Extraklasse. Mit ihrer aggressiven Mischung aus melodischem Death und Thrash zogen sie die erwartungsvolle Menge schnell auf ihre Seite und bewiesen, dass ihre Réunion mit Sänger Jonas Stålhammar eine der besten Entscheidungen letzten Jahres in der Metalszene war.

Asphyx

Seit 2007 auf dem Party San wieder auferstanden, touren ASPYX seitdem durch die Lande und wissen, so oft man sie auch zu Gesicht bekommt, immer wieder zu faszinieren. Auch wenn Anfang 2010 Wannes Gubbles die Band aufgrund musikalischer Differenzen verließ, tat das der starken Formation keinen Abbruch. Die Jungs um die unverwechselbare Stimme Martin van Drunens waren wohl eine der am meist gefeierten Bands auf dem WOD.

Unleashed

Die zweite schwedische Formation betritt an diesem Tag die Bühne: UNLEASHED. Mit ihrem Bestehen seit 1991 ebenfalls alte Hasen im Geschäft feuern sie dem Publikum ihre bekannte Mischung aus Death und Viking Metal um die Ohren. Sänger und Bassist Johnny Hedlund, ursprünglich bei Nihilist und kurzzeitig bei Entombed, schickte gemeinsam mit den Gitarristen Tomas Olsson und Fredrik Lindgren sowie Drummer Anders Schultz in seine Band ins Rennen – ein absoluter Erfolg. Seit März 2010 unter Vertag von Nuclear Blast und jüngst mit dem neuen Album „As Yggdrasil Trembles“ im Gepäck, enttäuschten sie ihre Fans mit einem starken Auftritt auf dem WOD keineswegs.

Napalm Death

Zum Zweiten eine Band des Politischen, früher wie Rawside dem Hardcore Punk verpflichtet, sind sie nun eher in der Sparte Death/ Grind anzusiedeln. Wer Napalm Death schon einmal gesehen hatte, wusste genau, was er zu erwarten hatte: ein wild umherspringenden Barney, der mit Stimme und seinen Ansagen die Meute vor der Bühne zu begeistern wusste. Wer die Alben und die Kürze der Lieder kennt, wird nicht überrascht von der Länge der Setlist sein, die ich mal unkommentiert und einfach für sich sprechen lasse: Strong Arm, Suffer The Children, Silence Is Defeaning, Life And Limb, Diktat, When All Is Said And, Done, It´s a M.A.N.S. World, From Enslavement to Obliteration, …, Scim, Life?, The Kill, …, You Suffer
Zugaben: Mass Appeal Madness, Navi Punks Fuck Off, Persona Non Grata, Smear Campaign, Siege Of Power

Possessed

Den krönenden Abschluss des WOD sollten POSSESSED, die Väter des Death Metal geben, zu deren Auftritt selbst die sonst in der Vorhalle Lungernden hervorgekrochen kamen. Als dann Jeff Becerra auf der Bühne erschien, gab es ein Jubel sondergleichen. Mit den ersten zwei Songs plus Intro sowie „Beyond The Gates“ vom gleichnamigen Album wurde man prompt in´s Jahr 1986 zurückversetzt und es gab kein Halten mehr. Selten erlebt man solche absolute Begeisterung für eine Band. Weiter ging es mit Kulttiteln wie „My Belief“, „Séance” und „Pentagram”. Auch “The Exorzist”, „Confessions” sowie selbstverständlich „Holy Hell” durften nicht fehlen. Last but absolutely not least wurde der tobenden Menge „Death Metal” und als Zugabe „ No Will To Live” um die Ohren geschmettert. Besser hätte der Abend nicht enden können!

FAZIT: Insgesamt ein wirklich schöner Abschluss der großen Festivalsaison. Dinge wie Toiletten –allein schon ein Luxus, dem man durch die Halle zuteil wurde- wurden nie zum Problem und wurden in fast minütigen Abständen kontrolliert, wofür man sich auch gerne mal mit einem Trinkgeld bedankte. An den Securities gab es überhaupt nichts auszusetzen; die „Grabenschlampen“ sollten meiner Meinung nach die einzigen sein, die auf Metalfestivals was zu suchen haben. Ein kleiner Kritikpunkt wären die hohen Bierpreise. 3 Euro für 05, : billiger bekommt man es wahrscheinlich fast nirgends mehr auf Festivals, nur sollte man sich vielleicht vor Augen halten, dass es rentabler ist, das Bier billiger zu machen, da dann weniger an Eigenalkohol vor der Halle getrunken wird. Sonst gab es am ersten Tag noch den Sound betreffend einige Mängel: einfach viel zu laut und verwaschen. Das wurde aber über den Tag souverän gelöst.

Für euch war auf dem WOD 2010: Diana M. (Fotos und Review)

Bilder Way Of Darkness 2010

Montag, 30. August 2010

Summer Breeze 2010 Bericht

Live Review Summer Breeze Festival, 18.-21.8.2010

Der Sommer neigt sich dem Ende, und die letzten Festivals der Saison stehen an. Das so ziemlich größte Abschlussfestival ist das Summer Breeze Open Air in Dinkelsbühl. Mit rund 30.000 zahlenden Gästen ist es heute das zweitgrößte Metalfestival Deutschlands – und ein Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. Solange die Veranstalter sich an ihr Versprechen halten, nur so viele Gäste einzuladen, wie sie auch verwalten können, ist dagegen sicherlich nichts einzuwenden – allerdings sollten dann auch die Nadelöhre am Eingang zum Festivalgelände vergrößert werden, und ein besser ausgefeiltes Transportkonzept muss auch her, die Shuttlebusse kommen teilweise mit dem Transport nicht hinterher, und auf den Straßen bilden sich teilweise lange Staus. Löblich ist dagegen, dass die Busanfahrt von z.B. Ansbach schnell und einfach geht.
Unschön ist die übermäßige Polizeipräsenz, die einen teilweise vermuten lässt, sämtliche Terrororganisationen sind zu Gast auf dem Summer Breeze. Nirgendwo außerhalb von Bayern würde man auf die Idee kommen, derartige Massen an Polizeikräften für ein Metalfestival einzusetzen und sie teilweise sogar Securityaufgaben übernehmen zu lassen. Ob der eigentliche Zweck – die Abschreckung von Zeltdieben – erreicht wurde, darf zumindest einmal bezweifelt werden.
Das Festivalgelände selbst sollte noch einmal generalüberholt werden. Natürlich finden bei so alten Hasen wie den Summer Breeze Organisatoren keine ernsthaften Schnitzer mehr statt, aber ein paar mehr Frischwasserstellen und Dixis wären schon schön.

So, nun aber genug gemeckert, denn eigentlich wird hier schon alles richtig gemacht. Auf zwei großen Bühnen wechseln sich ohne große Pausen die Bands ab, und haben dabei – dafür meinen tiefsten Respekt – einen guten Sound. Parallel wird noch die Party Stage beackert, ebenfalls meist mit starkem Sound. Und wenn man auf beides keine Lust hat, gibt’s noch das 2,0 Promille Programm auf der Camel Stage. Die Bands dort sind meist eher Gags und größtenteils für meine Ohren unhörbar, aber ein gewisses Interesse ist immer da.

Hat man mal gar keine Lust auf Musik, bietet sich der Metalmarkt an, der zwischen den Bühnen und dem Zelt gelegen ist. Dort findet man vom rosanen Nietengürtel bis zur limitierten Black Metal Kultschallplatte so ziemlich, was irgendwer haben wollen könnte, und das auch meist zu ganz kulanten Preisen. Die Fressalienstände nähern sich in ihrer Preispolitik hingegen leider eher dem Wacken Open Air an (Bratwurst für 3 Euro), aber das scheint bei zunehmender Größe eines Festivals Standart zu sein.

Einen besonderen Kommentar möchte ich noch zur Security loswerden: Die Damen und Herren haben zwar teilweise Eingewöhnunugsschwierigkeiten, weil einigen die Regeln des Festivals nicht klar sind (Tetrapacks wurden aufgeschnitten, bei PET-Flaschen musste der Deckel abgenommen werden), insgesamt ist der Eindruck jedoch definitiv positiv. Die Securities sind freundlich, aber professionell, lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, greifen aber auch durch, wenn es sein muss. Dafür meinen Dank, denn das hat man in der Vergangenheit auch schon anders erlebt. Zudem zeigt die Shirtaufschrift „Grabenschlampen“ Sinn für Humor.

Mittwoch:

Suicidal Angels: Man sieht diese Band dieses Jahr dauernd, ständig und überall. Das ist logisch, denn nur durch stetige Livepräsenz kann man sich in einem übersättigten Land wie Deutschland eine Fanbasis aufbauen. Und ich würde mich ehrlich für die SUICIDAL ANGELS freuen, wenn sie auch über den Thrash Revival Trend hinaus ihre Duftmarke hinterlassen könnten. Denn auch wenn ihr Stil nicht gerade originell ist, live sind die Griechen eine Macht. Und das auch heute: Mit „Pestilence of Saints“ startet der Vierer in 45 energiegeladene Minuten, in denen ein Hit auf den anderen folgt. Das schon gut gefüllte Zelt feiert den Gig dementsprechend ab, Moshpits starten und die Haare fliegen. Mit dem großartigen „Apokathilosis“ verabschieden sich SUICIDAL ANGELS und haben sicherlich wieder ein paar Fans dazu gewonnen.

Suffocation: Da können SUFFOCATION nicht mithalten. Das Zelt ist zwar ähnlich voll wie bei den Griechen, doch der technische, absolut melodiefreie Death Metal der Band kann einfach nicht so viel Energie entfachen. Dennoch ziehen SUFFACATION ihr Ding mit viel Engagement und Spielfreude durch, so dass sie am Ende nicht nur ihre Die-Hard Fans auf ihrer Seite haben. Und damit kann man sicherlich zufrieden sein.

Rage: Ich werde nie verstehen, warum Festivalveranstalter RAGE nach wie vor so grob unterschätzen. Diese Band ist nicht nur stilprägend für den deutschen Metal, sie hat auch konstant starke Alben abgeliefert und sich auf diese Weise auch immer ein junges Publikum erschlossen. Das zeigt sich auch heute, denn RAGE spielen nicht nur vor voller Hütte, sie haben auch einige Jungfans im Publikum und ernten die besten Reaktionen des Tages. Das Ruhrpott-Trio startet zwar mit dem Opener des aktuellen Albums „The Edge of Darkness“, spielt ansonsten aber zumeist Klassiker der Marke „Soundchaser“ oder „Higher than the Sky“. Wie oft hat diese Band eigentlich technische Probleme, wegen denen sie ihr Set spontan umstellen muss? Heute ist es das Plastikorchester, das nicht funktioniert, wodurch mehr alte Songs in den Set wandern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Unleashed: Und auch UNLEASHED haben heute einen guten Tag erwischt. Fielen die Schweden sonst gelegentlich eher durch Trinkfreude als durch Spielfestigkeit auf, walzen sie heute alles platt, was nicht rechtzeitig aus dem Weg springt. Dabei bieten sie eine gut durchmischte Setlist mit Songs wie „To Asgaard we fly“, „Death Metal Victory“, „Shadows in the Deep“ oder „Wir kapitulieren niemals“. Zudem findet Sänger Jonny Hedlund heute gerade das richtige Maß an Mitsingspielchen, so dass das sowieso gut aufgelegte Publikum auch gerne bereit ist, mitzumachen.

Donnerstag:

Barren Earth: Gelegentlich lohnt es sich wirklich, sich von der Sonne aus dem Zelt treiben zu lassen und direkt vor die Bühne zu marschieren. Dort steht nämlich die All-Start-Truppe BARREN EARTH (Mitglieder sind Mikko Kotamäki von Swallow the Sun, Janne Perttilä und Marko Tarvonen von Moonsorrow, Sami Yli-Sirniö von Kreator, Kasper Mårtenson und Olli-Pekka Laine von Amorphis), die den paar Anwesenden mit schweren Doomsounds einheizen. Das ist zugegebenermaßen nicht unbedingt der perfekte Wachmacher, aber derartig schön gemacht und stimmungsvoll zelebriert, dass es einen einfach nicht kalt lassen kann.

Dream Evil: Wenn ein Genre auf den meisten Festivals sehr stiefmütterlich behandelt wird, dann ist das eindeutig der gute, wahre, klassische Stahl. Und genau den spielen DREAM EVIL. Leider zieht das zu dieser unsatanisch frühen Uhrzeit kaum begeisterte Headbanger vor die Bühne. Das ist schade, denn DREAM EVIL haben eindeutig Spaß an ihrem Auftritt und legen einen tollen Best-Of Set hin, der kein traditionelles Bangerherz kalt lassen kann. Meistens im Midtempo gehalten und mit einigten Power Metal Anleihen ausgestattet, gehen die Songs sofort ins Ohr. Diese Band hat definitiv ein größeres Publikum verdient.

Grailknights: Manche Bands sind einfach so blöde, dass man sie liebhaben muss. In diese Kategorie fallen die GRAILKNIGHTS eindeutig, wenn sie mit ihren albernen Supermannkostümen über die Bühne stürmen, um den heiligen Gral von Dr. Skull zurückzuerobern. Das Bier anschleppende Pony Zapf Beauty macht den Eindruck komplett. Das Ganze wird dann lässig mit ein paar Modern Metal/Melodic Death Hymnen mit vielen Mitgröhlparts unterlegt, und irgendwie ist das ganze zwar peinlich, aber auch verdammt unterhaltsam. Das findet auch das gut gefüllte Zelt, dass die Hanseln abfeiert.

Dew-Scented: Da ich die Modern Thrasher auf dem Wacken Open Air verpasst habe, gucke ich sie mir heute an. Das Zelt ist ähnlich gut gefüllt wie bei den Grailknights, und die Stimmung kocht sogar noch schneller über. Das Publikum bangt und hüpft und mosht und jubelt DEW-SCENTED zu. Das die Mischung aus Metalcore, Modern Metal und ein paar Thrash-Elementen auf Dauer ziemlich stumpf vor sich hin böllert, stört dabei niemanden.

Die Apokalyptischen Reiter: Kinder, macht den Fernseher aus, es ist Weltuntergang. DIE APOKALYPTISCHEN REITER preschen wie ein ICE auf Amphetaminen mit „Wir sind das Licht“ los und reißen die trotz der Hitze gut angewachsene Meute vor der Bühne vom ersten Moment an mit. Mit „Revolution“ wird schnell nachgelegt, bevor Fuchs seine erste Ansage macht. Dieser Mann ist einfach mal einer der charismatischsten Frontmänner, die es auf diesen Bühnen zu bestaunen gibt, und er führt durch ein Programm, bei dem es von ganz alt („Unter der Asche“) bis ganz neu (Der noch unveröffentlichte Song „Boten einer neuen Zeit“) alles zu hören gibt, was der Fan sich nur wünschen kann. Sicherlich wäre es schön, wenn das Quintett die Setlist mal etwas umräumen würde (vom aktuellen Album „Licht“ kommen fünf Songs zum Einsatz), aber hier und heute funktioniert der bewährte Set super. Dazu gibt es noch eine Percussioneinlage, die wirklich schön anzuhören ist. Beim Rausschmeißer „Seeman“ hat Fuchs heute keine Lust, sich eine Seemannsbraut auszusuchen, und bittet kurzerhand alle Frauen auf die Bühne.

Agnostic Front: Es wahr schon immer der Ansatz des Summer Breeze, auch große Bands aus angrenzenden Genres, also vor allem Punk, Gothic Rock und Hardcore, auf das Festival zu bekommen. Und in diesem Sinne ist der hochenergetische Gig von AGNOSTIC FRONT ein voller Erfolg, denn Metaller und Punks feiern ihn zusammen ab – jeder auf seine Weise. Die New Yorker Hardcore Legende legt einen supertighten und enthusiastischen Gig auf die Bretter, der selbstverständlich ein weiteres Mal vom Überhit „Gotta go“ gekrönt wird. Leider macht die Truppe aus unerklärlichen Gründen schon 10 Minuten vor Ende der offiziellen Spielzeit Schluss, was einiges Magengrummeln verursacht.

Obituary: Vergleicht man den Gig von OBITUARY mit dem von Agnostic Front, fehlt den Death Metallern das, was die Hardcoreler im Überfluss haben: Energie. Trotz hochklassigem Songmaterial und starkem, walzendem Sound springt der Funke heute einfach mal nicht über. Die Band steht routiniert in der Gegend rum, aber echte Begeisterung sieht nun mal anders aus. Das ist den Death Metal Maniacs ziemlich egal, die feiern ihre Helden trotzdem von vorne bis hinten ab, aber neue Fans dürften sich heute schwer tun. Schade!

Swallow the Sun: Also flüchte ich vorzeitig zu SWALLOW THE SUN, die sich zwar auch nicht viel bewegen, dafür mit ihrem doomigen, gleichzeitig aber sehr entspannten Sound punkten können. Jeder Ton umschmeichelt das Publikum im halbvollen Zelt und jeder Snareschlag hat Ausstrahlung. Die Tour mit Katatonia hat den Finnen spürbar gut getan, denn sie haben sich eine große Routine erspielt, dabei aber dankenswerterweise nicht ihren Spielspaß verloren. Jede der sparsamen Gesten vermittelt Passion, und jeder Song ist ein Kunstwerk.

Tryptikon: Da können TRIPTYKON super anschließen, denn der Sound der legitimen Celtic Frost Nachfolger ist auch schwer und eher langsam – aber unendlich viel dunkler. Die Band steigt überraschenderweise mit einer verdoomten, wahnsinnig intensiven Version von „Procreation (of the Wicked)“ ein, bevor mit „Goetia“ der erste neue Song kommt. Bereits hier wird klar, dass die neuen Werke von Tom Warrior sich nicht hinter seinen alten Glanztaten zu verstecken brauchen. Es regiert die Finsternis in ihrer tiefsten, furchterregendsten, aber auch faszinierendsten Form, und noch finsterer wird an diesem Wochenende nur noch eine Band. Höhepunkt ist dann auch nicht etwa ein Celtic Frost Song, sondern das 20-minütige, dämonische Mamutwerk „The Prolonging“, in dem Tom gesanglich zu Höchstform aufläuft. Absolut faszinierend und nicht von dieser Welt!

Subway to Sally: Gegen die dunkle Übermacht von Triptykon können die friedlichen Folkrocker SUBWAY TO SALLY eigentlich nur verlieren. Das tun sie aber nicht, denn sie haben heute nicht nur einen verdammt guten Tag erwischt, sondern auch eine Setlist dabei, die sich absolut sehen lassen kann. Bei bestem Sound und großer Licht- und Pyroshow eröffnen sie mit „Henkersbraut“ und hängen direkt als zweiten Song „Kleid aus Rosen“ ran. Zudem gibt es selten gespieltes wie „Kleine Schwester“, „Die Schlacht“ oder „Maria“ und natürlich Hits wie „Falscher Heiland“ und „2000 Meilen unterm Meer“. Dazu legt Eric die beste Gesangsleistung hin, die ich seit langem von ihm gehört hab. Möglicherweise flogen woanders mehr Haare, aber niemand hatte auf diesem Festival ein derartig textsicheres Publikum wie SUBWAY TO SALLY. In dieser großartigen Form immer wieder gerne.

Raised Fist: Bereits vorher war bekannt, dass Behemoth aufgrund einer Krankheit von Sänger Nergal absagen mussten und das als Ersatz Endstille einspringen sollen. So weit, so gut. Nur sind die hyperaktiven Flummys, die die vertrackte Seite von Meshuggah mit der langweiligen von Heaven Shall Burn vermischen, definitiv nicht Endstille, sondern RAISED FIST, die eigentlich jetzt im Zelt aufspielen sollten und mit nachlassendem Publikumsinteresse zu kämpfen haben. ‚Zu recht’, denke ich mir und gehe ins Zelt.

Endstille: Und wenn finde ich da? Die Kieler Kriegsvertoner mit dem politisch unkorrekten Bandnamen. Sehr schön. Leider sind ENDSTILLE trotz guter Setlist (u.a. „Navigator“, “Conquer is atheism“ und „Dominanz“) nicht gerade in Bestform, was sicherlich hauptsächlich auf den Neusänger zurückzuführen ist, dem es an Ausstrahlung fehlt und der zudem die Spielpausen durch wirres Herumgerenne immer wieder in die Länge zieht, wodurch die Stimmung immer wieder sinkt. Alles in allem ein höchstens solider Gig.

Necrophagist: Da geht bei den Tech Deathern schon viel mehr. NECROPHAGIST bringen im Sekundentakt halsbrecherische Achterbahnfahrten auf ihren Instrumenten, das einem einfach nur die Spucke wegbleibt, behalten dabei aber immer die nötige Eingängigkeit in ihren Songs, um auch live und für Nichtmusikstudenten nachvollziehbar zu sein. Dementsprechend sieht man Headbanger, Moshpitfans und Griffbrettbeobachter einträchtig zusammen feiern. Auch die Band ist gut drauf und freut sich über die euphorischen Reaktionen.

The Devil’s Blood: Die Holländer gehen schon mit zehn Minuten Verspätung in den Soundcheck rein und verlassen ihn mit etwas mehr. Das hat erschreckend wenig gebracht, denn von den drei Gitarren ist zumindest anfangs keine so richtig zu hören. Dankenswerterweise wird das im Laufe des Gigs besser, so dass Songperlen wie „The Heavens Cry out for the Devil’s Blood“ und „House of the 10.000 Voices“, die mit langen Jam-Sessions aufgenmöbelt werden, auch richtig wirken. Auch wenn die Atmosphäre sicherlich bei einem Clubkonzert sehr viel intensiver ist, auch hier und heute können THE DEVIL’S BLOOD mit ihrem Mix aus schöner Rockmusik und dunkler Atmosphäre überzeugen. Zum Höhepunkt gerät dabei die ruhige Version von „Vodoo Dust“. Danach wird der Band leider ziemlich rüde der Strom abgedreht, so dass „Christ or Cocaine“ nur noch über die Monitorboxen zu hören ist, allerdings von den Fans vor der Bühne stimmlich verstärkt wird. Bandleader SL ist stinksauer und macht seinem Zorn gegenüber dem Stagemanager Luft, in dem er ihn aggressiv schubst. Seine Reaktion ist durchaus verständlich, denn die Verspätung der Band war größtenteils nicht selbst verschuldet. Die Fans brüllen sich die Seele aus dem Leib, während der Abbau bereits beginnt, und ich warte förmlich darauf, dass irgendwer über die Absperrung klettert und die Bühne stürmt. Dankenswerterweise beruhigen sich die Fans kurz vor dem Auftritt von Ahab wieder.

Ahab: In der aufgeladenen Stimmung wirkt der Funeral Doom von AHAB wie Löschwasser auf einen Waldbrand. Bereits mit dem ersten Riff sind alle wieder beruhigt und lassen sich entführen. Aufgrund der Songlängen sind heute nur vier oder fünf Songs möglich, die aber mit viel Inbrunst gespielt und von den paar übriggebliebenen Fans (man bedenke, es ist schon nach drei Uhr) bis zur letzten Schwingung aufgesogen werden. Erinnerungen an Sunn O))) werden wach, und Sänger Daniel Droste sieht zwar recht streberhaft aus, kann aber sowohl viehisch grunzen als auch schön singen und hat die Meute vom ersten bis zum letzten Moment im Griff.

Freitag:

Deadstar Assembly: Heute ist wohl der Gothic Themenvormittag. Die erste Band, die ich sehe, sind DEADSTAR ASSEMBLY. Die spielen Indtustrial/Gothic Rock und sehen aus wie eine Mischung aus Marilyn Manson und Mötley Crüe. Die Kerle scheinen gut Spaß an ihrem Auftritt zu haben und ziehen Teile der Patchouli Fraktion vor die Bühne, aber wirklich hängen bleibt nichts.

Mono Inc.: Und wenn wir schon bei den Themen „Gothic“ und „Durchschnitt“ sind, kommen mir doch gleich MONO INC. in den Sinn. Und schwupps, stehen sie schon auf der Bühne. Frontmann Martin Engler hat seit der Tour mit Subway to Sally mächtig an Selbstsicherheit gewonnen, dafür ist das Drumsolo heute leider strunzöde. Immerhin beweisen die Schminkfans Humor mit dem Cover von „The Passenger“, das zwar nur mäßig spannend umgesetzt ist, aber immerhin etwas Abwechslung in den Reigen der – das ist leider geblieben – gleichförmigen und langweiligen Industrial Rock Songs bringt.

Letzte Instanz: Die LETZTE INSTANZ zieht zwar ganz gut Leute vor die Bühne, aber, seien wir ehrlich, auch deren Songs gehen nicht gerade als Kreativitätsbomben über die Ziellinie. Dafür besitzt Sänger Holly eine starke Livepräsenz und die Band geht mit viel Engagement und Spielfreude an ihren Auftritt ran. Das ist nicht nur eine schöne und gelegentlich bei anderen Bands vermisste Einstellung, es bügelt auch die Studioschwächen der Band aus. Dementsprechend drehen die Fans schnell durch und auch die Schaulustigen werden bestens unterhalten.

Fiddler’s Green: Auch die fröhlichen Folker machen gut Stimmung. Obwohl sie komplett ohne Gitarre und elektronische Verzerrung auskommen, sind sie heute genau am richtigen Ort, um die Stimmung weiter nach oben zu treiben. Trotz großer Hitze und der immer noch recht frühen Spielzeit haben sich viele Fans vor der Bühne eingefunden, um zu schunkeln und zu tanzen. FIDDLER’S GREEN spielen dementsprechend feuchtfröhlich einen unterhaltsamen, tanzbaren Set, der den Fans mal etwas Erholung für die Ohren gönnt.

Ênsiferum: Die Folkmelodeather im Fahrwasser der Bodomkinder sieht man quasi ständig und überall. Das sie trotzdem auch in der brühenden Hitze den Bühnenvorplatz vollbekommen, spricht definitiv für ihre Qualitäten als Liveband und für die Eingängigkeit ihrer Songs. ENSIFERUM sind hier und heute eher routiniert als wirklich begeistert, feuert aber einen starken Best-Of Set ab, der keine Wünsche offen lässt.

Anathema: Dagegen ist bei ANATHEMA die absolute Ruhe und Entspannung Programm. Die Proggies sind dementsprechend nicht gerade eine Feier- und schon gar keine Moshpitband, wodurch sie mit nachlassendem Publikumsinteresse zu kämpfen haben. Das ist ihnen aber egal, denn ANATHEMA haben nie Musik für die Massen gemacht. Dementsprechend sind die Musiker mit dem recht überschaubaren, aber umso begeisterteren Publikum durchaus zufrieden und verwöhnen es mit sphärischen Klängen, überlangen Ohrenschmeichlern und sparsamen, aber beeindruckenden technischen Meisterleistungen. Ist halt eher was für Liebhaber…

Cannibal Corpse: Was soll man über CANNIBAL CORPSE groß sagen? Sie sind eine Legende im Death Metal, sie sind laut, schnell, technisch über jeden Zweifel erhaben und definitiv melodiefrei. Headbang- und Moshkompatible Stimmung ist garantiert, und das Adrenalin fließt bei politisch und geschmacklich nicht ganz stubenreinen Songs wie „Fucked with a knife“ in Strömen. Dementsprechend sammeln sich die Massen vor der Bühne, um den Königen des brutalen Gesamtkunstwerkes zu huldigen und ihren Nacken an den Rand des Kollapses zu treiben. Bei den Kannibalen selbst bin ich mich mir irgendwie nie so recht sicher, ob sie wirklich begeistert sind oder sich einfach nur eine wahnsinnige Routine erspielt haben. Aber, seien wir ehrlich, das ist bei solch begeisterten Massen auch nicht wirklich relevant.

End of Green: So, laut Bildschirmwerbung sind das also melancholische Walzen, die aufgrund ihrer Lebensnähe schmerzen? Okay, okay, ich versuche zur Abwechslung mal, sachlich zu bleiben. Eingeklemmt zwischen Cannibal Corpse und Hypocrisy bilden END OF GREEN eine melodische Insel, die durchaus ihre Anzahl an Fans vor die Bühne zieht, während sie das schwarze Meer von Death Metal Jüngern, die nach den Großmeistern gleich da bleiben, eher auf die Nerven gehen. Dabei wirkt die Band engagiert und hat auch durchaus starke Melodien im Gepäck. Dennoch fehlt den meisten Songs das Feuer, um dauerhaft in Erinnerung zu bleiben. Und Michelle Darkness mag Charisma bis zum Umfallen haben, er ist auch eine verdammte Heulsuse, und hat dementsprechend bei der Headbangerfraktion schlechte Karten. Ein in sich starker, aber an dieser Stelle eher zwiespältiger Auftritt.

Hypocrisy: Die Schweden um Berufsgrimasse Peter Tätgren fahren von Anfang an das volle Brett auf. Mit „Fractured Millenium“ steigen HYPOCRISY in einen überrschenderweise zur Clubtour recht variierten Set ein. Vom neuen Album kommt nur noch „We so füllen die Musiker den Bühnenraum spielend aus und begeistern das zahlreiche Publikum mit einem Riffgewitter der Sonderklasse.

Gorgoroth: Seit er wieder der Chefdenker bei GORGOROTH ist, hat Infernus mächtig Oberwasser, was sich in grandiosen Liveshows der Black Metal Legende niederschlägt. Sparsam, aufs wesentliche reduziert, kalt, finster. Pest steckt Gaahl als Black Metal Fronter locker in die Tasche und glänzt nebenbei mit schönem Klargesang und sparsamen, aber wirksamen Ansagen. Dazu eine Setlist, die Vergangenheit und Zukunft von GORGOROTH miteinander vereint. Einziges Problem heute ist der viel zu leise Sound.

Despised Icon: Die Brutalo-Tech Deathcore Walze, die man wohl nicht mehr so oft sehen wird, macht im Zelt zeitgleich mächtig Alarm. Wall of Death, Circle Pit und moshen bis der Arzt kommt – im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei bekommt die Redewendunged out the Weak“ in den Set, ansonsten regiert auch hier der Best-Of Gedanke mit Songs wie „Fire in the Sky“, „Let the knife do the talking“ und dem unvermeidlichen „Rosswell 47“. Die Band hat sich ihre Routine zurückerspielt, dabei ihren Enthusiasmus aber nicht verloren, und „Harte Schale – weicher Kern“ mal wieder ihre Bestätigung, denn während der Pit für Außenstehende nach einem Schlachtfeld aussieht, haben sich innen drin alle ganz doll lieb – wie auch DISPISED ICON, die zwischen ihren garantiert melodiefreien Ohrenhappen Freunde grüßen und sogar früher Schluss machen, damit die Fans es noch zu Heaven Shall Burn schaffen.

Watain: Während sich vor der Hauptbühne die Kids für die nächste Runde Schlammcatchen bereitmachen, feiern die Black Metal Fans im Zelt die teuflischen Schweden von WATAIN. Das Quintett kann heute leider nicht die volle Show auffahren, es gibt keinen Gestank nach Tod und Verwesung, und auch die Spielzeit ist arg kurz bemessen. Das alles ändert aber nichts daran, das das Soundgebräu von WATAIN das so ziemlich intensivste ist, was gerade im Black Metal zu bekommen ist. Nach einem atmosphärischen Orgelintro steigt die Band mit „Malfeitor“ vom neuen Album ein und beschränkt sich auch sonst auf Songs der letzten zwei Alben. „Sworn to the dark“, „Reaping Death“, „Legions of the black Light“, „Wolves Curse“ oder „Total Funeral“ öffnen uns feurige Abgründe, während Sänger Eric mit selten erreichter Inbrunst die Texte in die Nacht hinausschreit und zwischen den Songs morbide Ansprachen zum Besten gibt. Man möge mir bitte eine Band zeigen, die noch authentischer finstere Ideale vertritt und sie noch gelungener musikalisch und emotional auf der Bühne umsetzt – hier herrscht heute die Finsternis wie nirgendwo und nie sonst auf diesem Festival.

Gwar: Es wird Zeit für eine Sauerei. Und zwar für eine Riesensauerei. Und da kommen auch schon GWAR auf die Bühne. Musikalisch ist diese Band nach wie vor im Mittelfeld zu verorten und dementsprechend auch nur mäßig interessant. Aber die Show macht natürlich definitiv etwas her, von den Monsterkostümen bis hin zu den geköpften Gaststars, wobei man sich den „Tribut“ an Ronnie James Dio hätte sparen können. Aber so sind die Monster halt, und ihre von Bands wie Kiss und Alice Cooper inspirierte Show mit in Strömen fließenden Körperflüssigkeiten mag man halt oder eben nicht.

Samstag:

Be’lakor: Die Aussies von BE’LAKOR freuen sich sichtlich trotz früher Spielzeit und großer Hitze vor einer größeren Menge Fans zu spielen, die ihnen auch noch wohlgesinnt sind. So sprinten die an die Hitze gewöhnten Australier über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist und bedanken sich immer wieder herzlich bei den Fans, die es ihnen mit viel Jubel vergelten. Es ist immer wieder schön, solche noch ausgehungerten Bands zu sehen, die die Massen mit ihrem Enthusiasmus anstecken.

The Foreshadowing: Das gilt auch für THE FORESHADOWING, deren Doom Metal zwar nicht ganz so zugänglich ist, die aber ebenfalls mit viel Enthusiasmus an ihren Auftritt rangehen. Das noch gewachsene Publikum dankt es mit viel Jubel, was vor allem den in ein Sparta-Lookalike-Kostüm gewandeten Sänger sichtlich freut. Zu den Downtemposongs mit viel Keyboardunterstützung lässt sich gut in den Tag reintänzeln, auch wenn der Nacken vorläufig unbewegt bleibt.

Undertow: Auch das Bollotrio UNDERTOW hat heute einen guten Tag erwischt. Sänger Joschi ist gut drauf, singt großartig und mimt den Entertainer, dazu kommt der eigenwillige Stilmix seiner Band gut an und kann sich auf viele Fans stützen. Da fließen die Riffs gleich noch einmal so gut, und auch die Fans lassen sich schnell aus der Reserve bzw. dem Schatten locken, um UNDERTOW gebührend abzufeiern.

Van Canto: Die metallischen Sängerknaben beehren mal wieder ein Festival mit ihrem lediglich perkussiv verstärkten Gesangsprogramm. Dabei fällt auf, wie sehr die Band sich nach wie vor auf Coverversionen der Marke „Bard’s Song“, „Rebellion“ oder „Fear of the dark“ stützt, obwohl auch „The Mission“(mit eingebautem „Master of Puppets“), „How to sing a Metalsong“ oder der Opener „Lost Forever“ durchaus überzeugen können. Vor allem Letzteres würde ich bei allem Respekt doch gerne mal mit Gitarren verstärkt hören. Doch auch so sorgen VAN CANTO für ausgelassene Feierstimmung und machen die bösartig bratende Sonne etwas erträglicher.

Psychopunch: Da können PSYCHOPUNCH mit ihrem Feiersound gut anschließen. Man möge bitte bei einer solchen Band keine musikalischen Höchstleistungen erwarten, aber das Konzert macht Spaß, lahme Arme und Bierdurst. Dementsprechend ist auch das Publikum gut dabei, die Band nach Kräften zu unterstützen und die Grundlage für den Kater der nächsten drei Tage zu legen. Schöner, unterhaltsamer Auftritt.

Freiwild: Wie kleine Unterschiede doch eine große Wirkung zeigen können. Kaum ist der Sound stark und die Setlist in der Reihenfolge ein klein wenig umgestellt, kommt auch der Spielfluss im Gig und die Ausstrahlung nicht zu kurz. FREIWILD sprühen trotz der Affenhitze nur so vor Spielfreude und schaffen es ohne große Probleme, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Mit „Land der Vollidioten“, „Halt deine Schnauze“ und „Sieger stehen da auf wo Verlierer liegen bleiben“ sind die stärksten Songs diesmal auch hinten im Set platziert. So kann es gerne weitergehen.

Leaves Eyes: It’s Trällerelsentime. Und LEAVES EYES gehören nicht nur zu den beliebtesten, sondern auch zu den besten Verfechtern des Power Metals mit Frau am Mikro. Dennoch, hier und heute haben die Süddeutschen nicht gerade ihren besten Tag erwischt. Ihr Auftritt kommt routiniert und beliebig rüber, und Sängerin Liv Kristine haut einige der überflüssigsten Aussagen des Tages raus (Alter, wen zum Geier interessiert, wie sich die Sonne auf ihren Teint auswirkt?). Eher schwach.

Eisbrecher: Muss man EISBRECHER auf Platte klinische Reinheit bescheinigen, sieht das live überraschenderweise doch etwas anders aus. Jedenfalls tönen die Songs um einiges eckiger und kantiger als auf der Konserve, was vielleicht auch am Sound liegt, der die Elektroelemente hinter den gut durchgezerrten Gitarrenwände verschwinden lässt. Die Ausflüge in die Elektrosounds hätten nicht sein müssen und Sänger Alexx Voxx ist definitiv ein arrogantes Arschloch, aber auch ein unterhaltsamer Entertainer. Und Songs wie „Miststück“ und „Schwarze Witwe“ reißen bei aller musikalischen und textlichen Plattheit doch eine ganze Menge.

Poisonblack: Noch mehr geht bei den Melodicmetallern mit Gothiceinschlag. Die Truppe schafft es, das Publikum schnell auf ihre zu ziehen und für viele Headbanger und hochgereckte Fäuste zu sorgen. Der Vorplatz füllt sich ganz gut und dem feierwütigen Volk gefällt der energetische Set. Darüber freuen sich wiederum POISONBLACK.

Solstafir: Während sich das gemeine Bangervolk von Poisonblack und später Sepultura bespaßen lassen, sammelt sich eine kleine, aber geschmackssichere Gruppe, um dem Stelldichein der Isländer Post Black Metal Innovatoren SOLSTAFIR zu lauschen. Die Band schafft es aufgrund der extrem begrenzten Spielzeit leider nur, drei Songs zu spielen, so dass eventuelle Songwünsche der Fans sicherlich unerfüllt bleiben müssen, aber die Hingabe, mit der die Musiker ihre Endlosnummern spielen, nötigt einem absoluten Respekt ab, und die Stimmung ist meditativ, sodass man sich einfach nur fallen lassen kann.

Sepultura: Die effektiv abgewirtschaftete Thrashlegende aus Brasilien hat sich dankenswerterweise wieder auf ihre Stärken besonnen und trumpfen mit vielen Songs der Güteklasse „Arise“ und „Troops of Doom“ auf. Damit sind sie leider durch die Abwesenheit der Cavalera Brüder nach wie vor kaum mehr als eine gute Coverband der klassischen SEPULTURA, erst recht wenn man bedenkt, wie sehr die letzten paar Alben abgefallen sind, machen aber zumindest Spaß und sorgen für viel Jubel und fliegende Haare.

Korpiklaani: Mit KOPRIKLAANI kann man als Festivalveranstalter an sich nicht viel falsch machen. Der Humpa Humpa Täteräh Metal der alkoholisierten Finnen ist der perfekte Soundtrack zum durchschnittlichen Festivalbesäufnis. Bereits beim Opener „Vodka“ haben KORPIKLAANI schon gewonnen. Die Massen tanzen, und zwar nach ihrer Pfeife. Zur Abwechslung zeigen die Herren sich heute zumindest gelegentlich auch von ihrer ernsten, folkigen Seite und lassen den Humpazug nicht einfach durchlaufen. Das ist eine schöne Abwechslung, die dann verdienterweise auch im Kontrast zu dem bierseligen Finale für einen weiteren Stimmungshöhepunkt sorgt.

Bülent Ceylan: Ich bin normalerweise nicht so der Freund von Comedy, weil das meiste in meinen Augen unlustiger, einfallsloser Mist ist, aber BÜLENT CEYLAN hebt sich da angenehm von ab. In einem kurzen, begeisterten und durchgehend politisch unkorrekten Auftritt zieht er eine der größten Massen des Festivals vor die Bühne, während die vorderen Reihen eine Wall of Death fordern. Am Ende wagt er sogar einen Crowdsurfversuch.

Sick of it all: Auf das Oldschool-Prädikat sollte man nicht nur bei Thrash Bands achten, auch im Hardcore sind die alten Nasen nach wie vor die besten. SICK OF IT ALL präsentieren eine von vorne bis hinten mitreißende Performance mit viel positiver Energie, die Frontmann und Flummy vom Dienst Lou Koller immer wieder beschwört. Mit einem schönen Best-Of Set präsentieren sich die New Yorker von ihrer besten Seite und gehen auch immer schön straight zur Sache. Nebenbei wird statt dem albernen Moshpitgetue Oldschoolpogo gefordert, womit aber kaum jemand etwas anfangen kann. Dennoch: SICK OF IT ALL sind einer der definitiven Höhepunkte des Festivals.

Dark Funeral: Macht das Wasser heiß, schneidet den Sellerie klein, it’s HUMMERTIME! DARK FUNERAL sehen in ihren Plastikpanzern aber auch zu albern aus – von der Ausstrahlung einer Band wie Behemoth ist man Lichtjahrhunderte entfernt. Auch die Coolness von Immortal erreicht man zu keiner Sekunde. Dazu kommt noch ein extrem schwacher, matschiger Sound, und schon hampeln die Pandas total sinnlos auf der Bühne rum. Da reißt dann auch die Pyroshow nicht mehr so tierisch viel. Sicher haben DARK FUBERAL viele Fans vor die Bühne geholt und ihre Show mag auch recht professionell sein – bei Lichte betrachtet (auch bei Black Metal kompatiblem Schwarzlicht) reißt sie aber dummerweise gar nichts.

Children of Bodom: Wenn Frontsau und Lebendminibar Alexi so weiter macht, landet er in absehbarer Zeit in der Entzugsklinik oder unter der Erde. Der Finne sieht bereits beim Betreten der Bühne verdammt fertig aus und versiebt seine Soli gleich reihenweise. „Blooddrunk“ (der einzige Song vom aktuellen Album) und das spontan eingefügte „Needled 24/7“ werden sogar komplett in den Sand gesetzt. Ein Glück, wenn man Bandkollegen hat, die dann die Kastanien aus dem Feuer holen. Zudem fängt das Adrenalin irgendwann an zu wirken, so dass Alexi sich zumindest noch steigert. Das eigentliche Sahnehäubchen des Gigs ist aber die Setlist. „Hate me“, „Kissing the Shadows“ (yeah!!!), „Everytime I die“ (endlich mal wieder), „Bodom Beach Terror“, usw. Man kann es nicht anders sagen, mit so einer Setlist kann die Band heute auch mal etwas schwächer sein, die Hits entfalten ihre Wirkung. Als CHILDREN OF BODOM dann auch noch wie blöde rumzualbern anfangen, haben sie sowieso gewonnen.

My Dying Bride: Danach folgen Besinnlichkeit und Erholung. MY DYING BRIDE machen das Beste aus ihrer undankbaren Spielzeit und fahren das Volle Brett in Form einer Best-Of Setlist und vielen melancholischen Tönen auf. Die Wechsel zwischen Violine und Keyboard geben dem Set einen zusätzlichen Farbtupfer, der den meisten Bands halt fehlt. Sänger Aaron wirkt zwischen den Songs zwar gerne etwas unsouverän, leistet aber musikalisch das volle Programm. Für viele der perfekte Abschluss des Festivals.

The Crown: Einmal gepflegt abschädeln bitte. Die Death Metaller THE CROWN bringen das Zelt noch einmal zum kochen. Auch wenn viele Fans bereits von den vier Festivaltagen müde sind und die Meute dementsprechend nicht mehr richtig groß ist, schafft es die Band, die verbliebenen Zuschauer noch einmal aus ihrer Lethargie zu reißen. Sie legen dabei selbst eine Spielfreude an den Tag, als ob sie auf der großen Bühne spielen würden.

Fazit: Auch wenn organisatorisch noch einige Kleinigkeiten verbessert werden können, ist das Summer Breeze ein schönes Festival mit ausgewogenem Bandprogramm. Wer kein Problem mit großen Menschenmengen hat, sollte unbedingt mal hin.

Best Of Ansagen:

Dream Evil:
Sänger Nick: „Der nächste Song handelt von Drachen… so Power Metal Scheiße halt.“

Die Apokalyptischen Reiter:
Sänger Fuchs: "So, wir kommen jetzt zum letzten Stück des heutigen Abends...(Empörtes Gebrüll vom Publikum)...nicht? Hat der junge Herr da drüben (deutet auf den Stagemanager) aber gesagt.“
Eine Minute später: „Okay, ich hab ihn auf zwei Songs hochgehandelt, weil er wahrscheinlich sonst auf die Fresse bekommen hätte."

Eisbrecher:
Sänger Alexx: „So, das ist unser Roadie, der macht das gar nicht schlecht, dafür, dass er vier Euro die Stunde bekommt. Und ja, ich bin gegen Mindestlohn.“

Children of Bodom:
Keyboarder Janne: "Our Webmaster is backstage and he is totally drunk...total blau, die besoffene Sau...and he said, he will quit, if we don't play a song from Lady Gaga."

Janne: „Ich bin zu besoffen, um „Kissing the Shadows“ zu spielen.“

Für euch waren da: Felix, Diana und Marie

Dienstag, 17. August 2010

Wacken Open Air 2010 Bericht

Live Review Wacken Open Air, 4.-7.8.2010

Einmal mehr rief Deutschlands lautester Acker zum feiern, saufen und rocken. Das Line-Up war dabei das stärkste der 21 jährigen Geschichte des Festivals. Umso erstaunlicher, dass die Veranstalter erst im April das Sold-Out Schild ans Gelände nageln konnten. Ein Zeichen, dass der viel geschmähte Wacken-Tourismus endlich nachlässt? Zu wünschen wäre es, und der Campground und das Festivalgelände sind dieses Jahr auch mehr in Metallerhand als die letzten zwei Jahre. Ansonsten hat sich nicht viel verändert: Der Mittwoch ist vollständiger Zirkustag geworden, bevor am Donnerstag das eigentliche Bandprogramm beginnt. Die vielen Stände für Fressalien pendeln preislich zwischen überteuert und glattem Wucher, wobei die Stände direkt am Campground als positive Ausnahme erwähnt werden sollten. Die Wege sind naturgemäß weiterhin recht weit, vor den Bühnen ist es meist am frühen Nachmittag schon sehr voll. Dringend getan werden muss etwas am Sound. Der ist selbst bei einigen großen Bands (z.B. Grave Digger, Alice Cooper, Overkill) häufig zu leise und/oder undifferenziert. So kann man an sich starke Auftritte auch kaputt machen.

Mittwoch:
Victims of Madness: Die Forumscoverband gibt auch dieses Jahr ein paar mehr oder weniger hölzerne Coverversionen von Metalklassikern zum Besten. Die Stimmung ist ganz gut, das Zelt ungefähr halb gefüllt, so dass VICTIMS OF MADNESS ihren Spaß haben.

Movienight
The Story of Anvil: Ich versusche mich hier zum ersten Mal an einer Filmkritik, seid also gnädig mit mir. „The story of Anvil“ ist ein hoch emotionaler Film über die Geschichte einer der ersten Heavy Metal Bands. Nach ein paar einleitenden Worten einiger Szenegrößen (u.a. Lemmy, Tom Araya, Lars Ulrich) über die Bedeutung der Band für den Metal folgt ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Band, bevor der eigentliche Bericht über die Europatour 2005 und die Studioaufnahmen zum aktuellen Album „This is Thirteen“. Er fängt die Stimmung der and in jedem Moment gut ein, egal ob die Band gerade zu neuen Höhenflügen ansetzt oder zum dutzendsten Mal die Welt untergeht. In einigen Momenten erinnert er sogar an die Metallica-Doku „Some kind of Monster“, ohne aber in dessen Weinerlichkeit zu verfallen. Man merkt in jedem Moment, dass man es hier nicht mit übersättigten Rockstars zu tun hat. Stattdessen sieht man eine Band, die für ihre Passion kämpft und trotz aller Widrigkeiten stehen geblieben ist.

Metallocalypse: Die Story ist nicht der Rede wert, die Witze sind auf Erdkernniveau. Das macht ab 1,5 Promille Spaß, aber seien wir ehrlich, würde sich kein Schwein dafür interessieren. Eine Serie für Leute, denen Spongebob zu anspruchsvoll ist…

Until the Light takes us: Dieser zweischneidige Film stößt in der Movienight auf das größte Interesse. Inhaltlich wird die Geschichte des norwegischen Black Metal von einigen Protagonisten, vor allem Fenriz (Darkthrone) und Varg Vikernes (Burzum).Während ersterer dabei einen durchaus sympathischen Eindruck macht, gibt letzterer erwartungsgemäß viel Unsinn von sich (u.a. rassistische Parolen und ein ziemlich verklärtes Bild des eigenen Werdegangs), der leider unkommentiert so stehen gelassen wird. Dieser Mann mag ein musikalisches Genie sein, er ist leider auch eine intellektuelle Nullnummer. Sein Charisma ist leider trotzdem hoch gefährlich, was sich auch im Publikum zeigt, dass bei jeder sensationsheischend gezeigten brennenden oder abgefackelten Kirche frenetisch jubelt und applaudiert. Ansonsten ist der Film nur mäßig spannend, glänzt aber mit ein paar feinen Details (z.B. zum Thema Artworks).

Mambo Kurt: Und alle Jahre wieder kommt MAMBO KURT und orgelt uns einen. Ich sehe die Show im Zelt, aber eigentlich ist es eh egal, denn es passiert immer dasselbe: Mit spaßigen Coverversionen orgelt Mambo die Busuffskis ins Delirium. Schöne Aktion: MAMBO KURT lässt das Publikum zwischen Metal/Rock und Electro-Trash wählen.

Donnerstag:
Apocalyptica: Wie im letzten Jahr kann man auch dieses Jahr am Festivalshirt ablesen, wer den Secret Gig spielt. Dabei spielen die APOCALYPTICA einen 45-Minuten Set auf dem für diese bewegungsfreudige Band viel zu kleinen Red Bull Stage. Da der Sound zudem sauber, aber viel zu leise ist und die Finnen nach dem Doppelschlag „Wherever I may roam“ und „Refuse/Resist“ eher auf Balladen und Alternativrocker setzen (darunter zwei neue Songs), so dass die Stimmung zuerst recht verhalten ist. Erst als die härteren Songs (u.a. „Fight Fire with Fire“ und „In the Hall of the mountain king“) ausgepackt warden, geht es richtig los, und das Ende fälltmit “Master of Puppets” versöhnlich rockend aus.

Skyline: Bei allem Respekt vor der Geschichte des Festivals, aber SKYLINE sind an dieser Stelle absolut überflüssig. Ausstrahlungslos werden ein paar Metalklassiker heruntergeholzt, nur um sich selbst feiern zu können. Lediglich die Gastauftritte von Doro Pesch und Udo Dirkschneider sorgen für ein gewisses Interesse.

Danach gibt es einmal mehr die Metal Hammer Awards. Man kann sich sicherlich fragen, ob der Metal einen Echo braucht, aber immerhin sind die meisten Wahlen nachvollziehbar. Dafür war die pathetische Sabina Classen als Moderatorin sehr viel unterhaltsamer als der nüchterne, manchmal etwas verplante Schmier.

Alice Cooper: Für mein Verständnis ist der Schockrockopa der eigentliche Auftakt zum Bandprogramm. Und das ist ein sehr starker Auftakt. Sicherlich sind die meisten Utensilien seiner Show uralt, aber sie sind nach wie vor extrem unterhaltsam und ersticken eventuelle Längen im Keim. Die Show beginnt mit „School’s out“ und endet mit „School’s out“ – offenbar traut ALICE COOPER seinem Superhit „Poison“ nicht auf einem Metalfestival. Vollkommen zu Unrecht, denn der Song wird abgefeiert wie kein zweiter.

Mötley Crüe: Da können die Glammer und Poser gut anschließen. Hits, Pyros und große Show sind die Grundpfeiler dieser Show, die sicherlich kaum jemanden kalt lassen kann. Vince Neil ist super bei Stimme und hat die Meute von der ersten bis zur letzten Sekunde im Griff. Die feiert MÖTLEY CRÜE von vorne bis hinten.

Iron Maiden: Eins vorneweg: Der Auftritt vor zwei Jahren war phänomenal und über jeden Zweifel erhaben. Performance, Bühnenbild, alles hat gestimmt. Die Setlist sorgt dieses Mal hingegen für einiges Magengrummeln. Klar, auch IRON MAIDEN wollen nicht immer dieselben Songs spielen, aber fünf Klassiker (u.a. „Hallowed be thy name“,“Running free“) sind einfach mal zu wenig. Der Rest stammt von den letzten drei Alben plus der neuen Single (u.a. „These Colours do’t run“, „Dance of Death“). Keiner dieser Songs kommt auch nur annähernd an die vermissten Glanztaten dieser Band heran. Natürlich ist es trotzdem ein über alle Zweifel erhabener Auftritt und einer der Höhepunkte des Festivals. Allerdings steigt die Stimmung beim Erklingen von „Fear of the Dark“ doch noch einmal stark.

Ronnie James Dio Gedächtnisnacht: Die Filmnacht im Gedenken an die verstorbene Sängerlegende ist ähnlich gut besucht wie der Black Metal Film am Tag davor. Nach ein paar einleitenden Worten von Dios Arzt und seiner Frau wird der Konzertfilm vom Wackenauftritt 2004 gezeigt (u.a. mit interessanten Versionen von „In the sign of the southern cross“, „Heaven and Hell“ und „Don’t talk to strangers“), der musikalisch und emotional komplett überzeugen kann. Der Applaus ist fast wie bei einem echten Livekomzert, man sieht auch die eine oder andere Träne. Danach wurde wohl noch der letztjährige Auftritt von Heaven and Hell gezeigt, aber da vorher noch mit Metalocalypse ein Stimmungsumbruch kam, bin ich gegangen.

Freitag:
Job For A Cowboy: Am frühen Nachmittag des Freitags schleichen sich die amerikanischen Deather von JOB FOR A COWBOY auf die Bühne und spielen mit hartem Geknüppel auf. Songs der aktuellen und letzten Scheibe werden vom Wackener Publikum gleichermaßen abgefeiert. Allerdings scheint des Sängers Stimme ein wenig angeschlagen zu sein, denn die vermeidlichen Shouts kommen bei mir nur an, als wären es Töne einer sterbenden Krähe. Jonnys Gegrunze im Gegensatz dazu lässt wiederum keine Wünsche offen. Wünsche dann doch beim Sound im Allgemeinen: Wer auf Gitarren steht musste sich schon nach ganz vorne stellen um die ein oder andere Frequenz zu erhaschen. Das Publikum scheint weniger davon tangiert zu sein und feiert die Band ab. Beim Bandkracher "Entombment of a Machine" verlangt die Band eine mächtige Wall of Death, welche sich noch als fataler Fehler heraus stellen sollte. So wurde den ambitionierten fünf Amerikanern beim letzten Song "Embedded" wegen jener Aktion der Sound abgestellt. Natürlich verlässt die Band danach sichtlich angepisst die Bühne und ein Verantwortlicher des W:O:A kommt auf die Bühne und liefert die Begründung, dass sobald eine Wall of death, ein Circle- oder ein Moshpit angefangen wird, jeder Band der Saft abgedreht wird. Loveparade sei dank ...

Dew-Scented: Als ich verschlafen aus meinem Zelt krabbele und in Richtung Gelände wanke, stelle ich überrascht fest, dass das Gelände bei DEW-SCENTED schon gut gefüllt ist. Ich bekomme nur den letzten Song mit, aber der Stimmung nach könnte ich was verpasst haben.

Amorphis: Auch AMORPHIS füllen das Gelände weiter und fesseln die Massen. Dabei gehen die Finnen, die irgendwie immer auf der Grenze zwischen Gothic und Death Metal agieren, sehr enthusiastisch. Sehr gut!

Orphaned Land: Da können ORPHANED LAND ganz gut anschließen. Die Israelis glänzen mit toller Setlist und großer Spielfreude. Dazu sammeln sich in den ersten Reihen die israelischen Besucher und die arabischen Fans, um zusammen zu feiern, so dass ORPHANED LAND ihrem Anspruch als Botschafter des Friedens gerecht werden können. Schön! Einziger Kritikpunkt: Es kommen leider extrem viele Hintergrundeinspielungen (Backing Vocals, Keyboard).

Ill Nino: Nachdem der Metalcore auf dem Wacken fest etabliert ist, soll nun wohl der NuMetal dran kommen. ILL NINO wirken mit ihrem Groove exotisch. Sie haben damit viele Zuschauer und auch einige Fans im Publikum, dennoch hält sich die Stimmung außerhalb des Pits in grenzen.

Die Apokalyptischen Reiter: Nach mittlerweile drei Jahren kehren DIE APOKALYPTISCHEN REITER zurück nach Wacken und geben dazu noch ein neues Lebenszeichen von sich! Nach einem längeren Intro geht es sofort los mit "Wir sind das Licht" und einer donnernden "Revolution". Der, auf der Bühne niemals still stehende, Fuchs trägt eine Jacke die er auch IN EXTREMOs letztem Einhorn geklaut haben könnte. Stimmlich ist der Herr wie gewohnt bestens in Form, genau wie das Wackener Publikum, welches sich als sehr textsicher erweist. Nachdem es schlimmer wurde, Friede mit uns war und die ein oder andere heisere Kehle nach Bier schrie, trumpfte die Band mit "Adrenalin" auf. Herrvoragend tight spielend überzeugt auch der neue Mann an der apokalyptischen Gitarre: Ady. Die Mähne ist geschüttelt, ein weiteres Bier leer und die Thüringer Reiter wollen uns mit einer neuen Melodie beschallen. "Boten einer neuen Zeit" heißt das gute Stück und knüpft musikalisch nahtlos an die letzten Reiterplatten an. Harter, schneller Beginn, übegehend in eine ruhige Strophe und einen druckvollen Refrain der lyrisch, mal wieder, herrlich bestückt ist. Die Band spielt und der gar wenig und nur in Latexmaske und Unterhose bekleidete Dr.Pest tobt mit seiner Peitsche über die Bühne, rutscht auf seiner Rutsche hinunter und schaukelt vor seinem Keyboard herum, bis er dann "Nach der Ebbe" mit einem schönen Tastenintro beginnen muss. Der Auftritt neigt sich nun dem Ende und so wird "We will never die" eingeleitet und man sieht weit und breit niemanden, der nicht in irgendeiner Weise angetan von diesem Auftritt ist. Als Zugabe dürfen wir alle dann noch einmal den "Seemann" singen, doch dann ist nach einer hervorragenden Show endgültig Schluss.

Voivod: Dann doch lieber die kanadischen Space Thrasher. Wobei die Crowd vor der Bühne durchaus als erlesen bezeichnet werden kann. VOIVOD stört das nicht, sie geben von vorne bis hinten Gas und lassen mit gut durchmischter Setlist mit Betonung auf den Highspeed Songs die Haare lassen.

Freiwild: Die neben Betontod größte Hoffnung auf den nach wie vor unbesetzten Onkelzthron zieht viele Menschen vor die Bühne. Leider ist der Sound viel zu leise und die Musiker auf der Bühne ziemlich verloren, zudem fehlt es an Abwechslung im Songmaterial – da müssen FREIWILD definitiv noch dran arbeiten. Trotz mitgröhlender Fans, ein Triumphzug sieht wahrlich anders aus.

Lizzy Borden: Theater oder Oper? Ich entscheide mich für das Theater in Form von LIZZY BORDEN (anstatt von Kamelot) und werde mit der Zweitbesetzung von Alice Cooper belohnt. Die Truppe ist sicherlich schön anzuschauen und –hören, aber es hat schon seinen Grund, dass sie im Zelt spielt und nicht auf der True Metal Stage.

Broilers: Die zweite Punkcombo des Tages sorgt vor halbgefülltem Zelt für gute Laune. Dem erstaunlich textsicheren Publikum präsentieren die BROILERS einen begeisternden Gig mit Best-Off Setlist und viel Spielfreude und legen damit ein Statement für mehr Punkcombos auf Metalfestivals. Immer wieder gerne.

Grave Digger: Zum 30-jährigen Jubiläum der True Metal Urgesteine haben GRAVE DIGGER einiges vor: Großes Dudelsackintro, die A Cappella Metaller Van Canto als Backing Chor, Hansi Kürsch und Doro Pesch als Gäste, Sänger Chris Bodenthal im William Wallace Kostüm. Vor allem aber: Die Geburtstagskinder präsentieren uns das gesamte „Tunes of War“-Album. Dadurch fallen ein paar andere Hits hinten runter, aber das verzeiht man gerne.

Slayer: SLAYER sind SLAYER. Man mag sie, oder halt nicht. Und damit könnte man das Review eigentlich schon beenden. Die Amis spielen einen Best-Off Setlist mit ein paar neuen Songs (u.a. „World Painted Blood“, „Hate Worldwide“) und ein paar Überraschungen (z.B. „Dead Skin Mask“) sowie den üblichen, zahlreich vorhandenen Klassikern. Tom Araya kann leider nicht mehr headbangen, ist immer noch arg verschüchtert (für seine erste Ansage braucht er rund 5 Minuten) und sagt eher mal wenig, dafür ist Dave Lombardo das coolste Metaldrumbiest aller Zeiten.

Anvil: Quasi als Fortsetzung der Movienight treten die aus persönlichen Gründen wieder zum Trio geschrumpften ANVIL auf. Sänger Lips spricht von einem Moment „später Gerechtigkeit“, hat aber ansonsten nur Unsinn im Kopf. Der Grimassenkönig macht einige Ansagen über seinen Gitarrentonabnehmer, spielt das übliche Dildo Solo mit einem Vibrator (also ein Vibrato Solo) und haut im Minutentakt kultige Sprüche raus. Dennoch ist es die Musik, die im Mittelpunkt steht, und die ist natürlich großartig, egal ob das neue „This is Thirteen“ oder der Klassiker „Metal on Metal“ gespielt wird.

Secrets of the Moon: Krasser könnte der Kontrast nicht sein. Ein Fest des Dunklen, Mystischen, Elitären wird im Zelt vor einer Hand voll Anhänger zelebriert. SECRETS OF THE MOON transportieren Magie und dunkelste Emotionen in ihren mächtigen, progressiv angehauchten Black-Doom Metal Brocken. Höhepunkt des Sets ist das großartige, eiskalte „Queen Among Rats“. Ich habe diese Band jetzt drei Mal gesehen, und jedes Mal, wird sie mächtiger, überlegener und, vor allem, böser.

Samstag:
Kampfar: Nachdem die Black Metaller letztes Jahr absagen mussten, sind sie heute hier und gehen bis in die Haarspitzen motiviert an ihren Gig ran. Problem dabei: Die heiße Mittagssonne erstickt jede frostige Atmosphäre im Keim. Trotzdem liefern KAMPFAR einen starkeen Gig mit viel zu geringem Zuspruch.

Overkill:Wie so viele andere Bands auch haben OVERKILL mit schwachem Sound zu kämpfen. Das gilt sowohl vor der Bühne wie auch offenbar auch für den Monitorsound. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum diese Band derartig unpräzise zusammen spielt. Das machen die New Yorker aber mit viel Energie und einer tollen Setlist (endlich wieder „Wrecking Crew“!) wieder wett, so dass am Ende alle zufrieden sind. Schönes Finale mit „Fuck you“, in das „Overkill“ integriert wird.

W.A.S.P: Das schöne am schwachen Sound: Man kann erkennen, ob die Playbackverdächtigen W.A.S.P live spielen. Und das tun sie – größtenteils jedenfalls (für einige der Chöre würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen wollen). Da W.A.S.P zudem eine starke Setlist am Start haben (u.a. „Helion“, „Wild Child“ etc., leider fehlt mal wieder „Animal“) und die Musiker gut in Form sind, wird dieser Auftritt schnell zum Höhepunkt.

Týr: Gegen Samstagabend wurde es dann vor Wackinger Stage wieder rammelvoll, wie an den Vortagen bei EQUILIBRIUM UND TORFROCK. Doch diesmal sollten die vier Färöer Buben von TÝR, wie DIE APOKALYPTISCHEN REITER, nach 3 Jahren wieder für das heilige Wackenpublikum aufspielen. Bestens gerüstet kamen die Wikinger wieder in Kettenhemd und Rüstung auf die Bühne und knallten sofort mit "By the Sword in my Hand" los, leider gab es dann bei einigen Solipassagen Gitarrenprobleme auf Seiten Terji Skibanaes, die dann aber behoben werden konnten. Die Band und die Masse geben Vollgas und die Setlist macht dieses Mal den neuen aber auch wiederum den langjährigen TÝR Fan glücklich. Endlich wieder im Set vorhanden: der färöische Kettentanz "Reign Smidur", wobei hier allerdings fast keiner mitsingt, da sich augenscheinlich niemand dazu bereit erklärte, einen Text auf Färöisch auswendig zu lernen. Wie dem auch sei geht es weiter mit "Hold the Heathen Hammer High", der bei diesem Auftritt aber nicht der am meisten gefeierte Song gewesen sein sollte, sondern (auch endlich wieder dabei) "The Wild Rover". Jeder singt hierbei mit und für das Ende eines gelungenen Auftrittes gibt es dann obligatorisch "Ramund Hin Unge". Sänger Heri bedankt sich nochmal herzlich, war des Auftrittes über aber ungewohnt schweigsam. Der Applaus blieb allerdings nicht aus und TÝR verließen wie Gewinner die Stage.

Edguy: Was hat happy mit Heavy zu tun? Das erklären uns heute EDGUY Mit starken Ansagen, gewohnt starken Songs, einem tollen Bühnenbild und Spaß, Spaß, Spaß führen sie uns durch eine Stunde zwischen Komik und Headbanging. Da der Etatbasser es aufgrund von eigenen Nachwuchserwartungen beinahe nicht geschafft hätte, wurde Markus Großkopf, der natürlich auch ein paar Songs mitspielen darf.

Immortal: Pyros, Corpsepaint, Trallalla. Dazu klirrender Black Metal der Extraklasse. IMMORTAL spielen ein kurzes, aber intensives Set mit Betonung auf die letzten zwei Alben. Abbaths Feuerspuckeinlage fällt heute leider aus, dafür gibt es immerhin eine Laola-Welle. Die Norweger sind gut aufeinander eingespielt, so dass selbst, als bei „Beyond the north Waves“ die Gitarre ausfällt, niemand aus seiner Routine kommt – auch wenn das Bandkeyboard danach aus dem Takt ist. Starker Auftritt.

Despised Icon: Einen ihrer letzten Auftritte durften dann die Kanadier von DESPISED ICON auf dem größten Metal-Fetsival Europas abhalten, bevor sie sich dann 2 Wochen später auf dem Summerbreeze Open Air gänzlich verabschieden werden. Es ist mittlerweile sehr spät und ihr Konzert läuft parallel zu SOULFLY, sodass man es der Fülle des Headbangers Ballroom anmerkt. Dem Spaß wird aber kein Abbruch beschert und die 6 Deathcore-Maschinen prügeln sich durch ein Programm das sich gewaschen hat. Alle Hits sind dabei, vor allem von der aktuellen Platte "Day of Mourning". Ganz anders als bei den größeren Bühnen, wird hier der Band kein Sound abgedreht, obwohl hier eine Masse an Pits zugange ist das ein entspanntes Schauen aus der ersten Reihe unmöglich ist. Jedoch genau richtig für ein DESPISED ICON Publikum. Ganz besonders zu erwähnen ist der Drummer der Band. Jener besitzt ein unglaublich hohes Maß an Tightness, dass man vergisst ob man Männlein oder Weiblein ist. Der Abschlusssong "MVP" reißt dem Zelt fast die Ummantelung weg. Der Song wird mit gefühlten 280 bpm durchgeknüppelt und die Arme des Drummers sind der Geschwindigkeit halber kaum noch zusehen. Schade, dass diese sechs Knaben bald nicht mehr gemeinsam Musik machen.

Bilder vom Konzert gibt es hier.

Soulfly: Mit IMMORTAL im Vorprogramm geben SOULFLY einen lustigen Kontrast ab. Die Musik von Max und Co. wird allerdings von vorne bis hinten abgefeiert. Warum auch nicht? SOULFLY hatten zwar noch nie den besten Sound auf der Bühne, aber machen einfach Spaß. Und wenn dann noch SEPULTURA Hits wie „Refused - Resist“ und „Roots Bloody Roots“ dabei sind hat man sowieso gewonnen.

Fear Factory: FEAR FACTORY sind heute vor allem eins: unglaublich schwer! Die wiedervereinigte Industrial Legende startet vor sich lichtenden Reihen mit einem bärenstarken Set und lässt sich auch vom einsetzenden Regen nicht die Stimmung vermiesen. Es macht einfach Spaß, dieser Band zuzuhören, wie sie ihren eiskalten Stahl in anspruchsvolle und trotzdem eingängige Songs gießt.

U.D.O: Im stärker werdenden Regen und zu später Stunde haben U.D.O mit nachlassendem Publikumsinteresse zu kämpfen. Wirkt die Show deshalb so lieblos? Trotz wohltuender Songauswahl mit vielen Acceptklassikern bleibt der Vortrag blutleer und übermäßig routiniert. Die vielen Instrumentalsoli tun da ihr Übriges. Schade.

The Devil´s Blood: THE DEVILS BLOOD sind eine Band die immer zu einer Diskussion anregen. Der eine mag den rockigen Sound nicht, der andere liebt sie dafür. Mancher kommt mit der Performance auf der Bühne nicht klar, der andere hat aber verstanden um was es da geht. Ich selber liebe die Band und ihre Songs und war daher voll und ganz zufrieden mit ihrem Auftritt. Nur leider gab es an diesem Abend nicht gerade den besten Sound im Zelt und THE DEVILS BLOOD konnten mit ihrer Headliner Show auf dem PARTY.SAN um einiges mehr Punkten. Denn dort stimmten Licht und Ton Verhältnisse.

Fazit: Wer nach Wacken fährt, weiß, was er bekommt: Metalgigantomie mit allen positiven und negativen Nebeneffekten. Und das will man halt, oder man will es nicht.

Best Of Ansagen:

Orphaned Land:
Sänger Kobi Fahri (bekleidet im Leinentuch): “Ich bin NICHT Jesus.“

Anvil:
Sänger Lips: „Ich bin ein alter Hippie. Ich glaube an Liebe, Frieden und ganz viel Gras rauchen.“

Broilers:
Sänger Sammy (verhaut sein Gitarrenintro): „Okay, wir sind hier auf einem Metalfestival, hier sollte man seine Gitarrensoli kennen.“

Für euch waren da: Alex, Felix, Patrick, Marko und Lars

Außerdem steht für euch in den nächsten Wochen unser Video vom WACKEN OPEN AIR 2010 für euch bereit. In dem Video sind schöne Impressionen vom Festival und vor allem Interviews mit BLIND GUARDIAN, SOULFLY, BROILERS, DORO und den DIE KASSIERER.

Weitere Bilderimpressionen vom Festival findet ihr hier.

Der Wackenbericht und das Video entstand in Zusammenarbeit mit PITCAM und der BERLIN METAL LEGION.

Danke an: 030 Berlin und BERLIN MUSIC.TV

Alle Bilder sind Eigentum von PitCam und der Berlin Metal Legion!
Benutzung nur auf Anfrage unter patrick.kiraproductions@googlemail.com