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Samstag, 15. Oktober 2011

Wacken Open Air 2011 - Festival Bericht

Festival Bericht
Wacken Open Air, 3.-6.8.2011

Zum 22. Mal öffnet das Wacken Open Air seine Tore für Metalfans und Festivaltouristen aller Art. Neben einem kaum überschaubaren Programm an Bands gibt es auch dieses Jahr wieder alle möglichen Zusatzattraktionen wie den Jägermeister Hochstand, Wet-T-Shirt Contests, Wrestling etc., so dass die Kirmes Atmosphäre der letzten Jahre noch gesteigert wird. Zudem wird man das Gefühl nicht los, dass der Campingplatz mindestens genauso sehr in Tourihand ist wie in der Hand der Metalfans. Die Entwicklung weg zum Metal Mekka hin zum Mallorca der harten Musik geht unaufhaltsam weiter, und der geneigte Metalfan zahlt inzwischen für diverses mit, das mit der Musik nichts zu tun hat. Der Mittelaltermarkt ist noch eine sinnvolle Ergänzung, vor allem, da er wirklich schön aufgemacht ist, das Bullheadzelt ist neben einigen wenigen dort spielenden Bands in erster Linie Schauplatz für Showpeinlichkeiten und ultraleichter Durchschnittsunterhaltung für RTL-Zuschauer, die Beergardenstage bietet traditionell Raum zum Feiern usw. Die inzwischen schier unüberschaubare Anzahl an Bühnen, auf denen häufig nur unterdurchschnittlicher Feiersoundtrack läuft (hier tut sich vor allem die Wackinger Stage negativ hervor, auf der die meisten Auswüchse zweitklassiger Folk, Polka, Mittelalter und Gothic Musik angeboten werden, die es aufgrund von Genrefremde zum Restprogramm und/oder nicht vorhandener Qualität nicht auf die Hauptbühnen geschafft haben) gibt dem ganzen Gebilde mehr Volksfeststimmung als Festivalatmosphäre.

Auch die sonstigen alljährlichen Kritikpunkte muss man den Veranstaltern immer wieder machen. Der Sound auf den Hauptbühnen ist häufig undifferenziert, mehr als einmal viel zu leise. Das Festivalgelände ist auch dieses Jahr für die Anzahl an Besuchern zu klein – im Falle einer Panik hätte es bei den Headlinern Tote geben können, da nach hinten häufig kaum Ausweichfläche vorhanden war. Die Futterpreise sind wie jedes Jahr astronomisch, die Qualität dabei durchwachsen. Und auch die Security ist gegenüber Crowdsufern häufig roh, am Einlass hingegen ziemlich nachlässig. Viele Bands haben zudem mit extrem lethargischem Publikum zu kämpfen. Wo eine Band auf anderen Festivals Begeisterungsstürme hervorrufen kann, geht hier häufig bereits ab der fünften Reihe gar nix mehr. Das sind die altbekannten Schwächen des Wacken Open Airs, auf die man sich halt einlässt, wenn man dort hin fährt. Dafür bekommt man die Stimmung auf dem Campingplatz, die sehr umfangreiche Händlermeile, die inzwischen fast genauso viele Accessoires wie Merch bietet, dabei den Underground aber nicht vernachlässigt, sowie das vermutlich beste Bandprogramm des Jahres.

Mittwoch

Masters of Comedy: Als eine der neuen Attraktionen wurde das MASTERS OF COMEDY Programm angekündigt (nicht zu verwechseln mit dem am nächsten Tag auftretenden Bülent Ceylan). Das Ganze bewegt sich dummerweise auf niedrigstem Niveau gepaart mit einem Nullfaktor an Humor und erbärmlich schlechten Schauspieleinlagen. Damit könnte man MASTERS OF COMEDY vermutlich nachmittags im Privatfernsehen senden, um das man als Freund von selbst Minimalanspruch und Humor auch einen großen Bogen machen sollte. Ansager Jörg (kennen einige vielleicht aus dem Blackland) kann zumindest für Stimmung sorgen, Mambo Kurt macht mit seinen Soloauftritten sehr viel mehr Spaß, die Begleitband ist nicht ernsthaft erwähnenswert und die anderen auftretenden Flachpfeifen sorgen in aller erster Linie für Fremdschämen. Diesen Punkt bitte ganz schnell wieder entfernen.

Movienight: In der diesjährigen Movienight werden insgesamt drei Filme gezeigt,. Der erste umfasst Ausschnitte aus dem „Rockpop Conzert '83“ Konzertfilm. Besonders interessant sind dabei die Auftritte von Ozzy Osbourne und Judas Priest, die ja in den Folgetagen hier ebenfalls auftreten. Dummerweise schleicht sich bereits hier eine Verspätung ein, die noch durch ein paar hübsch anzusehende, aber unterm Strich recht sinnfreie Feuershows verlängert wird. Besonders unverständlich ist, das für diese Shows sogar die Filme unterbrochen werden. Der Running Wild Mitschnitt „The Final Jolly Roger“ geht dementsprechend schon mit viel Verspätung ins Rennen, löst aber regelrechte Begeisterungsstürme aus. Vor der Leinwand wird gebangt, gemosht und es findet sogar ein Heiratsantrag statt. Der Lemmy Film danach beginnt mit über einer Stunde Verspätung, was die Fans sichtlich annervt.

Donnerstag:

Kvelertak: Zu den ersten Bullhead City Bands gehören die Norweger KVELERTAK, die von Anfang an ordentlich Alarm machen. Bei auf diesem Festival selten erreichter Soundqualität schreddern sie sich durch einen energiegeladenen Set, der punkige D-Beats neben Black Metal Sturmgitarren stellt. Bedenkt man die Tatsache, dass der Sechser gerade mal ein Album draußen hat, sind erstaunlich viele textsichere Fans vor Ort, die die Band von vorne bis hinten abfeiern. Zu recht, denn KVELERTAK verbinden Spaß und Ausgelassenheit mit ausgereiftem Songwriting. Man kann der Band nur ein stabiles Line-Up wünschen, dann sollte eigentlich nicht viel schief gehen. Einziges Manko: Dank mittiger Wrestlingbühne und einiger Säulen ist die Sicht auf die Bühne für viele Fans verwehrt. Das Bullhead Zelt ist halt keine besonders gute Konzert Location.

Bülent Ceylan: Nach dem Auftritt auf dem Summer Breeze Festival letztes Jahr kommt BÜLENT CEYLAN dieses Jahr also aufs Wacken. Das Programm hat sich nicht groß verändert und der Humor tendiert dummerweise auch nicht zur Langlebigkeit. Dementsprechend sind die Reaktionen auf den Comedian eher zwiegespalten.

Freiwild: Der Überraschungsgig im Zelt vor zwei Jahren war brillant, der Gig auf der Party Stage letztes Jahr eher mittelmäßig, dieses Jahr sollen FREIWILD, die hier schon fast Stammgäste sind, die Black Stage rocken. Und der Anfang macht wirklich Spaß, vor allem „Freiwild“ geht gut nach vorne und schiebt die Stimmung nach oben. Das Publikum ist sehr textsicher und macht bei jedem Song gut mit. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, das FREIWILD am besten sind, wenn sie das Gaspedal durchtreten, etwa bei „Halt deine Schnauze“, „Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben“ oder natürlich dem Hit „Land der Vollidioten“. Die Ska-Nummer „Weil du mich nur verarscht hast“ ist für dieses Festival dagegen eher unpassend und das restliche Material (z.B. „Weiter immer weiter“ oder „Südtirol“) wirkt in der Umsetzung immer ein kleinen Ticken zu langsam. Dazu harren die Musiker bis auf den Sänger/Gitarristen häufig zu sehr auf einer Stelle aus. Wer „Hoch hinaus“ will, sollte Anlauf nehmen und dann auch einfach mal Speed geben. Womit der Gig zwar gutklassig ist, aber FREIWILD für die Festivalbühnen immer noch das gewisse Quäntchen Energie fehlt, das sie auf Clubbühnen auszeichnet und das ihren Erfolg ausmacht.

Helloween: Die Hamburger starten mit „Are you Metal“ in ihren Set, aber bereits hier fällt ihnen jeweils zum Beginn des Refrains zweimal der Strom aus, so das die Power Metaller erstmal eine Pause einlegen müssen. Danach geht es bei zuerst leisem und undifferenzierten, sich aber beständig verbessertem Sound weiter. Die Musiker machen sich nichst aus dem Zwangsstop und heizen dauergrinsend über die Bühne. Die Setlist ist ein Traum für „Keeper“ Fans, denn von ein paar Neunummern abgesehen kommen fast nur Songs der beiden Scheiben. „Eagle Fly Free“, „Dr. Stein“, „Future World“, „I Want Out“, March Of Time“ sowie ein Medley aus „King Of A Thousand Years“, „Helloween“ und „Keeper Of The Seven Keys“ sorgen für viel Freude. Die Geschwindigkeit wird fast beständig hochgehalten, die Fans bangen und singen mit. Dazwischen erzählt Sänger Andi spaßige Anekdoten über die Trinkgewohnheiten des „schwulen Zwergs“ Dani an den Drums. HELLOWEEN können trotz des Fehlstartes diesen Auftritt als vollen Erfolg verbuchen.

Blind Guardian: BLIND GUARDIAN fahren heute einen vergleichbaren Set auf wie auf ihrer Tour.Dementsprechend versuchen sie die Mitte zwischen dem Speed der Anfangstage und der Epik späterer werke zu treffen, wie sie es auch auf dem letzten Album versucht haben. Die Tendenz geht allerdings eher in Richtung Epik, so das Fans der Anfangstage kaum auf ihre Kosten kommen. Stattdessen gibt es Klassesongs wie „Fly“, „Imaginations From The Other Side“, „Sacred Worlds“ oder „Time Stands Still On Iron Hill“. Dazu der Mitgröhler „Valhalla“ und das Schlussdoppel „Bard's Song“ und „Mirror, Mirror“, das mit großem Feuerwerk unterlegt wird. Man kann BLIND GUARDIAN eine gewisse Vorhersehbarkeit vorwerfen, aber der Set ist für sich genommen erstmal sehr stark und reißt die Leute mit.

Ozzy Osbourne: Nun kommt der Moment, den heutigen OZZY OSBOURNE mit dem gestern auf der Leinwand gesehenen von 1983 zu vergleichen. Viel verändert hat sich nicht: Der Maestro ist ein Grobmotoriker, kann kaum im Takt klatschen, singt dabei nicht so schief wie befürchtet, aber trotzdem alles andere als sauber. Dazu kommt sein gequältes „I can't hear you“, das für den einen oder anderen unfreiwilligen Lacher sorgt. Das konnte man so in der Art erwarten, und ob einem das gefällt oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Immerhin hat Ozzy eine toll aufspielende Band, die sich auch in eigenen Soli präsentieren kann. Besondere Aufmerksamkeit bekommt dabei natürlich Neugitarrist Gus G., der durch treibendes Spiel und super Soli beeindruckt, teilweise aber auch den einen oder anderen Schlenker zu viel spielt und eine deutlich metallischere Note in den Sound einbringt – was den Songs gar nicht schlecht steht. Was den Auftritt allerdings richtig reizvoll macht, ist die Setlist. „I don't know“, „Suicide Solution“, „Mr. Crwoley“, „Bark At The Moon“, „Mama, I'm Coming Home“, „Iron Man“, „War Pigs“, „Crazy Train“ und natürlich das unvermeidliche „Paranoid“ sind nur die Angelpunkte eines begeisternden Set, der noch einmal eindrucksvoll demonstriert, was für ein genialer Musiker OZZY vor seiner Selbstdemontage war. Nummern vom neuen Album gibt es dagegen keine, und sie werden auch nicht richtig vermisst. Trotz der Schwächen des Gigs ist OZZY OSBOURNE in jedem Fall ein würdiger Headliner.

Freitag:

Primal Fear: Bevor heute Abend Judas Priest ihren Gig spielen, darf morgens um 12 Uhr erstmal das Aufwärmkommando auf die Bühne, um dem früh aufstehende Publikum mit ihrem Power/Heavy Metal einzuheizen. Dieses Aufwärmkommando heißt PRIMAL FEAR und kann heute kaum Akzente setzen. Das liegt nicht daran, dass die Perfromance schlecht wäre, sondern eher daran, das die Songs der Truppe im Grundsatz zwar recht schön aus den Boxen knallen, aber kaum echten Wiedererkennungswert besitzen. Somit sind PRIMAL FEAR gutes Genrefutter, haben es aber bei der anwesenden Konkurrenz schwer, im Gedächtnis zu bleiben. Das der Sound vor der Party Stage wie immer viel zu leise ist und man dementsprechend regelmäßig die parallel aufspielenden Ensiferum ins Klangbild geweht bekommt, macht die Sache auch nicht besser. Ein solider Auftritt, aber auch nicht mehr.

Suicidal Tendencies: Als Fan von härterer Rockmusik sollte man einige Bands in seinem Leben nach Möglichkeit einmal gesehen haben. Neben Bands wie Iron Maiden, Metallica oder Motörhead zählen dazu auch Kapellen wie Biohazard oder eben SUICIDAL TENDENCIES – selbst wenn man nicht unbedingt Fan ist. Viele Leute scheinen das ähnlich zu sehen, jedenfalls ist es vor der Bühne schon überraschend voll. Die Amis legen auch gut los und verpassen dem Publikum einen Energieschub nach dem anderen, auch wenn gerade die Traditionalisten ziemlich verständnislos in Richtung Bühne schauen. Die Grooves sind mitreißend und wirken trotz ihres Alters frischer als alles, was die Metralcoreler bis heute auf die Beine gestellt haben. Und das sagt eigentlich schon alles.

Morbid Angel: Das neue Album von MORBID ANGEL „Illud Divinum Insanus“ spaltet die Hörer erwartungsgemäß. Bekommt man einerseits bestes Tech Death Futter geliefert, nerven die Elektroanteile gewaltig. Die gibt es live weiterhin nicht, so dass hier noch alles in Ordnung ist. Die Amis liefern einen beeindruckenden Querschnitt ihrer Karriere ab, in dem sie so nebenbei demonstrieren, wie man hochtechnische Nummern im praktischen Headbangformat schreibt – absolut großartig! Das entschädigt auch dafür, dass auf der Bühne kaum Bewegung herrscht. Das Publikum, in dem sich gerade hier auch viele Südamerikaner finden, dankt es dem Vierer.

Sodom: Was soll man zu SODOM noch sagen, was nicht schon unzählige Male gesagt worden ist? Das Ruhrpotttrio zockt sich durch einen einstündigen Set, bei dem auch mehrere Neunummern zum Zug kommen, dafür aber das viel geforderte „Ausgebomt“ leider ausbleibt. Ebenfalls ausbleiben tut Roberto Blanco: Statt bei Sodom tritt der lieber bei Onkel Tom auf. Egal, „The Saw Is The Law“, „M16“, „“Remember The Fallen“, „Agent Orange“, „Blasphemer“ und „Bombenhagel“ machen den Auftritt auch so zu einem Erfolg, bei dem lediglich der viel zu leise Sound stört. Wer Innovationen erwartet, soll die nicht gerade bei SODOM suchen, die alten Thrash Haudegen machen nur noch das, was sie am besten können – und das mag man halt oder nicht.

Rhapsody Of Fire: Bleiben wir einen Moment lang sachlich: RHAPSODY OF FIRE liefern vor zahlreichen Fans eine solide Show mit einwandfreiem Instrumentalspiel ab. Und nun zur subjektiven Hetze: Die Musik klingt wie eine Mischung aus Dream Theater und Nightwish, die man drei Mal durch den Weichspüler gejagt hat. Der Pathos trieft nur so aus jeder der Kompositionen und macht sie füchterlich klebrig und kaum genießbar. Kernige Gitarren findet man kaum, nur seelenloses Gefrickel, das zwar technisch stark, aber komplett ausdruckslos ist. Die vielen Einspielungen aus dem Off machen die ganze Choose auch nicht besser. RHAPSODY OF FIRE mögen auf CD so halbwegs funktionieren, wenn man auf viel Kitsch und Bombast steht, aber live ist die Band hüftsteif und tendenziell überflüssig.

Morgoth: 20 Jahre „Cursed“ - das muss gefeiert werden. MORGOTH haben sich reformiert – noch ein Grund zum Feiern. Die Truppe bringt D-Beat-Schwedentod at it's best und reißt damit vor allem einen vergleichsweise kleinen Kreis Anhänger mit. Das ist schade und unverdient, denn die Elchtöter spielen sich das Gesäß ab und bringen eine Spitzennummer nach der anderen. Die Thrash- und sogar Punkeinflüsse bleiben trotz der Death Metal Strukturen jederzeit hörbar. Und weil das legendäre „Cursed“ Album gerade Geburtstag feiert, bringen MORGOTH besonders viele Songs dieses Spitzenalbums. Das kommt an und gefällt den Anhängern, die gepflegt das Haupthaar schütteln und sich nicht von den vereinzelt herüberwehenden Heaven Shall Burn Riffs die Laune verderben lassen.

Judas Priest: Es gibt gute Gründe, heute mit nicht zu hohen Erwartungen an JUDAS PRIEST heran zu gehen: K.K. Downing ist nicht mehr dabei, Rob Halfords Stimmleistungen waren in den letzten Jahren nicht immer von der Göttlichkeit gekrönt, die sie in den Achtzigern ausgezeichnet hat. Dennoch pilgert nahezu das gesamte Wacken Open Air zur True Metal Stage, um den Priestern einen würdigen Abschied zu geben. Das die Briten einen Best Off Set versprochen haben, macht den Auftritt natürlich umso interessanter. Und tatsächlich: In dem über zweistündigen Set werden nahezu alle Alben mit mindestens einem Song bedacht, die Karrierehöhepunkte „British Steel“ und „Painkiller“ werden mit vier bzw. zwei Songs gewürdigt. Damit schaffen es JUDAS PRIEST einerseits, etwaige Erwartungshaltungen zu unterlaufen, und dennoch ist für jeden Fan etwas dabei – auch wenn natürlich auch jeder den einen oder anderen Song vermisst hat. Aber Songs wie „Breaking The Law“, „Nightcrawler“, „The Sentinel“, „You've Got Another Thing Comin'“, „Hell Bent For Leather“, „Painkiller“ oder der Rausschmeißer „Living After Midnight“ sind Stimmungsgranaten und treiben das Publikum zu Höchstleistungen – zumindest die, die zum Headbangen gekommen sind und nicht zum rumgucken. Die größte Überraschung des Auftritts dürfte allerdings Rob Halford sein, der singt nämlich doch eine ganze Ecke besser als erwartet, wagt sich auch an die hohen Stellen und meistert sie meistens auch. Selbst „Painkiller“ wird heute souverän rübergerettet und ist das, was es sein soll: Die Definition von Edelstahl und nicht eine Parodie davon. Dazu bewegt sich Halford unerwartet viel auf der Bühne und hängt nicht die ganze Zeit vor seinem Teleprompter. Einen Kritikpunkt kann man sich allerdings nicht verkneifen: Die Band sieht in ihrer Gesamtheit häufig doch eher routiniert und um Coolness bemüht als wirklich begeistert aus. Im Vergleich zu quietschfidelen Millionärsbands wie Metallica oder Iron Maiden stinkt man im Punkt Spielfreude definitiv ab. Das stört aber auch nicht richtig.

Triptykon: Kurz vor dem Festival wurden Cradle of Filth gegen TRIPTYKON ausgetauscht. Das ist ein recht ungleicher Tausch, bei dem die zahlreich anwesende Lack-und-Leder-Fraktion in die Röhre guckt, während Freunde von Black Metal in seiner Frühphase über den Tausch hocherfreut sind. Letztere sind allerdings deutlich in der Minderzahl, und so ist es vor der Bühne nur locker gefüllt, und die meisten Anwesenden sind eher neugierig als wirklich begeistert. Lediglich in den ersten paar Reihen sammeln sich die Fans und bejubeln jeden der großartigen Songs. Der Einstieg ist inzwischen bekannt, das unglaublich schwere „Procreation (Of The Wicked)“ macht den Weg für das neue „Goetia“ frei. Danach kommen drei weitere Celtic Frost Nummern, die das Tempo teilweise ganz schön anziehen. Mit „Synagoga Satanae“ wird das Finale eingeläutet, das mit „The Prolonging“ bestritten wird. Nur sechs Songs – maximale Wirkung. In einer auf diesem Festival einzigartigen Schwärze zelebrieren diese vier Ausnahmemusiker ihren Set zwischen ein bisschen Trauer, viel Wut und noch mehr Hass. Jede Bewegung drückt tiefste Negativität aus, die aber reinigend und nicht zerstörend wirkt und den Zuhörer erschöpft, aber fortgeschritten zurück lässt. Definitiv einer der Höhepunkte des Festivals – egal wie viele Leute ihn tatsächlich zu schätzen wussten.

Slime: Immer mal wieder was Neues: Das Billing des Wacken Open Air umfasst jedes Jahr auch mindestens eine sehenswerte Punkband. Das ist in diesem Jahr SLIME, und der Fünfer macht auf der W.E.T.-Stage ziemlich Alarm. Mit Songs wie „Linke Spießer“, „Schweineherbst“, „Brüllen Zertrümmern und weg“, „Ich war dabei“ oder „Störtebecker“ haben sie das Publikum, das neben der vollzählig anwesenden Anarchofraktion auch viele textsichere Metalheads umfasst, schnell in der Hand. Zudem punktet man mit sympathischen Ansagen. Und so gewinnen SLIME sicherlich heute einige Fans und beweisen nebenbei, das sie noch lange nicht anachronistisch sind. Im Gegenteil: In Zeiten, in denen jede saubergespülte Band ohne Inhalt sich Punk nennen darf, tun die zugegebenermaßen kindisch-naiven, aber authentischen und rohen Saufziegen einfach gut.

Saltatio Mortis: Das Apocalyptica und SALTATIO MORTIS zeitgleich spielen müssen, dürfte die größte Fehlentscheidung im Bühnenmanagement überhaupt gewesen sein, denn die Bands sprechen sich stark überschneidende Zielgruppen an. Da die Cellisten aber dank unfähigem Frontkamel aktuell eher unerträglich sind, ist man mit SALTATIO MORTIS definitiv besser bedient. Die mögen nicht besonders innovativ sein, bringen aber schöne Melodien genauso mit wie eine Metalschlagseite, die man bei vielen Kollegen vermisst. Die Setlist variiert dabei seit Jahren kaum, und das darf auch gerne so bleiben, den Brecher wie „Tritt ein“, „Prometheus“, „Falsche Freunde“ oder „Wir säen den Wind“ machen einfach mal fantastische Stimmung und lassen das Publikum tanzen, springen und mitsingen. Mit „Eulenspiegel“ kommt bereits seit einer Weile ein neuer, vergleichsweise folkiger Song zum Zug, und heute bringt man zudem „Salome“ im Duett mit Doro. Alea ist der vermutlich aktivste Frontmann des Wochenendes und in seiner Performance einfach nur mitreißend, der Rest der Band ist nicht ganz so aktiv, spielt sich aber spürbar fröhlich durch das Set. Und bei so viel Enthusiasmus kann man eigentlich nicht still stehen.

Samstag:

Moonsorrow: Die Pagan Black Metaller aus Finnland überzeugen musikalisch mal wieder auf ganzer Linie. Episches Breitbandriffing trifft auf tolle Wechselgesänge und wird mit dem Keyboard zu einer einzigartigen Klanglandschaft verwoben. Dummerweise haben MOONSORROW heute zwei Feinde: Das Licht und die Spielzeit. 12:00 Uhr ist noch nicht die Zeit für ihren atmosphärischen Sound, der bei aller Qualität kein besonders guter Wachmacher ist. Zudem können gerade mal eine Handvoll Lieder gespielt werden. Ich wiederhole hiermit meinen Wunsch nach einer Headlinertour mit ausgedehnter Spielzeit.

Crashdiet: Wenn eine Band mehr Zeit in die Haarpflege investiert als in die Weiterentwicklung ihrer musikalischen Fähigkeiten, dann ist es Posertime. Die Naturmützenträger von CRASHDIET müssen bei leichtem Nieselregen die Wackener Posergemeinde überzeugen. Das gelingt ihnen mit ihren kurzen und simplen, aber effektiven Songs ganz ausgezeichnet. Das Publikum ist zumindest in den ersten Reihen schon sehr singfreudig und erstaunlich textsicher. So überzeugen CRASHDIET trotz des unpassenden Wetters und der frühen Spielzeit.

Onslaught: ONSLAUGHT im Bullhead Zelt sind endlich der ersehnte Wachmacher, der einem den Schlaf mit flotten Songs aus den Augen treibt. Ein bisschen stumpf, immer brutal mit einem guten, nicht überdimensionierten Schuss Groove treiben die Songs aus den Boxen. Nach dem Opener „Killing Peace“ folgt eine Best-Off Setlist, die es absolut in sich hat. Dazu zeigt sich die Band frisch und hungrig, als ob sie gerade erst ihr Debut rausgehauen hätten. Vor allem Sänger Sy Keeler turnt durch die Gegend und heizt die Meute an, rennt dabei über den Laufsteg bis zum Wrestlingring und fordert immer wieder, „crazy“ zu werden. ONSLAUGHT stehen den beiden großen Thrashbands dieses Festivals, Sodom und Kreator, in Sachen Performance in nichts nach, und wer seinen Thrash klassisch und ohne viel Schnickschnack mag, kommt um diese sympathische Truppe nicht herum. Am Ende gibt es noch ein schönes „Bomber“ Cover, das dem Gig die Krone aufsetzt.

Knorkator: Die Kultband KNORKATOR startet mit „Der perfekte Mann“ in ihren Set und bringt danach Nummern wie „Eigentum“, „Ma Baker“, „Es kotzt mich an“ oder „Alter Mann“. Dazwischen kommen Blödelansagen, Auszieheinlagen und blödelige Klatschspielchen. Die Masse ist begeistert und frisst den nie so richtig weg gewesenen Berlinern aus der Hand. Beobachtet man den Vortrag genauer fallen allerdings zwei Dinge auf: Die Musik wirkt live kaum ertragbar poppig. Und der auf CD fein geschliffene Humor ist live eine ganze Ecke grober und auch bescheuerter, teilweise hinreißend dämlich. Da der Großteil des Publikums aber mit großer Begeisterung dabei ist, qualifiziere ich mich mit dieser Aussage zum humorlosen Graugesicht und wandere dementsprechend ab zu...

Mayhem: MAYHEM haben heute einen ihrer seltenen bodenständigen Tage erwischt: Kein Bühnenaufbau, keine Verkleidung für Attila, der einfach nur in Jeans, Jacke und Voivod Shirt rumläuft. Zumindest Musikgeschmack hat der Kerl also. Ob einem die Show gefällt, ist hingegen eine Frage des Standpunktes. Wenn man die Norweger als reine Entertainer betrachtet, wird man heute tendenziell enttäuscht, denn bis auf ein bisschen theatralisches Gehabe kommt von Attila in der Richtung nichts. Zudem wirkt sich das Tageslicht, auch wenn es von Wolken verdeckt wird, negativ auf die Show aus. Musikalisch gibt es dagegen einmal mehr die Vollbedienung: „Anti“, „My Death“, „Freezing Moon“, „Deathcrush“, Pagan Fears“ etc., die allesamt großartig von der Band interpretiert werden und klassischen Black Metal ohne überflüssiges Scheuklappendenken repräsentieren.

Iced Earth: Scheiden tut weh. Heute ist es Matt Barlow, von dem Abschied genommen werden muss. Vorher heizen ICED EARTH dem Publikum aber nochmal ein, aber vom Feinsten. „I Died For You“, „The Coming Curse“, „Burning Times“, „The Hunter“, die Zugabe „Iced Earth“, alles wird von der Band bei mittelmäßigem Sound noch einmal zum Besten gegeben. Matt Barlow steht natürlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und kann seine Rührung gerade zum Ende hin nicht mehr verbergen. Auch wenn heute aufgrund der Spielzeit einige Hits (z.B. „Dracula“ oder „Melancholy“) fehlen, das ist ein ganz großer Auftritt. Schade, das man all diese Stücke von nun an von jemand anderem gesungen hören muss – der Ersatzmann wird es schwer haben.

Vreid: VREID gehören zu den wenigen norwegischen Black Metal Bands, die auch heute noch für Innovation stehen. Ursprünglich die vermutlich beste, weil ernsthafteste Black'n'Roll Band, entwickelte man sich mit den letzten beiden Alben in eine zunehmend progressive Richtung. Die steht dem Windir Nachfolger sicherlich nicht schlecht, muss aber definitiv noch ausgebaut werden. Am stärksten sind VREID jedenfalls, wenn sie das Gaspedal bei Nummern wie „Speak Goddamnit“, „Raped By Light“ oder „Pitch Black“ bis zum Anschlag durchdrücken, Songs wie der Opener „Arche“ machen hingegen Spaß, lassen aber noch Luft nach oben. So kann der heutige Auftritt definitiv genossen und gleichzeitig der nächste erwartet werden. Was will man mehr?

Avantasia: Die Power Metal Oper verabschiedet sich für längere Zeit von der Bühne, da Tobias Sammet sich erstmal wieder auf Edguy konzentrieren möchte. Dementsprechend schwingen einige bittersüße Momente mit, und eine solche Starbesetzung des Heavy/Power Metal bekommt man sicherlich auch nicht so schnell wieder zu sehen. Tobi singt sich zusammen mit Amanda Sommerville, Michael Kiske, Bob Catley, Jorn Lande und Kai Hansen durch einen Set, der alle Alben vereint und ein ungemein stimmiges Gesamtbild gibt. Auch wenn die Superlativen, mit denen dieses Projekt bedacht wird, gelegentlich ziemlich dick aufgetragen werden, sind Songs und Performance einfach mal stark – wenn man auf schönen, gelegentlich ziemlich kitschigen Power Metal steht.

Kreator: Bei KREATOR gibt es nicht viel neues: Die Performance ist stark, die Setlist ist vorhersehbar und bietet mit „Reconquering The Throne“ nur einen Song, der bei den letzten paar Touren nicht im Programm war, die Ansagen kennt man auch schon, und zu allem Überfluss ist der Sound extrem undifferenziert. Aber die Essener würden nicht als einer der besten Liveacts im Extremmetalbereich gelten, wenn sie das ernsthaft aufhalten würde. Sicherlich hat man KREATOR auch schon stärker gesehen, aber selbst die nicht ganz so starke Show von heute steckt weite Teile der Konkurrenz locker in die Tasche. „Violent Revolution“, „Voices Of The Dead“, „Endless Pain“, „Pleasure To Kill“ und „Phobia“ sind nicht umsonst bewährte Livesongs und haben bisher noch jede Meute zum kochen bekommen – auch wenn Mille heute sicherlich nicht den größten Moshpit des Festivals bekommt, den er fordert.

Motörhead: Der bei Kreator einsetzende Nieselregen wird stärker und vor allem beständig, bis zum Festivalende gibt es keine größeren Regenpausen mehr. Dagegen hilft ins Zelt rennen oder enger zusammenrücken. Bei MOTÖRHEAD passiert hauptsächlich letzteres, was wohl das größte Lob ist, das eine Band bekommen kann. Trotz Dauerregens ist das Gelände selten so voll wie bei den Motorköppen – und das, obwohl auch deren Show tendenziell innovationsarm ist. Aber mitreißend ist sie trotzdem. Lemmy ist gut drauf, bedankt sich vergleichsweise ausführlich beim Publikum und bringt neben Standarts wie „Bomber“ (mit dem Bomber an der Bühnendecke), „Ace Of Spades“, „Overkill“ oder „Iron Fist“ auch „Going To Brazil“ oder „Just 'cos You Got The Power“ und zwei neue Songs („Get Back In Line“, „I Know How To Die“). Zumindest die Setlist hat also das eine oder andere zu bieten. Zudem haben MOTÖRHEAD einen vergleichsweise guten Sound, so dass das Zuhören auch Spaß macht. Auch wenn MOTÖRHEAD, wie Lemmy selbst in einer seiner Ansagen anmerkt, gefühlt über hundert Mal in Wacken waren, macht es immer wieder Spaß, sie dort zu haben.

Children Of Bodom: Bei den finnischen Vollzeitalkoholikern ging es in letzter Zeit häufig eher routiniert als wirklich begeistert zu. Das ist auch heute nicht anders: Die Kulisse ist groß, mehrere Keyboards sind auf der Bühne verteilt, Podeste sind aufgestellt und die Feuershow reicht, um mittelgroße Wohnblocks in die Luft zu jagen, aber die Band agiert kaum mehr als professionell. Da hilft auch das große Bühnenbild nix. Was hingegen hilft, ist, mal genauer hinzuhören, denn die spielerische Leistung, die in der Vergangenheit mehrfach alkoholbedingt mehr oder weniger stark gelitten hat, ist heute einfach nur brillant. Alexi soliert konzentriert und verspielt sich auch bei noch so anspruchsvollen Soloexkursen nicht – das gab es schon verdammt lange nicht mehr. Die Setlist mag Durchschnitt sein, doch es ist einfach eine Freude, diesen großartigen Musikern bei ihrem Kerngeschäft zuzuhören – da brauch ich dann auch keine Animation. Ebenso wenig wie gutes Wetter, der Platzregen, der zwischenzeitlich niedergeht, stört kaum jemanden ernsthaft.

Tauthr: Da man Subway To Sally an jeder Straßenecke sieht, bietet es sich zwangsläufig an, mal nach dem Alternativprogramm zu schauen. Das nennt sich TAUTHR, hat letztes Jahr ein starkes Debüt herausgebracht, obwohl es bereits seit 1991 existiert, und besteht zu 2/5 aus Endstille Leuten. Dementsprechend klingt der Sound auch schön fies, aber im Durchschnitt midtempolastiger und abwechslungsreicher als bei Endstille. Der Sound ist kalt und klirrend, leider will der blödelnde Frontmann Sator nicht so recht dazu passen. Der Kerl ist ungefähr so Black Metal wie eine blüteweiß gestrichene Kirche für Vegetarier. Zudem lässt die Band ihren besten Song „Curse Or Destiny“ in der Truhe versauern. Das ist schade und gibt dem ansonsten recht starken Gig einen faden Beigeschmack.

Fazit: Wacken ist Wacken, mit allen Vor- und Nachteilen. Das weiß man im Voraus und kann sich dann entscheiden, ob man hinfährt. Üblicherweise entschädigen die Bands für viel, und so war es auch dieses Jahr.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Berlin Allstarz - Es geht in die 14. Runde!


Wir freuen uns sehr, denn das BERLIN ALLSTARZ FESTIVAL dieses Jahr erneut stattfinden! Hier alle Infos des Newsletters auf einem Blick!

Zum nunmehr 14. Mal starten wir das BERLIN ALLSTARZ FESTIVAL. Mit vielen neuen Gesichtern im Team und einem nicht müde werdenden Ehrgeiz, die größte Musikerparty des Universums zu feiern. Jetzt heißt es wieder: Alles auf Null und freuen aufs Ergebnis am 17.12. im SO36!

Die Themen:

- Neues Team
- Songvoting / Songlist
- Musikeranmeldung
- MemberCard Infos
- Termine
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Neues Team

Unser Aufruf war erfolgreich. Nach vielem Hin und Her steht das diesjährige Organisationsteam rund um das BERLIN ALLSTARZ Festival und stürzt sich in die Arbeit. Auf www.berlin-allstarz.de unter „TEAM“ findet ihr in den nächsten Wochen jeden einzelnen Mitstreiter mit seinem Bereich. Die Liste wird bis zum Festival kontinuierlich erweitert, wenn z.B. auch die Live- und Bühnencrew dazukommen. Falls ihr eins der Teammitglieder demnächst irgendwo in einem Club oder ähnlichem trefft, dann gebt ihm/ihr ruhig mal einen aus. Denn wie gehabt arbeitet jeder beim BERLIN ALLSTARZ ehrenamtlich und die einzige Motivation ist eure Anerkennung und der Spaß an der Sache. Wir heißen an dieser Stelle alle „Neuen“ herzlich willkommen und freuen uns auf ein historisches BERLIN ALLSTARZ 2011!
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Songvoting / Songlist

Über unser Songvoting habt ihr ab heute die Möglichkeit, den DJs Songs zur Übernahme in die Songlist der Musiker vorzuschlagen. Die Platzierung spielt dabei zwar eine wichtige aber nicht die Hauptrolle. Selbstverständlich beeinflusst die DJs ein besseres Ranking, sie entscheiden aber letztendlich selber, welche eurer Vorschläge übernommen werden. Platz 1 kann also, wenn‘s doof läuft, auch abgelehnt werden. Das ist nötig, um ein ausgewogenes Programm auf die Bühne zu bringen.

Das Songvoting geht vom 03.10.11. bis 24.10.11. In diesem Zeitraum werden jeweils montags die besten Vorschläge in die Songlist der Musiker übernommen, aus dem Voting gestrichen und sind nicht mehr sichtbar. Gleichzeitig setzen wir für alle verbliebenen Songs die Votes wieder auf Null, damit sie erneut die Chance haben, nach oben zu wandern und von den DJs verstärkt wahrgenommen zu werden.

Das Songvoting findet ihr hier.
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Musikeranmeldung

Wer beim 14. BERLIN ALLSTARZ Festival als Musiker teilnehmen möchte, der geht in folgenden Schritten vor (Kurzform):

Falls noch nicht angemeldet:

Auf www.berlin-allstarz.de auf „Sign Up“ klicken, alles ausfüllen und abschicken

Ansonsten:
  • Auf „Member Area“ klicken und einloggen
  • Ab 10.10.11 auf „Songlist“ gehen und an den gewünschten Positionen Haken setzen
  • Wenn ein Line Up komplett ist, über unseren Messenger untereinander kontaktieren
  • Treffen, proben, proben, proben…
  • Die Generalprobe erfolgreich bestehen
  • Das 14. BERLIN ALLSTARZ Festival rocken
In der Member Area findet ihr ausführliche FAQs für Musiker, die genauer auf alle Punkte zum Festival eingehen. Sollten Fragen offen bleiben, scheut euch nicht zu fragen: contact@berlin-allstarz.de
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MemberCard Infos

Immer mal wieder werden wir gefragt, was man eigentlich mit der BERLIN ALLSTARZ MemberCard anfangen kann. Die Antwort darauf ist dann regelmäßig der Hinweis auf den geschlossenen Bereich unserer Webseite. Loggt euch einfach in die MEMBER AREA auf www.berlin-allstarz.de ein und klickt anschließend den Punkt MEMBERCARD. Dort gibt es dann alle aktuellen Deals zu sehen. So wie aktuell das Tribute to Metallica, gibt es aber auch unregelmäßig mal einen Special-Deal, den wir dann immer als News auf der Startseite posten.

Um auch für das kommende Jahr 2012 coole Deals abschließen zu können, möchten wir allen aktuellen - und selbstverständlich kommenden - Besitzer_innen der MemberCard den Einsatz eurer Karte bei unseren Partnern ans Herz legen, damit sie uns auch weiterhin supporten.

Wenn euch in diesem Zusammenhang eine Firma einfällt, die wir für einen neuen MemberCard Deal unbedingt kontaktieren sollten, dann informiert bitte lisa@berlin-allstarz.de darüber. Natürlich hilft es Lisa immer, wenn ihr auch einen (persönlichen) Kontakt des potentiellen, neuen Partners habt. Sollte dem nicht so sein, werden wir natürlich trotzdem versuchen, einen neuen Deal einzufädeln.
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Termine
Hier findet ihr alle bisher feststehenden Festivaltermine 2011 im Überblick:

03.10.11 /Mo Start 1. Runde Songvoting
10.10.11 /Mo Start 2. Runde Songvoting
17.10.11 /Mo Start 3. Runde Songvoting
24.10.11 /Mo letzte Übernahme aus dem Songvoting
03.12.11 /Mo WarmUp Party im Pfefferberg Haus13
17.12.11 /Sa 14. BERLIN ALLSTARZ Festival im SO36

Euer BERLIN ALLSTARZ Team

Donnerstag, 15. September 2011

Party.San Open Air 2011 - Festivalbericht


Live Review
Party.San Open Air, Schlotheim – 11.13.8.2011

Neuer Ort, neues Glück? Nachdem das Party.San Open Air letztes Jahr quasi abgesoffen ist, suchte man einen neuen Ort. Diesen fand man in Schlotheim (mit inversem Pentagramm im Stadtwappen), wo man das Festival auf dem Flughafen veranstalten kann. Die Idee ist nicht neu aber gut: Bereits auf Festivals wie dem With Full Force oder dem Metalfest hat es sich bewährt, die Veranstaltung auf einem Flugfplatz durchzuführen. Der Boden ist hart und widersteht dem Wetter genauso wie den Heringen, die man in ihn reinschlagen will – da hilft nur noch der Hammer, und man verlässt das Festival mit ein paar verbogenen Fischen. Der Widerstand gegen das Wetter ist allerdings auch bitter nötig, denn Petrus scheint höchst pissig auf das unheilige Treiben in Schlotheim zu sein und beglückt das Festival immer wieder mit teils starken, teils beständigen Regengüssen. Dabei ist der Donnerstag ausgenommen, bei dem es stattdessen mit Windstärke sieben weht. Der Zeltbau kann da schon mal schnell zum ungeschickten Paraglidingversuch werden, und schlussendlich reißen die porösen Befestigungen der oberen Bühnenplane, so dass das gesamte Donnerstagsprogramm ins Zelt verlegt wird, was zu längeren Umbaupausen führt, weshalb der Headliner Triptykon seinen Auftritt kürzen muss. Die erwarteten Abstriche im Sound bleiben dagegen weitgehend aus (das der Sound durchwachsen ist, ist bei einem Festival klar), und auch wenn das Zelt bereits früh sehr gut gefüllt ist, ist es zu keinem Zeitpunkt gefährlich überfüllt. Das ist die größte Kinderkrankheit des neuen Geländes.
Ansonsten ist eigentlich alles wie gehabt. Der Sound ist festivaltypisch schwankend, im Grundsatz aber meist okay, allerdings ist der Bass häufig sehr dominant, was vor allem den Black Metal Bands schadet. Die Fressmeile ist vergleichsweise preiswert (Bratwurst 2,50€, Crêpe mit Nutella und Banane 3,00 €), der Stand vom Brutz&Brakel wird zeitweise regelrecht belagert. Auf der Merchmeile findet sich alles, was das Black/Death/Thrash Metal Herz begehrt – unter angenehm geringer Anwesenheit von braunem Stoff. Am offiziellen Merchstand werden die Festival- und Bandshirts zwischen 10 und 20 Euro verkauft. Die Security ist im Grundsatz freundlich und meist recht unauffällig. Nach Ende der Bands gibt es eine meist recht geschmackvoll bestückte Metaldisco zwischen W.A.S.P. und Morbid Angel, die den Fans den Ausklang versüßt. Lobenswert ist der Versuch der Organisatoren, dieses Jahr noch ohne ein Müllpfand arbeiten zu wollen. Wenn man die Müllberge am Abfahrtstag betrachtet, sieht es dafür in den Folgejahren eher schlecht aus.

Donnerstag:

Byfrost: Die Black Thrasher BYFROST haben die Ehre, im Zelt das Party.San zu eröffnen. Dabei haben sie schon am Anfang ganz gut Verspätung. Allerdings geben die Norweger von Beginn an gut Gas und versuchen, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Die Reaktionen sind anfänglich noch verhalten, steigern sich aber von Song zu Song. Musikalisch zeichnet das Trio vor allem seine prägnante Rythmusgitarre aus, die bei aller Punktiertheit nie das dunkle Black Metal Gefühl vermissen lässt. Das alleine reicht zwar noch nicht für den ganz großen Wurf, ist musikalisch aber zumindest gelungen.

Dew-Scented: DEW-SCENTENTED haben an diesem Wochenende die besten Slayer Gedächtnisriffs am Start und machen das Zelt damit zum ersten Mal so halbwegs voll. Die Bühnenpräsenz stimmt, die Songs sind gut und instrumental machen die Sachsen auch einen guten Job. Der Gesang ist passend dazu sehr brutal, aber auch sehr eindimensional, was vermutlich das größte Manko dieser Band ist. Bisher haben es alle größeren Thrashbands geschafft, neben geilen Riffs irgendwann auch ähnlich geilen, zumindest etwas abwechslungreichen Gesang danebenzustellen. Das fehlt bei DEW-SCENTED noch. Den vielen Maniacs auf dem Party.San ist das allerdings egal.

Aborted: Die nächste Band sind ABORTED, die bei gutem Sound das Zelt plattwalzen. Die Belgier haben weiten Teilen der Brutal Death Metal Konkurrenz etwas voraus, und das nennt sich schlüssiges Songwriting. Moshparts, Blastbeats und viehisches Gegrunze sind nicht nur Selbstzweck, sondern ergeben ein erstaunlich interessantes Ganzes. Vielleicht ist es eine kaum erkennbare melodische Komponente, vielleicht auch eine größere Durchdachtheit, es ist jedenfalls das berühmte gewisse Etwas. Ob es dieses Etwas ist, das den brutalen Moshpit zum Kochen bringt oder einfach nur die bewährte Brutal Death Formel, sei jetzt mal dahingestellt, jedenfalls macht die Band tierisch Laune.

Negura Bunget: Wie nicht anders zu erwarten haben NEGURA BUNGET trotz längstem Soundcheck des Tages mit einem unausgewogenen, die Gitarren häufig vernachlässigenden Sound zu kämpfen. Daran scheint man aber schon gewöhnt zu sein, jedenfalls zieht die Band ihr Programm nicht einfach nur professionell durch, sondern versinkt in den eigenen Kompositionen, von denen ein Gutteil vom aktuellen Superalbum „Vîrstele Pamîntului“ kommt. Damit emanzipiert sich Negru endgültig von seinen ehemaligen Bandkollegen. Man kann von dem ganzen Besetzungskindergarten halten was man will, aber musikalische Tatsachen sprechen für sich, und wer spirituell tiefgründigen Folk Black Metal ohne Einheitsgetröte, aber mit viel Erde, Wasser, schroffen Felsen und mächtigen Wäldern sucht, kommt an NEGURA BUNGET nicht vorbei. Und wenn Dordedruh in Zukunft vergleichbares leisten – umso besser!

Darkened Nocturn Slaughtercult: DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT haben sich von einer eher belächelten Underground Band in recht kurzer Zeit zu Deutschlands bestem und erfolgreichsten Vertreter für Black Metal der klassischen Schule entwickelt. Und das stellt das Schwarzwurzelquartett auch heute wieder eindrucksvoll unter Beweis. Das Songmaterial ist gerade abwechslungsreich genug, um im Gedächtnis zu bleiben, ohne das es verweichlicht, die Show erfüllt die Black Metal Klischees, ist aber musikalisch absolut hochwertig und verwahrt sich deshalb gegen Lächerlichkeit – zumindest wenn man bei schwarz-weiß angepinselten MusikerInnen nicht sowieso zwanghaft grinsen muss.

Decapitated: Die zweite Welle modernen Death Metal bilden heute DECAPITATED, die für viele Fans heute der Höhepunkt des Tages zu sein scheinen. Warum das so ist, will sich mir nicht so richtig erschließen, denn auch wenn das technisch anspruchsvolle Material musikalisch sauber und routiniert dargeboten wird, könnten Show und Songs austauschbarer kaum sein. Sprich: Zum Moshen reicht der Kram, aber mehr ist auch nicht zu holen. Abwechslung ist leider fehl am Platze genau wie intelligente Spannungsbögen, stattdessen regiert pure Haudrauf-Mentalität ohne emotionale Aggression. Wem das reicht, für den haben DECAPITATED heute einen guten Auftritt hingelegt. Ich für meinen Teil langweile mich zu Tode.

Triptykon: Für TRIPTYKON lief der August bisher nicht so gut: Erst musste man sich mit dem Desinteresse des Wacken Open Air Publikums rumschlagen und heute ist die Verspätung soweit vorangeschritten, das nur noch Zeit für fünf Songs ist – darunter allerdings die Epen „The Proloning“ und „Synagoga Satanae“, die dem Publikum einmal mehr durchgängige Gänsehaut und abgrundtiefe Finsternis bescheren. Tom ist trotz der widrigen Umstände gut drauf und versprüht Charisma und Leidenschaft mit jeder Bewegung. Seine drei Mitmusiker stehen ihm zumindest in letzterem kaum nach, und man merkt, wie stark diese Band inzwischen zusammengewachsen ist, wie blind sie zusammenspielt. In den ersten Reihen haben sich einige Die Hard Fans gesammelt, die zu jedem der fünf Überlangnummern komplett abdrehen – und sich danach beschweren, was alles gefehlt habe. Und daran erkennt man einen fantastischen Auftritt: Er ist viel zu kurz! Hellhammer ist tot! Celtic Frost ist tot! Es lebe Triptykon! Es lohnt sich nicht, in der Vergangenheit zu leben, wenn die Gegenwart dermaßen brillant aufwartet!

Freitag:

Puteraeon: Die Eröffnung des zweiten Tages ist todesmetallisch und dummerweise gar nicht mal so spannend. PUTERAEON mühen sich zwar redlich ab und ernten auch einiges an respektvollem Kopfnicken, sind aber auf einem Festival, bei der sich die Elite des Genres die Klinke in die Hand gibt, ein bisschen zu austauschbar, als das es für sie ernsthaft etwas zu reißen gäbe.

Truppensturm: Die einheimischen TRUPPENSTURM demonstrieren danach, wie nah Black und Death Metal zusammen liegen, wenn man beides nur krachig genug spielt. Mit dieser Qualität fungieren sie als perfekter Anheizer für die später auftretenden Belphegor. Der Auftritt selbst ist ein guter Weckruf, der viele Leute vor die Bühne zieht. Rumplig, stumpf und ganz schön krachartig lassen die Musiker ihr Songmaterial auf die Fans los, das in dieser Form an die aktuelle Gorgoroth Besetzung erinnert – mit weniger Boshaftigkeit, aber höherem Lärmfaktor. Das kann man kultig oder voll für die Tonne finden, unterhaltsam ist es auf jeden Fall.

Urgehal: Und wenn wir schon mal bei stumpf sind, können wir da auch gleich mal weitermachen. Die Norweger URGEHAL bieten das, was man von ihnen kennt: Ein alkoholgeschwängertes Auftreten, das jedes Vorurteil über Black Metal Bühnenshows bis auf die Spitze getrieben einhält. Das Erstaunliche daran ist die Souveränität, mit der URGEHAL ihren rauhen Black Metal dem Publikum darbieten – und das bei einem Sänger, der bereits jetzt locker 2,0 Promille auf dem Kessel hat. Das löst die Zunge, und der gute Trondr feuert das Publikum ohne Pause an. Das macht gute Laune. Ob das Black Metal ist? Scheißegaahl!

Skeletonwitch: Man kann es nicht häufig genug sagen: Wir brauchen mehr Thrash Bands auf Extrem Metal Festivals! Zwischen tiefergestimmtem Rumoren und und eisiger Mittelfrequenzkälte kommen die in Normalstimmung gespielten Thrashriffs von SKELETONWITCH gleich doppelt gut. Mit geschmackvoll gestaltetem Backdrop im Hintergrund spielen sich die fünf Amis durch einen energiegeladenen Set, der zwischen Iron Maiden Leads und dezenten Black Metal Stürmen genug Abwechslung bietet, um auf jeden Ansatz von Progressivität verzichten zu können. Zu deutsch: An den Songs klebt kein Pfund zu viel, was sie zu unbedingt mitbangtauglichen Hymnen macht. Sehr schön!

Desultory: DESULTORY sind dann die ersten Pechvögel des Festivals. Kaum haben die Schweden ihr Set begonnen, fängt es wie aus Tanklastern an zu schütten, so dass der Band ein Gutteil des Publikums genommen wird. Die ziehen ihre Show aber frei nach dem Motto „Die, die noch hier sind, sind die, die Bock auf uns haben“ weiter mit viel Spielfreude durch, und ihre Musik, die bei aller Härte nie unmelodisch wird und sowohl den Brutal und Technical Death Metal Vertretern wie auch weiten Teilen der Melodic Death Metal Konkurrenz zeigt, wie man reizvollen Death Metal mit genügend Brutalität hymnisch spielen kann, tut bald ihre Wirkung. Man sieht genug Leute bei dem Versuch, ihre Haare schneller trocken zu bangen als der Regen sie nass machen kann. An diesem Auftritt erkennt man, das es zu den Qualitäten einer guten Liveband gehört, auch in nicht ganz idealen Situationen das Publikum begeistern zu können.

Absu: Zu ABSU ist das Wetter dann wieder vergleichsweise trocken, aber die dunklen Wolken lassen bereits erkennen, dass das Wasser heute noch mal aus dem Himmel fliegen wird. Die texanische Kultband nutzt die regenfreie Zeit jedenfalls und schmeißt uns einige exotisch klingende Ohrenhappen in die Lauscher. Dabei wird auf eine Best-Off Setlist zurückgegriffen, die es wirklich in sich hat. Fremd anmutende Riffs und Rhythmen treffen auf unbatrmherzige Black/Death Metal Härte und verschmelzen zu einem beeindruckenden Ganzen, das von den Stimmen von Drummer Proscriptor und Bassist Ezezu noch unterstützt wird. Viel Bewegung herrscht da naturgemäß nicht auf der Bühne, die ohne Frontmann ein bisschen leer wirkt. Andersherum: Leere Bühnen lassen mehr Platz für viel Musik – und die Musik von ABSU braucht schon sehr viel Platz.

Primordial: Und magisch geht es weiter: Die Iren PRIMORDIAL weben ihre überlangen Epen und setzen dabei ausschließlich auf die letzten drei Alben. „No Grave Deep Enough“ trifft die Mitte zwischen Epik und treibenden Elementen, um einen reibungslosen Einstieg zu garantieren, „As Rome Burns“ hat den hypnotischsten Mitsingteil des gesamten Festivals, „Bloodied Yet Unbound“ ist trotz alle Ruhe ein absolutes Energiebündel, „The Coffin Ships“ verursacht Gänsehaut und das abschließende „Empire Falls“ mobilisiert noch einmal sämtliche Reserven. Und während die Instrumentalisten in sich versunken ihre Parts spielen, füllt Sänger Alan mit seinem überlebensgroßen Charisma die Bühne quasi alleine aus. Er singt, schreit, wimmert, leidet, predigt und stachelt auf, und jedes Mal reißt er das Publikum komplett mit. Aus dieser Mischung aus starken Songs, gefühlvollem Instrumentalspiel und mitreißender Performance ziehen PRIMORDIAL ihre Kraft, die sie zum Höhepunkt des Tages macht.

Melechesh: Und noch eine weitere Black Metal Band im weiteren Sinne, die dafür bekannt ist, Grenzen zu verschieben, ist heute am Start. Dabei ist das Interesse an MELECHESH nicht so groß wie an den vorhergehenden Primordial, an die heute kaum ran zu kommen ist. Zudem erwischt die Truppe mit „Illumination: The Face Of Shamash“ einen mäßigen Start, was nicht zuletzt auch am unausgewogenen Sound liegt. Erst mit „Grand Gathas Of Baal Sin“ finden MELECHESH zu ihrer vollen Stärke und erschaffen eine brennende, alles verzehrende Wüste aus Rhythmen und Harmonien. Mit „Rebirth Of The Nemisis“ geht der Auftritt zu Ende, der wohl an bandeigenen Maßstäben gemessen eher als durchwachsen anzusehen ist. Dennoch: Eine Band, die unbarmherziges Geprügel durch fremdartige Harmonik in seiner Intensität so stark steigern kann wie MELECHESH muss erst noch gefunden werden.

Belphegor: So, nun ist aber Schluss mit lustig! Brecher wie „Lucifer Incestus“, „Belphegor – Hell's Ambassador“ oder „Bondage Goat Zombie“ kommen wie ein tiefschwarzer Sturm über Schlotheim und sind in ihrer live dargebotenen Form an Brutalität kaum zu übertreffen. Schwarzes Geprügel trifft auf Death Metal Gewalze, was in dieser Form zum unnachgiebigsten gehört, das die Musikwelt kennt – auch weil sie im richtigen Moment an Komplexität etwas zu nehmen und fast beständig an der Grenze zwischen Harmonik und Lärm rangieren. Wenn man BELPHEGOR überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann das einige Hits mal wieder in der Truhe bleiben – „Bluhtsturm Erotika“ oder das viel geforderte „Swarm Of Rats“ könnten echt mal wieder kommen. Leider ist das heute der letzte Auftritt von Drummer Martin – es bleibt zu hoffen, das die Satansbraten jemanden finden, der sie weiterhin so effektiv antreibt.

1349: Die Norweger haben heute ein ganz empfindliches Problem: Drummer Frost ist mit Satyricon unterwegs und dementsprechend muss auf die Dienste von einem Ersatzmann zurückgegriffen werden. Der spielt zwar einen Tick abwechslungsreicher als Frost, bekommt aber die übermenschlichen Blastbeats und Double Bass Attacken längst nicht in der üblichen Präzision hin, einige Teile werden regelrecht schlampig gespielt. Dazu noch ein tierisch bescheidener Sound, und der Auftritt ist zwar immer noch ein gutklassiger Black Metal Gig, aber halt auch nicht mehr. Gerettet wird die Show lediglich von Sänger Ravn, der mit seinem Charisma so manchen Patzer verdecken kann und die Show im Endeffekt vor dem kompletten Schiffbruch bewahrt – enttäuschte Gesichter gibt es dennoch zuhauf.

Ensiferum: Die Finnen von ENSIFERUM sind auch bei einsetzendem Regen eine Festivalkonstante. Man weiß was man bekommt, kann Party machen und wirklich schlechte Gigs gibt es von den Finnen eigentlich auch nicht. Das kann man, je nach Standpunkt und musikalischer Vorliebe, voll toll oder ätzend öde finden. Ich für meinen Teil tendiere eher zu letzterer Fraktion, da ich die Rockträger einfach zu häufig gesehen habe und die Musik sich für mein Verständnis tierisch schnell abnutzt. Damit bin ich an dieser Stelle aber Teil einer Minderheit, denn das Gelände ist trotz Sauwetter unterm Strich gut voll und die Stimmung beständig hoch.

Morbid Angel: MORBID ANGEL sind nicht dumm, und sie sind lange genug dabei, um zu wissen, was ihre Fans von ihnen verlangen: Viel altes Zeug und nur nicht zu viel vom durchwachsenen neuen Album, schon gar nix von dem Elektrozeug. Einmal die fette Death Metal Keule bitte, und zwar schön saftig. Und was der Fan will, soll er haben, neben ein paar neuen Songs stehen viele von „Altars Of Madness“ und „The Convenant“. Und so schaffen es die Death Metaller, so manchen Freudenschrei zu erzeugen und halten ihr Publikum trotz Dauerregen souverän vor der Bühne. Vor allem David Vincent scheint richtig Spaß an seinem Auftritt zu haben, und über die Songs braucht man ja keine Worte mehr zu verlieren – MORBID ANGEL spielen klassischen Ami Death Metal der besten Sorte, und die Leute drehen durch.

Samstag:

Dawn Of Disease: Am dritten Festivaltag ist die Meute, wie immer schon recht erschöpft und klemmt sich die frühen Bands häufig – das ist auch heute nicht anders, weshalb DAWN OF DISEASE mit kleinem Publikum vorlieb nehmen müssen. Die modernen Death Metaller versuchen dennoch, die kleine Meute mit ihrer Musik mitzureißen, was ihnen aber nur bedingt gelingt, denn Show und Songmaterial der Truppe ist einfach zu beliebig und fliegt genauso schnell rein wie wieder raus.

Cliteater: CLITEATER scheinen für gar nicht mal so wenige Leute einer der Höhepunkte des Festivals zu sein – die T-Shirt Dichte ist sehr viel höher als bei den meisten folgenden Bands und trotz früher Uhrzeit stehen schon einige Fans vor der Bühne. Keine Riesenkulisse freilich, sondern eher ein Treffen der Guts-and-Goregourmets. Die Band nutzt diesen Vorteil und liefert einen starken Auftritt ab, der jeden Fan zufrieden stellen sollte und auch den einen oder anderen Neugierigen überzeugt haben dürfte.

Witchburner: Es ist immer wieder erstaunlich wie schmal teilweise die Grenze zwischen Thrash und Trash ist – WITCHBURNER balancieren ihren ganzen Auftritt darauf entlang, erreichen meistens den Thrash und driften gelegentlich gewollt oder ungewollt in den Trash ab. Das Songmaterial ist ultrasimpel und ultrastumpf, meist aber mitreißend und gut headbangbar. Gelegentliche Ausflüge in zu punkige Krachregionen und der eintönige Gesang werden da gerne verziehen – wir reden hier schließlich über Undergroundmucke, die mit mehr Gefühl als technischem Können gespielt werden muss. Und dieses Verhältnis stimmt hier.

Panzerchrist: PANZERCHRIST erinnern nicht nur durch den Militarismus im Bandnamen an die Tags davor spielenden Kollegen von Truppensturm – der Sound und das Auftreten der Bands ähneln sich stark. PANZERCHRIST sind die tieferen, groovigeren, Death Metal lastigeren, aber dieses Detail fällt tatsächlich erst im direkten Vergleich auf. Ansonsten könnte man die im Truppensturm-Bericht verwendeten Vokabeln größtenteils auch an dieser Stelle übernehmen. Das wären zum Beispiel: Krachig, lärmig, rumplig oder kultig.

Heidevolk: Kontrastprogramm! Folk Metal Bands haben es auf dem Party.San traditionell schwer – man denke nur an den trotz guter spielerischer Leistung komplett ignorierten Auftritt von Eluveitie vor zwei Jahren, der zudem vom Mischer böse versaut wurde. Auch HEIDEVOLK bekommen das heute zu spüren, denn trotz musikalisch einwandfreier Leistung inklusive schönem mehrstimmigen Gesang tanzen nur wenige bierseelige Gestalten vor der Bühne, während viele Fans den Auftritt zur Abbauzeit erkoren haben. Bei immerhin okayem Sound machen die Folker das, was sie tun können – sie nehmen mit, was da ist. Musikalisch ist alles im grünen Bereich, es gibt viele Ansagen und viel Bewegung auf der Bühne. Ein solider Auftritt also.

Taake: Exhumed kommen zu spät, weshalb der Auftritt von TAAKE vorgezogen wird, die das beste aus der Situation machen. Trotz kurzfristiger Ansage sind die meisten Fans der Norweger tatsächlich auch vor Ort, als Hoest in schicke Jeanskutte mit Darkthrone Backpatch gewandet die Bühne betritt und das tut, was er am besten kann: Eine astreine Black Metalperformance abliefern. TAAKE setzen heute viel auf Midtempo, was von Vorteil ist, denn neben der den Ur Black Metal auszeichnenden Kälte kommen hier auch die prägnante Melodik und das Rhythmusspiel gut zur Geltung. Das ist das, was TAAKE rein musikalisch von vielen Black Metalbands abhebt – dazu kommt dann noch die Performance, die mit viel Bewegung und Kommunikation die Fans vor der Bühne mitreißt.

Exhumed:Nachdem die Black Metaller ihre Band gehabt haben, dürfen jetzt die Gorefans nochmal ran: EXHUMED sind angekommen und hetzen sich durch ihren Set, als ob sie immer noch ein Zeitproblem hätten. Der Speed dieser Band ist beeindruckend, die Songs aber für das Nicht-Grindcore Herz ziemlich schnell ermüdend. Den Fans ist das egal: Die drehen durch und haben zusammen mit der Band ganz offensichtlich viel Spaß.

Nachtmystium: Bei den Amis NACHTMYSTIUM hat der Mischer böse ins Häufchen gegriffen: Ein viel zu dominanter Bass zerstört die Feinheiten der Songs, was den Hörgenuss erheblich schmälert. Das ist schade, denn ansonsten stimmt alles: Die Leute sind heiß auf die Band, die Musiker selbst sind gut drauf und die Songauswahl konzentriert sich dem Publikum entsprechend auf die blackmetallischen Frühwerke der Band, was prinzipiell erstmal gut ankommt. Leider gibt es bereits nach wenigen Songs einen Schaden am Schlagzeug, der von der Band leider nicht souverän überbrückt werden kann. Das zerrt an den Nerven. Und so werden NACHTMYSTIUM zu den Verlierern des Festivals. Es wäre viel zu holen gewesen, aber die Umstände sprachen gegen die Band.

Hail Of Bullets: HAIL OF BULLETS machen heute alles richtig: Sie wählen einen speedigen Start, gehen aber, sobald sie das Publikum einmal im Hochgeschwindigkeitsrausch aufgemischt und durcheinandergewirbelt haben, einen Gang runter und planieren alles, was nicht schnell genug aus dem Weg kriechen kann. Und dabei kommen sie auch noch ungemein sympathisch rüber. Die holländischen Weltkriegshistoriker spielen einen Querschnitt aus ihren beiden Alben, was, wie zu erwarten, gut ankommt. Bei Brechern wie „General Winter“ und „Tokyo Napalm Holocaust“ mobilisieren die Fans noch einmal alles. HAIL OF BULLETS haben an diesem Wochenende im Death Metal Bereich die Nase ganz weit vorne.

Watain: WATAIN haben sich seit der Veröffentlichung von „Lawless Darkness“ alles andere als rar gemacht. Um Ermüdungserscheinungen beim Publikum zu vermeiden haben sie Setlist und auch Teile der Show dabei immer wieder variiert. Letztere ist heute Standard, dafür bietet die Setlist heute einige Leckereien für Die Hard Fans, denn die Schweden spielen heute nur Songs der ersten beiden Alben, wobei vor allem „The Limb Crucifix“ und „From The Pulpits Of Abomination“ für Freudenstürme sorgen. Mit sehr intensiver Show vor allem von Fronter Erik führen die fünf Schweden durch ein leider viel zu kurzes Programm, das mit dem Jon Nödtveidt gewidmeten „A Fine Day To Die“ (Das ein Bathory Cover ist und nicht, wie einige Gehörgangskrüppel gehört haben wollen, ein Dissection Cover) seinen Höhepunkt findet. Schade, das WATAIN erst so spät ins Billing gerutscht sind, sonst hätten sie sicherlich auch eine bessere Position bekommen können.

Morgoth: Und schon wieder Schweden auf der Bühne! Die werden auch nicht weniger....und Musik machen können sie auch. Die Elchtöter von MORGOTH sind wieder da und beeindrucken von der ersten bis zur letzten Sekunde. Durch viele Festivalauftritte eingespielt hauen die Schweden einen großartigen Song nach dem anderen raus, wobei die Auswahl zum 20 jährigen Bestehen von „Cursed“ fröhlich stimmt. Anders als eine Woche zuvor auf dem Wacken hat die Truppe hier auch ihre Leute und zudem kann sie ihre komplette Lichtshow auffahren, was die Wirkung der Songs nochmal steigert. Schön das ihr wieder da seid!

Enslaved: ENSLAVED nerven zu aller erst mit einem überlangen Soundcheck, der sie einen Teil ihrer Besucher kostet. Für die Verbliebenen ist das allerdings ein guter Tausch, denn ENSLAVED haben einen Spitzensound, der für ihre inzwischen sehr detailverliebte Musik auch nötig ist. Zudem finden die Norweger heute eine gute Balance aus ihren ruppigen Frühwerken und ihren aktuellen psychedelischen Songs, so das sowohl für den Klangkunstverehrer wie auch für den Black Metal Fan was dabei ist. Auch wenn es in aller erster Linie die späteren Songs sind, die wirklich beeindrucken, kann man auch den Stimmungsanstieg bemerken, wenn die Norweger anfangen zu holzen anstatt zu frickeln. Zudem herrscht auf der Bühne viel Bewegung, worunter die Performance dankenswerterweise nicht leidet. Ein wirklich starker Gig.

At The Gates: AT THE GATES haben nun mit über einer Stunde Verspätung die Ehre, das Festival zu schließen. Und die Schweden fackeln nicht lange, sondern brennen ein Best Of Feuerwerk der Extraklasse ab, mit dem sie ihrem Ruf als großartige Liveband allemal gerecht werden. Songs wie „Terminal Spirit Disease“ oder „Blinded By Fear“ sind einfach Extraklasse und in ihrer Verbindung aus Härte und Melodie nur selten erreicht – auch wenn der Kultstatus, der der Band häufig angedichtet ist, gerne mal übertrieben wird, gehören AT THE GATES zweifellos zu den größten Elchtötern. Dazu noch überbordende Spielfreude und eine passende, im Gegensatz zum Wackenauftritt 2008 nicht übertrieben grelle Lichtshow, und die Schweden können auch den größten Zweifler überzeugen.

Fazit: Das neue Gelände hat seine Einweihung überlebt – aber bei der Bühnenbefestigung muss definitiv noch was gemacht werden, denn Konzert im Zelt ist nicht so richtig geil. Ansonsten aber Daumen hoch.

Bericht von Felix Patzig
Bilder von Diana Muschiol

Weitere Fotos findet ihr auf unserer offiziellen Facebookseite.

Mittwoch, 24. August 2011

Wolfszeit Festival 2011 - Vorbericht


Wer keine Angst vor dem rauen Septemberwetter hat und auf Pagan und Black Metal steht, für den gibt es mit dem Wolfszeit Festival nochmal einen gemütlichen Abschluss der Festivalsaison. Das Festival findet am 2.-3. September in Crispendorf statt, gar nicht mal so weit weg von Bad Berka, dem alten Party.San Austragungsort. Auf dem Waldgelände findet auf einer Bühne an den zwei Tagen von Nachmittags bis Nachts das Bandprogramm statt.

Die Headliner sind Watain, Primordial, Eisregen und Equilibrium, ergänzt werden diese durch Bands wie Heidevolk, Farsot, Varg, Imperium Dekadenz, Wolvchant, Fimbulvet, Der Weg Einer Freiheit, Bifrost, Hexadar und Vargsheim.
Es sollte rein musikalisch also für jeden was dabei sein. Für wen das interessant klingt: Die Tickets kosten 38,95 €, dazu kommen noch 9 € für das Parken/Campen und gegebenenfalls 6,05 € Abendkasse.

Zu finden ist Crispendorf unter disem Link.

Eine Anreise ist ab Donnerstag 14:00 Uhr möglich. Karten gibt es unter wolfszeit-karten@gmx.de.

Hier noch die Running Order:

Freitag 2.9.2011
23:50 – 01:00 EQUILIBRIUM 70 min
22:15 – 23:25 EISREGEN 70 min
20:50 – 21:50 VARG 60 min
19:30 – 20:20 FARSOT 50 min
18:20 – 19:10 FIMBULVET 50 min
17:20 – 18:00 DER WEG EINER FREIHEIT 40 min
16:20 – 17:00 HEXADAR 40 min
16:00 Einlass ins Konzertgelände

Samstag 3.9.2011
22:50 – 00:00 WATAIN 70 min
21:05 – 22:15 PRIMORDIAL 70 min
19:35 – 20:35 HEIDEVOLK 60 min
18:20 – 19:15 IMPERIUM D. 55 min
17:10 – 18:00 WOLFCHANT 50 min
16:00 – 16:50 BIFRÖST 50 min
15:00 – 15:40 VARGSHEIM 40 min
14:30 Einlass ins Konzertgelände

Mehr Infos findet ihr unter www.wolfszeit-festival.de

Montag, 8. August 2011

Wacken 2011 - Impressionen, Interviews und Bericht in Vorbereitung



Was war das nur für eine Woche! Einige der Redaktionsmitglieder sind doch schon wirklich am vergangenen Montag angereist und haben tatsächlich bis zum Sonntag durchgebangt. Leider hatten alle eine sehr lange Rückfahrt, aber man kann ja nicht alles haben. Mit euch und den Bands hatten wir jedenfalls eine großartige Zeit auf dem W:O:A: 2011!

Das WACKEN OPEN AIR 2011 war nicht nur Festival der alten Herren (dank Ozzy, Judas Priest und Motörhead), sondern auch eines der jungen, talentierten Bands (wie Kvelertak, Trivium, In Solitude und Bullet). Wir können euch jetzt schon verraten, dass einer der Headliner von diesem Jahr auch beim 25 jährigen Jubiläum des W:O:A´s spielen wird.

Wie auch immer. Unsere Redaktion beginnt heute mit den Arbeiten an der Berichterstattung des Festivals. Dank Bands wie BETONTOD, DORO, KATAKLYSM, KNORKATOR, EDGUY und SKELETONWITCH sind dazu noch schöne Videointerviews entstanden. Diese werden wir euch so schnell es geht präsentieren! Natürlich werden wir euch auch viele Bilder vom Festival, der Fans und den Bands bieten. Seid gespannt!

Für euch waren vor Ort:

Patrick Berus (Berlin Metal Legion)
Alexander Goldmann (Berlin Metal Legion)
Felix Patzig (Berlin Metal Legion)
Evelin Flöther (Berlin Metal Legion)
Fabien Blackwater (Burn Your Ears)
Arne Gerstädt (PitCam)

Dienstag, 2. August 2011

Hell's Pleasure 2011 - Festivalbericht


Hell's Pleasure Festivalbericht
Pößneck, 22.-23.7.2011

Das „Hells Pleasure“ Festival ist ein kleines Underground Metal Festival im südlichen Osten Deutschlands, das in mehr als einer Hinsicht an das Party.San vor den jährlichen Preiserhöhung erinnert. Mit ein paar hundert Leuten ist das Festival fein und übersichtlich, der Eintritt beträgt 35 Euro, Festivalshirts bekommt man für zehn Euro und das Bier für zwei Euro. Der Campingplatz liegt auf einer Motorcrossstrecke, was aufgrund des steinigen Bodens locker mal zwei, drei Heringe kosten kann. Zwischen Campingplatz und Festivalgelände liegt eine Marktmeile, deren Angebot das Publikum des Festivals ganz gut wiederspiegelt: Underground aller metallischen Stillistiken ist vertreten, eine Betonung liegt auf dem Black Metal, gelegentlich findet man ein paar ekelige braune Einsprengsel (Artikelweise, NSBM Stände gab es nicht), hingegen bleibt Mainstream Metal Merch weitgehend außen vor. Zum Thema braun: Die vorhandenen Nazis sind in der starken Minderzahl und benehmen sich dementsprechend weitgehend unauffällig. Das über der Biertheke aufgehängte Poster „No Politics! No Weapons! No Priests!“ fasst den Zustand ganz gut zusammen, womit jeder leben können sollte.
Kommen wir also zu den erfreulichen Dingen! Die kleine Bühne wird von mittags bis nachts bespielt, wobei man sich Mühe gegeben hat, Bands, die für ihre Stimmung die Dunkelheit brauchen, auch erst nachts auftreten zu lassen. Meinen Dank dafür, bei vielen Festivals bleibt dieses Detail häufig vernachlässigt. Der Sound ist recht durchwachsen, festivaltypisch ist gerade der Gesang häufig zu leise, während die Gitarren fast grundsätzlich im Vordergrund stehen, dabei aber gelegentlich etwas verwaschen aus den Boxen kommen. Bei einem Open Air mit 20 Minuten Umbau und Line Check darf man halt keinen Traumklang erwarten. Dafür ist der Sound verdammt laut. Für Festivals dieser Größe typisch ist die Security eher klein und der Umgang mit den Besuchern locker. Dass das ganz offensichtlich gut funktioniert, spricht für das Publikum. Lediglich wenn unerwarteterweise mal ein Crowdsurfer in Richtung Bühne gejagt wird, kommen die Securities ins Schwitzen – das passiert einfach so selten, das es jedes Mal eine Überraschung ist.

Freitag:

Division Speed: Mit DIVISION SPEED eröffnet eine Thrash Band das Festival. Der Vierer beginnt die Show auf ein paar Stratos, bevor der Sänger mit Panzerfaust, die er aber quasi sofort weglegt, auf die Bühne kommt. Der Sound ist bewusst beschissen, unverzerrt und kraftlos. Nach zwei Songs werden die Stratos dann zerschlagen und die Saitenfraktion hängt sich ihre regulären Instrumente um den Hals. Der Sound wird sofort saftiger. Das schafft Stimmung, die die Sachsen auch bitter nötig haben, denn ihr Songmaterial setzt ausschließlich auf die Stumpf-ist-Trumpf-Karte und verfügt über keine nennenswerten musikalischen Qualitäten. Dazu wird es erschreckend rumpelig gespielt, so das von einem „Zusammenspiel“ nur im allerweitesten Sinne die Rede sein kann. Bei allem Respekt vor primitiver Musik, aber man kann es auch übertreiben. Endgültig vorbei ist es dann, als die P.A. Kurzzeitig ausfällt. Als Festivalstart mögen DIVISION SPEED funktionieren, aber wenn sie sich weiterentwickeln wollen, müssen Songmaterial wie auch Liveperformance noch besser werden.

Black Oath: Weiter geht es mit todtraurigem Doom Metal. BLACK OATH riffen sich langsam und ultraschwer durch ihre 40 Minuten und verbreiten dabei schwermütige Stimmung. Einziges Manko der Italiener ist ihr Sänger A.Th., der gefühlvoll und charismatisch, dabei aber gerne unsauber singt. Das stört nur mäßig, da der Gesang eh wenig zu hören ist, und so erlebt die Doomgemeinde ihren ersten Höhepunkt. Unterm Strich bekommen BLACK OATH den Jubel, den sie verdienen.

Maim: Mit MAIM wird das Tempo dann wieder angezogen. Brutaler, technischer Death Metal mit weitgehender Abwesenheit von Melodien. Die Schweden walzen sich durch einen brutalen Set und erhalten dafür zu recht positive Reaktionen. Die Musik hat zwar keinen echten Innovationswert, hält live aber die klassischen Death Metal Helden am Leben. Leider wird der Set auf Dauer etwas eintönig, womit er auch die größte Schwäche der aktuellen Strömung beinhaltet. Das Potential ist definitiv da, aber ein bisschen mehr Variabilität darf es gerne sein.

Saturnalia Temple: Waren Black Oath schon langsam, bleiben SATURNALIA TEMPLE fast stehen. Die Zutaten des Duos plus Liveschlagzeug sind dabei einfache, ständig wiederholte Riffs, die das Publikum hypnotisieren und verzaubern sollen. Dumm nur, dass das nicht so recht klappen will, denn die Riffs sind längst nicht stark genug. Und so erweist sich der, als besonders wirkungsvoll gedachte, einfache und gleichförmige Aufbau der Songs als Killer, denn die Riffs zünden nicht, sondern fliegen nur ziellos in der Gegend rum. Einige Die-Hard Fans würden sicherlich widersprechen, denn zumindest ein paar Leute nicken inbrünstig mit, aber prinzipiell sind SATURNIA TEMPLE in ihrer Langsamkeit einschläfernd und in ihrer Gleichförmigkeit nervend.

Obliteration: OBLITERATION reißen das Publikum mit ihrem klassischen, schwedisch angehauchten Death Metal sofort mit und sorgen für viele Headbanger und lautes Gebrüll. Ihr Spiel ist variantenreich, immer melodisch genug, um abwechslungsreich zu sein, aber nie so melodisch, als das es auch nur einen Hauch an Brutalität einbüßt. Dazu wissen die Norweger in allen Tempovarianten zu überzeugen und glänzen auf der Bühne mit viel Aktivität. Ein Fest für Death Metal Fans und eine eindrucksvolle Demonstration von musikalischer Klasse. Gegen Ende des Auftritts erfahren die Musiker dann von den Anschlägen in Norwegen und zeigen sich betroffen, was in einer kurzen Ansage zum Ausdruck kommt. Dass sie ihren Set danach so schnell wie möglich beenden wollen, um danach mehr zu erfahren, kann ihnen wohl kaum jemand verübeln.

Root: Die Tschechen ROOT bezeichnen ihren Stil als Epic Black Metal. Diesen spielen sie schon eine ganze Weile, nämlich über 20 Jahre. Leider hat das der Qualität nicht besonders gut getan. Die Strukturen sind abgestanden, die Tempowechsel vorhersehbar und die Riffs nur selten wirklich aggressiv. Damit sind ROOT in der Generation In Flames eigentlich recht passend, für das Hells Pleasure aber nicht wirklich geeignet. Zudem legt man gerade zu Anfang des Sets ein wenig zu sehr Gewicht auf Downtemposongs, so dass die Stimmung von Obliteration nicht übernommen werden kann.

Enforcer: Die Schweden sind mit ihrem klassischen Heavy Metal heute der Ausreißer des Festivals. Das macht aber gar nix, den ENFORCER sind bereit, um die Fans zu kämpfen und sprinten von Anfang an los, als hätten sie Chillisoße an den Beinen. Für große Diskussionen sorgt die Übernahme der zweiten Klampfe durch Sänger Olof Wikstrand. Der kann sich natürlich weniger bewegen und man merkt ihm auch noch an, wie anstrengend die neue Doppelbelastung für ihn ist. Das ändert aber nichts daran, dass die neue Besetzung funktioniert und das Songmaterial für sich ausgezeichnet zündet. ENFORCER müssen weiterhin hart arbeiten, doch es ist kein Grund zu erkennen, warum diese Band nicht noch größer werden sollte. Lediglich das Zugabespielchen sollte man sich bei einem so kurzen Set doch lieber sparen.

Ghost: GHOST haben viele Fans unter den Besuchern des Hells Pleasure, jedenfalls steigt der Druck auf die ersten Reihen mit Beginn des Auftritts beträchtlich, denn jeder will einen Blick auf die fünf Kuttenträger und den Papst bekommen. Vor allem letzterer ist es, der den Auftritt der Schweden mit seiner Gestik und seinem Gesang maßgeblich bestimmt. Seine Segensgesten und seine Bewegungen vermitteln eine Würde, die durch die Texte und die schwarzen Männer im Hintergrund effektiv karikiert wird, so das eine vollendete Blasphemie daraus erwächst. Das einzige Problem dabei: GHOST brauchen unbedingt mehr Songmaterial, um die Setlist stärker variieren zu können. Durch ihre einstudierte Performance gleicht die Show der in Berlin beinahe bis aufs Haar. Wenn GHOST auf Dauer relevant bleiben wollen, brauchen sie mehr Abwechslung.

Nifelheim: Iron Maiden haben heute einen Day Off, deshalb können sich die Toxic Twins mal wieder um ihre eigene Band kümmern und als Stachelschweine of Darkness and Evil einen schweinegeilen Auftritt hinlegen. Unterstützt werden sie dabei von den beiden Necrophobic Gitarristen, die nach wie vor das wohl beste schwedische Black Metal Gitarrenduo sind. Ihr brillantes, in jedem Moment tightes Gitarrenspiel fügt der punkigen Note der Chefdenker Hellbutcher und Tyrant eine edle Nuance hinzu, die den starken, trotz beständig hohen Tempos variablen Songs die Klarheit gibt, die sie brauchen, um sich in ihrer gesamten, finsteren Pracht entfalten zu können. Zudem haben die Schweden (im Gegensatz zu den meisten Norwegern) auf der Bühne einen schier unersättlichen Bewegungsdrang, so das man alle Mitglieder (mit Ausnahme des Drummers natürlich) beständig am Bühnenrand sehen kann. Das treibt die Stimmung an sämtliche Siedepunkte, und wohl kaum eine andere Band wird an diesem Wochenende so abgefeiert wie NIFELHEIM.

Year Of No Light: YEAR OF NO LIGHT haben sich für den Abschluss des Tages noch etwas Besonderes einfallen lassen. Die Ambienttruppe vertont live den Stummfilm „Vampyr“ aus dem Jahre 1932 neu. Dieser uralte Horrorfilm, der sich vor allem durch eine gewisse Surealität auszeichnet, eignet sich für ein solches Vorhaben perfekt. Leider verschenken YEAR OF NO LIGHT mit einer Verspätung im Guns'n'roses Maßstab (etwas mehr als eine Stunde später als angekündigt geht es los) einen Gutteil der Spannung. Zudem ist die musikalische Umsetzung zwar definitiv geglückt und jagt einem die Gänsehaut über den Rücken, aber nur wenige Fans halten die 80 Minuten in ihrer Gesamtheit durch. Sehr schade, denn das war definitiv sehenswert und sollte unbedingt wiederholt werden.

Samstag:

Reveal: Es gibt Stile in unserer lustigen, bunten Musikwelt, die sind absolut unvereinbar, und dazu gehören definitiv Indie Rock und Black Metal. Genau das versuchen REVEAL, was dann wie kraftloses Geschrammel mit furchtbar unpassendem Gekrächze klingt. Instrumentalbesetzung und Sänger sind für sich genommen definitiv fähig, passen jedoch auf Teufel komm raus nicht zusammen. Das Gebräu wirkt zwar im ersten Moment innovativ und interessant, läuft sich aber bereits nach kurzer Zeit tot, was sich dann auch in den Publikumsreaktionen niederschlägt.

Invidious: Man könnte lästern, das die Stimmung zunimmt, sobald die Innovation abnimmt. Damit tut man den Death Metallern von INVIDIOUS aber Unrecht, denn auch wenn ihre Musik nicht wirklich die genialste Erfindung seit dem ABS ist, macht sie zu dieser Tageszeit definitiv Spaß. Das sehen auch die Fans so, die die Schädel kreisen lassen und den Schweden reichlich Applaus spenden. Schön, das so viele Bands dem klassischen Death Metal huldigen und nicht einfach nur auf dem „Immer schneller, immer brutaler“-Trip sind, der auf Dauer einfach nur nervt.

Jex Thoth: Obwohl JEX THOTH vor nicht einmal einem Jahr in Deutschland unterwegs waren, hat sich in der Zwischenzeit viel getan. Der Keyboarder, bisherige Spaßbremse der Band, ist ersatzlos gestrichen worden, der Bassist wurde ausgewechselt und ein neuer Gitarrist ist dabei, der den Sound der Band andicken soll. Die Folge ist ein zuerst recht gewöhnungsbedürftiges neues Klangbild, das zwar rockiger und dementsprechend festivaltauglicher, häufig aber auch weniger atmosphärisch rüberkommt. Daran muss sich der geneigte Zuschauer erst gewöhnen, allerdings herrscht zumindest etwas mehr Bewegung auf der Bühne. Blickfang ist dabei natürlich Sängerin Jex Thoth, deren Charisma aber durch den Bühnengraben nicht ganz so stark zum Tragen kommt, da es zu weiten Teilen auf der Nähe zum Publikum aufbaut. Dennoch ist sie mit ihrer Ausstrahlung allen Kolleginnen voraus und hat das Publikum vom ersten bis zum letzten Moment in der Hand.

Venenum: VENENUM treiben mit ihrem Bühnenaufbau viel Aufwand und schleifen sogar einen Grabstein auf die Bühne. Dazu wird ein totes Frettchen ins Publikum geworfen, das aber postwendend wieder zurückkommt. Dieser etwas lächerliche Vorgeschmack zeigt, das sich VENENUM vielleicht doch lieber auf ihre Musik konzentrieren sollten, denn die ist zwar gutes Headbangfutter, lässt aber noch den großen Aha-Moment vermissen. Klassischer, leicht komplex angehauchter Death Metal mit ein paar wenigen Black Metal Anleihen steht auf dem Programm und treibt durch vergnügliche 40 Minuten. In diesem Sinne: Weniger „Trara“, mehr „Dröhn“!

Nekromantheon: Das Trio NERKROMANTHEON besteht zu zwei Dritteln aus Obliteration Leuten, aber qualitativ hat das dummerweise überhaupt nicht abgefärbt. Der Thrash Metal der Truppe hat keine Ausstrahlung, sondern nur eine kindische Punkbetonung, die die Qualitäten des Genres auf einfaches Zwei-Akkord Geriffe reduziert. Niemand verlangt, das jede Thrash Band progressive Gewitter im Stile von Megadeth entfesselt oder das melodische Element von Slayers „South Of Heaven“ in vergleichbarer Brillanz übernimmt, aber wenn man beim Zuhören beginnt, auf Kreators „Endless Pain“ technische Anleihen und abwechslungsreiche Arrangements zu finden, dann ist die spielende Band definitiv über das Ziel hinausgeschossen. Auch wenn das diverse Fans vor der Bühne anders sehen: So macht Thrash zumindest mir keinen Spaß – und so sollte man auch ernsthaft überlegen, ihn lieber Trash zu schreiben.

Tribulation: Da kommen die Schweden von TRIBULATION gleich doppelt gut. Die Death Metaller sind nur einen Ticken melodischer als das Gros ihrer Kollegen aus dem Schwedentodmetier, sie sind aber auch einfach gute Songwriter und halt auch schon ein paar Tage am Start, so dass das Songmaterial reifen konnte. Dazu kommt noch die zusammen mit Nifelheim energetischste Perfornmance des Wochenendes. Bei so viel Spielfreude, hochklassigen und eingängigen Songs und noch recht gutem Sound ist das Publikum natürlich von Anfang an dabei und feiert TRIBULATION von vorne bis hinten ab. Die Death Metaller machen alles richtig und gehen damit als einer der Festivalsieger vom Platz.

Gospel Of The Horns: Gegen die geballte Ladung Power von Tribulation können GOSPEL OF HORNS nicht so recht anstinken, dennoch ziehen sie routiniert und spielfreudig ihr Ding durch, womit sie die Fans schnell auf ihrer Seite haben. Ihr angeschwärzter Thrash Metal ist für die feierwütige Masse noch einmal Gelegenheit, die Becher zu erheben und den Hals ordentlich zu belasten. So gewinnen auch GOSPEL OF HORNS sicherlich keinen Innovationspreis, haben und machen aber Spaß – viel mehr kann und will man ja gar nicht verlangen.

Negative Plane: NEGATIVE PLANE sind der progressive Teil des Tagesprogramms und kontrastieren damit effektiv weite Teile des Billings. Das gefällt nicht jedem, dennoch ist es vor der Bühne gut voll. Und was diese drei Musikmagier von der Leine lassen, hat nicht nur Klasse, es hat einfach alles: Sinn und Verstand, brillante Technik, unglaublich viel Gefühl, Abwechslung und ganz viel Tiefe. NEGATIVE PLANE brillieren in jedem Moment, sie zelebrieren ihre eigene Musik mit Selbstbewusstsein, ohne ob ihrer zweifellos vorhandenen Fähigkeiten arrogant zu wirken. Sie überzeugen in jedem Tempo, in jeder Lautstärke und unabhängig von technischer Schwierigkeit. Wenn Gitarrist/Sänger Nameless Void unter seine Schreie ein Tappingsolo packt, klappt einem der Unterkiefer gen Boden, und man wähnt sich bei einem Frickelact im Sinne von Dream Theater oder Symphony X. Damit tut man dieser großartigen Band aber Unrecht, denn emotional ist dieser Auftritt ganz große und finstere Klasse und hat mit den friedlichen Proggies absolut nichts zu tun. Einfach nur großartig!

Rotting Christ: Die Griechen versuchen heute noch ein Mal in ihrem Leben eine Black Metal Band zu sein und setzen heute dementsprechend auf ein Old School Set. Über den Erfolg lässt sich streiten, denn auch wenn die Songauswahl vor allem den frühen Fans zweifellos Spaß macht und die Band über viel Ausstrahlung verfügt, wirken die Songs schaumgebremst. Der Gastauftritt von Primordial Fronter A. Nemtheanga ist dann auch nur ein nettes Gimmick, vor allem, da der Ire naturgemäß bei seiner Hauptband sehr viel mehr Charisma entwickelt. Die Publikumsreaktionen sind dennoch sehr positiv, was vor allem der Ausstrahlung der Musiker zu verdanken ist. So hört man nach dem Auftritt zwar auch negative Stimmen – die positiven überwiegen allerdings.

Candlemass: Mit einer Runde klassischen Doom Songs verwöhnt uns heute der Headliner CANDLEMASS. Songs wie „Sollitude“ und „Hammer Of Doom“ sind Klassiker und werden zudem von der Band wunderschön dargeboten. Vor allem Sänger Robert Lowe brilliert heute und hat schon nach kurzer Zeit die Fans auf seiner Seite – das Publikum frisst ihm aus der Hand, applaudiert artig und macht auch seine Mitsingspielchen mit. Wieder einmal wird klar, was für ein Glücksgriff der In Sollitude Sänger für CANDLEMASS ist. Dabei ist die Instrumentalarbeit wuchtig, aber nicht zu schwer, so dass die Songs den Hörer nicht erschlagen, sondern seine Ohren umschmeicheln und in großer Gelassenheit zu seiner Seele wandern. Das ist zwischen den vielen Knüppelbands nicht nur eine schöne Abwechslung, es ist an dieser Stelle auch durchaus passend. Und einfach nur toll umgesetzt.

Ascension: Danach folgt das absolute Kontrastprogramm. Jeder Funken von Gemütlichkeit verfliegt und macht einer unglaublich intensiven Finsternis Platz, die nichts Geringeres als die absolute Vernichtung aussagt. Bereits der Bühnenaufbau und die Lichtshow demonstrieren eindrucksvoll den Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht. Schädel und Kerzen werden auf der Bühne drappiert, in der Mitte steht ein in Knochen eingehüllter Mikrofonständer, die vier Intrumentalisten tragen ein schwarzes Corpsepaint, während das des Sängers durch die beständig grellrote Beleuchtung fast unmöglich zu erkennen ist. ASCENSION spielen heute ihren ersten Auftritt und sind dabei beeindruckend gut aufeinander eingespielt. Dazu hat die Band eine diabolische, kaum in Gedanken erfassbare, aber stark spürbare Aura. Vor allem der Sänger ist in seiner ganzen Gestik und seinem wahnsinnig ausdrucksstarken Gesang der fleischgewordene Ausdruck zerstörerischer Dunkelheit. Er gibt dem Gesamtkunstwerk ein Gesicht – oder eher eine entstellte Maske, die man wie wahnsinnig anstarrt. Die Reaktionen des Publikums halten sich in Grenzen, Klatschen und Gröhlen scheint fehl am Platze zu sein. Der absolute Höhepunkt und würdige Abschluss des Festivals.A

Fazit: Ein schönes, kleines, gemütliches Festival mit niedrigen Preisen und tollem Billing. Vielmehr kann man nicht verlangen.

Alle Bilder vom Festival.

Für euch waren vor Ort: Felix, Diana und Jäcki