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Donnerstag, 13. Oktober 2011

Inquisition - Live Review K17 Berlin


Berlin, K17 Konzertbericht – 30.9.2011
Inquisition, Revenge, Corpus Christi, The Stone

Inquisition gehört nicht gerade zu den Black Metal Bands, die sich live rar machen – eine löbliche Ausnahme zu vielen anderen hochklassigen Acts des Genres. Die Rechnung geht rein vom Publikumsinteresse her auf – das Konzert ist gut besucht und trotz der durchaus bekannten und vom Publikum geschätzten Vorbands ist der Headliner heute der übermächtige Fokus, um den sich alles zu gruppieren hat. Viele Leute laufen in Inquisition Merch rum, und bereits früh ist erkennbar, das die Vorbands kaum mehr als ein netter Zusatz sind. Am Shirtstand ist, wie bei Black Metal Konzerten üblich, alles im grünen Bereich – für den Preis, für den hier Shirts, Cd's und Vinyl über den Tresen gehen, bekommt man von Maiden oder Slayer noch nicht einmal einen Einwegbecher lauwarmes Wasser.

Bei THE STONE läuft es nicht so richtig rund. Der Sound ist verwaschen, das Publikum reserviert. Die üblichen K17 Ausgangsbedingungen, aber THE STONE sind heute auch wirklich nicht mehr als ein mäßig solider Anheizer. Performance und Songmaterial wirken austauschbar, der mitreißende Moment fehlt komplett. Ab und an kommt dann doch noch mal ein kalt klirrendes Riff oder ein gelungener Gesangseinsatz, aber im Großen und Ganzen bleiben THE STONE verzichtbar.

Das ist bei CORPUS CHRISTI nicht anders. Wer mehr als solides Genrefutter sucht, wird hier nicht fündig werden. Das sind, nimmt man die Publikumsreaktionen zum Maßstab, erstaunlich viele Leute, viel mehr jedenfalls, als beim qualitativ eher noch schwächeren Kings Of Black Metal Gig. Immerhin fangen sich CORPUS CHRISTI noch und schaffen in der Performance eine gewisse Klasse zu erreichen, die zumindest zeitweise über das arg durchschnittlich geratene Songmaterial hinweghilft. Ein solider Gig, der sicher seine Freunde gefunden hat, aber heute Abend kaum mehr als ein Nebenschauplatz ist.

REVENGE sind heute die Technikfraktion und nerven damit ganz gewaltig. Mit mehr oder weniger sinnfrei aneinandergereihten Songfragmenten versuchen sie gewaltige Necropolen zu errichten, können aber zu keinem Moment darüber hinwegtäuschen, das ihre finsteren Klangbauwerke nicht von einem meisterhaften Baumeister gut durchdacht zusammengesetzt sondern mit dem Katapult mäßig gezielt und in der Zufallsreihenfolge aufeinander geschossen wurden. Das kann man evil, true oder authentisch nennen – ich nenne es dilletantisch und überambitioniert. Da die Musiker ihre Instrumente durchaus beherrschen, wäre vielleicht ein kleiner Schritt zurück ganz sinnvoll, um sinnvolles Arrangieren zu lernen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht gewünscht – ich wünsche mir diese Band jedenfalls aus meinem Aufmerksamkeitsfeld raus.

Wie bereits erwähnt, sieht man INQUISITION doch recht regelmäßig – umso überraschter bin ich über den tiefschwarzen Sturm, der mir entgegen weht. Ist das wirklich dieselbe Band? Versteh mich keiner falsch, die Amis waren schon immer eine klasse Liveband. Dagon ist so ziemlich der unterbewertestete Klampfer im Black Metal. Seine Riffs schwanken zwischen messerscharfen Thrashattacken und schon regelrecht symphonischen Spiel, das locker zwei bis drei Gitarren anderer Bands ersetzt. Seine Gesangsleistungen sind dabei genauso über jeden Zweifel erhaben wie Incubus Drumming – es fällt dem Duo nicht schwer, ihre Mammutkompositionen auch zu zweit ohne technische Hilfe umzusetzen. Das ist beeindruckend, aber lediglich das Fundament. Das kennt und mag man, genau wie die Songs der beiden. Trotzdem, heute ist irgendetwas anders als bei vielen anderen Auftritten, ein Quäntchen finstere Brillanz, das diesen Auftritt unvergesslich werden lässt. Das ist kaum zu erklären, aber mitreißender waren INQUISITION selten! Und das reicht als Fazit.

Review von Felix Patzig

Samstag, 17. September 2011

Aura Noir - Live Review The Ace Berlin


Berlin, The Ace Konzertbericht – 13.09.2011
Aura Noir, Occulta, Division Speed

Es ist schön, zu sehen, dass die Monopolstellung des K17 für Black Metal Konzerte in Berlin langsam aber sicher verschwindet und auch andere Clubs in den Genuss von namhaften Acts aus diesem Genre kommen. Das ACE ist, was das angeht, definitiv eine Empfehlung wert, denn das Hinterhofschuppenambiente passt perfekt zum rauen, schmutzigen Charakter der Musik, die optische Dekoration lässt aber auch die klassischen Genres nicht vergessen, und im Hintergrund hört man gerne mal Motörhead oder uralte Kreator. Der Sound ist im Durchschnitt kein Glanzsound, aber immerhin ausgewogen und nicht zu basslastig – das hat man in anderen Clubs viel schlimmer.

Guter Sound ist aber gerade beim heutigen Package grob überbewertet. Immerhin reden wir hier über Musik in der Schnittmenge zwischen Black und Thrash Metal in ihrer rauen, ungeschliffenen Urform, weshalb der Holzhammer heute gegenüber dem Skalpell ganz klar überpräsent ist. Spielfreude statt Feinmechanik, Riffgewitter statt Melodien und Blastbeats statt Jazzfills – das ist das, was heute gefordert und geboten wird. Auch außerhalb der Bühne merkt man den Undergroundcharakter der Veranstaltung: CD's und Shirts sind spottbillig und die Musiker mischen sich ganz ungeniert unter das Publikum, teilweise gehen sie bei den gerade spielenden Bands am meisten ab. So soll es sein!

Ein Freund von DIVISION SPEED werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Rumpelthrash schön und gut, aber die Riffs und Strukturen treiben gerne mal in Richtung Einfältigkeit. Es gibt nun mal einen Unterschied zwischen minimalistisch (wertfreie Umschreibung) und dilletantisch (qualitative Einschätzung). Wer allerdings was mit der Keule aufs Maul haben will, das die Zähne nur so splittern, ist bei den heute schon fast Heimvorteil genießenden Sachsen genau richtig. Und, alles was Recht ist, DIVISION SPEED haben im kleinen Club zumindest Ausstrahlung und reißen das Publikum mit. Mit dem Bühnengraben der Festivals verschwindet auch die Distanz zwischen Musikern und Publikum, was der Band spürbar gut tut. Zum letzten Song gibt es noch einen Sänger- und einen Gitarristenwechsel, der vor allem im Gesangsbereich definitiv ein Gewinn ist.

OCCULTA könnten danach sowas wie die Kritikerlieblinge sein, denn obwohl sie tatsächlich aus Berlin kommen, haben sie zwar sehr viel weniger Zuspruch als DIVISION SPEED, sind musikalisch aber die stärkste Band des Abends. Sie bringen einen Schuss Exzentrik in ihre Musik und ihr Auftreten, der immer wieder an Megadeth erinnert. Der Bass brummt mehr als das er donnert und spielt eine dominante Rolle im Sound, Schlagzeug und Gitarre werden interessant gespielt und laden durchaus dazu ein, auch einmal genauer hin zu hören, ohne dabei tatsächlich vertrackt zu werden. Dazu ein Sänger, dessen Ansagen zwar zu vernachlässigen sind, der aber mit sehr viel Energie und Engagement an seine Performance herangeht – musikalisch wie optisch. Und so taut das Publikum auch nach und nach auf und gibt OCCULTA doch noch den Zuspruch, der dieser Band zusteht. Kultig: Sänger und Gitarrist verlassen bereits während des letzten Songs die Bühne und stellen damit die Rhythmusfraktion ins Zentrum der Aufmerksamkeit, was dieser spürbar gut tut.

Der Headliner und unangefochtene Platzhirsch, was die Publikumsreaktionen angeht, ist dann aber doch AURA NOIR. Es ist voll, es ist verschwitzt und das Publikum hat Bewegungsdrang. Und auch AURA NOIR haben richtig Bock und schwanken stimmungsmäßig zwischen den Aggressionen vom Bassist/Sänger Apollyon und der rock'n'rolligen, an Vollbeat erinnernden Coolness von Sänger/Gittarist Aggressor. So wird der garstige Black Metal der Band auch immer wieder mit Rock'n'Roll artigen Einschüben aufgelockert, was das ganze abwechslungsreich und spannend macht. Experimente sind erwünscht und respektiert, die Grundformel wird aber nicht verwässert. Die anderen beiden Bandmitglieder sind zumindest auf der Bühne eher farblos, aber definitiv fähige Musiker, die ihren Teil zum Sound beitragen. Der bringt das Publikum komplett zum Ausrasten, und es verwundert auch niemanden so recht, das alle am Ende der Show tierisch verschwitzt sind und die Shirts von AURA NOIR guten Absatz finden.

Fazit: Ein rundes Package, das viel Spaß gemacht hat.

Review von Felix Patzig

Savatage - Dead Winter Dead - Re-Release (Review)




Artist: Savatage
Album: Dead Winter Dead - Re-Release
Spiellänge: 01:04:38
Release: 22.07.11
Label: earMusic
Link: www.savatage.com

Tracklist:
01. Overture
02. Sarajevo
03. This Is The Time [1990]
04. I Am
05. Starlight
06. Doesn't Matter Anyway
07. This Isn't What We Meant
08. Mozart And Madness
09. Memory [Dead Winter Dead Intro]
10. Dead Winter Dead
11. One Child
12. Christmas Eve [Sarajevo 12/24]
13. Not What You See
14. Miles Away/Follow Me [Acoustic Version]
15. When The Crowds Are Gone [Acoustic Version]

„Dead Winter Dead“ gilt, wie vermutlich alle SAVATAGE Werke seit „Streets“ nicht mehr als der ganz große Überklassiker – naheliegend, denn mit „Hall Of The Mountain King“, „Gutter Ballet“ und „Streets“ hatten die Amerikaner ihre Überalben aufgenommen. Und damit reiht sich „Dead Winter Dead“ in die Reihe der Alben ein, denen aufgrund kultiger Vorgänger nie so recht die Aufmerksamkeit zu kam, die ihnen sicherlich zugestanden hätte. Ja, das Album ist bombastisch und von mir aus auch kitschig, aber auch ein wunderschöner Seelenstreichler und rein musikalisch gesehen absolut einwandfrei. Betrachtet man die Geschichte, die hinter diesem Konzeptalbum steckt, zeigen sich SAVATAGE einmal mehr als Meister der Inszenierung – die rührende Story, die im Jugoslawienkrieg angesiedelt ist, ist textlich wie musikalisch brillant umgesetzt.

Der vorliegende Re-Release von EarMusic ist eine gute Gelegenheit, sich mal wieder mit diesem Album zu beschäftigen. Dabei ist es hilfreich, dass das Booklet zwar wieder optisch unauffällig daherkommt, aber den bisher höchsten Schmöckerfaktor der EarMusic Re-Releases hat. Neben den Texten und kurzen Linernotes, die die Geschichte erklären gibt es zwei abgedruckte Original Zeitungsartikel, die zusammen mit umfangreichen Linernotes die Inspiration für das Album zeigen. Zudem gibt es eine kurze Zusammenfassung der Handlung. Das Booklet hilft, in die Geschichte eintauchen zu können und unterstützt bei parallelem Schmöckern die Atmosphäre der Musik.

Leider nicht so recht passen wollen die Boni. Zwei Akustikversionen, diesmal von „When The Crowds Are Gone“ von „Gutter Ballet“ sowie einem Medley aus „Miles Away“ und „Follow Me“ von „Edge Of Thorns“. Die Versionen sind wie immer ganz hübsch gelungen, ohne wirklich zwingend zu sein, beim Hören des Albums sollte man aber lieber vorher ausmachen, da sie die aufgebaute Gesamtstimmung doch hörbar durchbrechen. Ich empfehle, sich die Songs im Zweifelsfall auf den Computer zu packen und sich, wenn man genug Akustikversionen zusammen hat, eine Akustik CD zu brennen.

Fazit: Die Boni sind exklusiv, aber nicht richtig spannend, das Booklet ist dagegen recht gelungen. Wer als Melodic/Bombast Metal Fan dieses Album noch nicht im Schrank stehen hat, könnte/sollte das an dieser Stelle nachholen. SAVATAGE Fans werden das Ding schon haben und müssen sich nun überlegen, wie sehr sie die Boni reizen – tendenziell ist der Re-Release aber eher was für Einsteiger.

Review von Felix Patzig

Montag, 5. September 2011

Savatage – Gutter Ballet - Re-Release (Review)




Artist: Savatage
Album: Gutter Ballet - Re-Release
Spiellänge: 01:02:37
Release: 25.03.11
Label: earMusic
Link: www.savatage.com

Tracklist:
01. Of Rage And War
02. Gutter Ballet
03. Temptation Revelation
04. When The Crowds Are Gone
05. Silk And Steel
06. She's In Love
07. Hounds
08. The Unholy
09. Mentally Yours
10. Summer's Rain
11. Thorazine Shuffle
12. Alone You Breathe [Acoustic Version]
13. Handful Of Rain [Acoustic Version]

Zu „Gutter Ballet“ muss man nicht besonders viel sagen: Nach dem Überflieger „Hall Of The Mountain King“ schaffen es SAVATAGE 1989, einen mindestens gleichwertigen Nachfolger abzuliefern, der in seinem Bombast und seiner Detailverliebtheit bereits seine Fühler in Richtung der kommenden Konzeptalbum ausstreckt. Dabei gibt es mindestens genauso viel verträumt-balladesken Midtempostoff wie Power Metal Brecher. Tolle Riffs treffen auf gefühlvollen Gesang, beides wird durch ein toll gespieltes Klavier ergänzt. Dazu kommt eine Produktion, die trotz erkennbarer Achtziger-lastigkeit auch heute noch State Of The Art ist – quicklebendig, wie sich das gehört.

Vielleicht ist es der größte Bonus dieses Re-Releases, das er kein Remaster ist, denn die Songs strahlen so unbelastet von der Digitalisierungskrankheit aus den Boxen. Das Booklet fällt leider gerade bei diesem Album unter die Kategorie lieblos. Optisch unspannend werden ein paar Linernotes aneinandergereiht, die aber längst nicht den Informationswert von „Fight For The Rock“ besitzen – Schade. Als Bonusmaterial haben es 2010 eingespielte Akustikversionen von „Alone You Breathe“ und „Handful Of Rain, beide im Original von „Handful Of Rain“, auf das Album geschafft. Beide Versionen sind schön anzuhören und für Fans der Band dementsprechend empfehlenswert – wenn auch nicht wirklich essentiell.

Fazit: Fans von SAVATAGE werden das Album bereits im heimischen Plattenschrank stehen haben und müssen nun überlegen, ob die beiden Bonustracks den Kauf rechtfertigen. Neueinsteigern sei dieses Album dagegen ans Herz gelegt, denn man bekommt eines der relevantesten Alben der Amerikaner im Originalklanggewand. Und für Power Metalfans, die dieses Album noch nicht haben, ist dies eine gute Gelegenheit, das nachzuholen.

Review von Felix Patzig

Mittwoch, 24. August 2011

Savatage - Fight For The Rock - Re-Release (Review)




Artist: Savatage
Album: Fight For The Rock - Re-Release
Spiellänge: 51:24
Release: 22.07.2011
Label: earMusic
Link: www.savatage.com

Tracklist:
01. Fight For The Rock
02. Out On The Streets
03. Crying For Love
04. Day After Day
05. The Edge Of Midnight
06. Hyde
07. Lady In Disguise
08. She's Only Rock'n'Roll
09. Wishing Well
10. Red Light Paradise
11. This Is The Time [Acoustic Version]
12. This Is Where You Should Be

„Fight Fot The Rock“ aus dem Jahr 1986 nimmt in der Geschichte von SAVATAGE eine recht spezielle Rolle ein: Die Band hat bei dem Major Label Atlantic Records unterschrieben und mit diesem bereits ein erfolgreiches Album, „Power Of The Night“, produziert, das jedoch keinen Single Hit abwarf. Die Plattenfirma übte daraufhin Druck auf die Band aus, ein kommerzielleres Album zu schreiben. Dieses Album kam dann mit „Fight For The Rock“, der große Knall blieb jedoch aus. Er kam erst mit dem folgenden, wieder metallischeren Album „Hall Of The Mountain King“.

Nach dieser Einleitung können sich auch Leute, die von diesem Album bisher nichts gehört haben, vermutlich ungefähr vorstellen, was sie erwarten können: Gut gespielter, glatter Hardrock mit Hang zum AOR und gelegentlichen metallischen Ausflügen. Und so ist dieser Re-Release von Ear Music auch der musikhistorisch am wenigsten relevante aus der Serie. Das bedeutet nicht, dass das Album etwa schlecht gemacht wäre – Freunde von melodischem Hardrock im Stile von beispielsweise Journey (die in den Linernotes auch als Referenz genannt werden), werden sicherlich ihre Freude daran haben, denn SAVATAGE haben nie wirklich schlechte Musik gemacht. Die Höhepunkte ihrer Karriere liegen aber definitiv woanders.

Der Re-Release wartet nochmal mit einigen schönen Boni auf. Einerseits ist da „This Is Where You Should Be“, das aus der „Hall Of The Mountain King“ Session stammt. Kennt der geneigte SAVATAGE Fan sicherlich von der Compilation „From The Gutter To The Stage“, aber wer diese nicht sein eigen nennt, für den ist der qualitativ hochwertige Song, der jede Menge Savatage-Magie transportiert, kaum zu verzichten – wenn er „Fight For The Rock“ sowieso noch nicht im Schrank stehen hat, kann er an dieser Stelle zuschlagen. Der zweite Bonussong ist eine Akustikversion von „This Is the Time“ von „Dead Winter Dead“, die von Jon Oliva 2010 aufgenommen wurde und bisher nicht auf CD aufzutreiben ist. Ergänzt werden diese Boni durch umfangreiche Linernotes von Jon Oliva zur Entstehung von „Fight For The Rock“, einem lang ausgefallenen Track-by-Track und den Lyrics. Das ist einmal mehr optisch nur mäßig interessant aufgemacht, aber inhaltlich ziemlich ergiebig.

Fazit: Von den vier neu herausgebrachten Alben ist dieses hier sicherlich das uninteressanteste. Wer es aber, egal ob aus musikalischen Gründen oder einfach der Vollständigkeit halber, haben möchte und nicht auf das Original besteht, wird an dieser Stelle vorbildlich bedient, denn im Kontrast zum Album sind die beiden Bonussongs hochwertig. Und AOR/Hardrock Fans, die dieses Album bisher nicht so recht auf dem Schirm hatten, sollten mal ein Ohr riskieren.

Review von Felix Patzig

Montag, 22. August 2011

Savatage - Power Of The Night - Re-Release (Review)




Artist: Savatage
Album: Power Of The Night - Re-Release
Spiellänge: 51:24
Release: 25.03.2011
Label: earMusic
Link: www.savatage.com

Tracklist:
01. Power Of The Night
02. Unusual
03. Warriors
04. Necrophilia
05. Washed Out
06. Hard For Love
07. Fountain Of Youth
08. Skull Session
09. Stuck On You
10. In The Dream
11. City Beneath The Surface [Live]
12. Hounds [Live]

Ear Music beglücken uns mit ein paar ReReleases von SAVATAGE. Das erste im Reigen ist dabei das Zweitwerk „Power Of The Night“ aus dem Jahre 1985. Das Album ist für SAVATAGE Verhältnisse noch sehr bodenständig, verzichtet fast komplett auf symphonische Elemente und besteht stattdessen aus einer Mischung aus Hardrock mit starken Keyboardelementen und dem, was man später als Power Metal bezeichnen wird. Die Genialität späterer Alben wird dabei nur selten erreicht, es regiert stattdessen am Boden gebliebene Hochklassigkeit, die das Potenzial der Band bereits zeigt, ohne es komplett entfalten zu können.

Die vorliegende Version verschont das Album dankenswerterweise vom Remasteringwahn und lässt den Sound so, wie er ist und wie er sich auch gehört – 80er Metal darf nun mal nicht zu modern klingen, sonst verliert er seine Einzigartigkeit. Als Bonus sind Liveversionen von der alten Avatar Nummer „City Beneath the Surface“ und dem „Gutter Ballet“ Klassiker „Hounds“ am Ende der CD. Sehr gute Songs in schönen Versionen, die der geneigte Fan aber bereits von der Livescheibe „Ghost In The Ruins“ kennt.

Das Booklet besteht aus Linernotes von Jon Olivia, in denen er die Aufnahmen des Albums Revue passieren lässt und auch ein Track-by-Track anfügt, in denen er jeweils etwas zu den Songs, deren Entstehungsprozess oder deren Bedeutung sagt. Dabei betont er vor allem die Wichtigkeit von „Power Of The Night“ als Durchbruchalbum von SAVATAGE. Es ist sicherlich eine Frage der Einstellung, ob man das lieber sehen möchte als ein eventuelles Originalbooklet, vor allem, da die Neugestaltung in diesem Fall optisch extrem unauffällig ist.

Fazit: Besitzer des Originals können sich diese Neuauflage klemmen, wenn sie nicht gerade Allessammler von SAVATAGE sind, denn die vorliegende CD bietet ihnen sicherlich nichts Neues. Für Neueinsteiger ist das Album auch nur mäßig interessant, an dieser Stelle würde ich eher den Re-Release vom sehr viel stärkeren „Gutter Ballet“ oder dem Konzeptalbums „Dead Winter Dead“ nahelegen wollen. Interessant ist diese Version vor allem für Fans von SAVATAGE oder allgemein dem klassischen 80-Jahre US Metal, die das Album noch nicht im Regal zu stehen haben. Die können hier definitiv zuschlagen.

Review von Felix Patzig

Dienstag, 2. August 2011

Hell's Pleasure 2011 - Festivalbericht


Hell's Pleasure Festivalbericht
Pößneck, 22.-23.7.2011

Das „Hells Pleasure“ Festival ist ein kleines Underground Metal Festival im südlichen Osten Deutschlands, das in mehr als einer Hinsicht an das Party.San vor den jährlichen Preiserhöhung erinnert. Mit ein paar hundert Leuten ist das Festival fein und übersichtlich, der Eintritt beträgt 35 Euro, Festivalshirts bekommt man für zehn Euro und das Bier für zwei Euro. Der Campingplatz liegt auf einer Motorcrossstrecke, was aufgrund des steinigen Bodens locker mal zwei, drei Heringe kosten kann. Zwischen Campingplatz und Festivalgelände liegt eine Marktmeile, deren Angebot das Publikum des Festivals ganz gut wiederspiegelt: Underground aller metallischen Stillistiken ist vertreten, eine Betonung liegt auf dem Black Metal, gelegentlich findet man ein paar ekelige braune Einsprengsel (Artikelweise, NSBM Stände gab es nicht), hingegen bleibt Mainstream Metal Merch weitgehend außen vor. Zum Thema braun: Die vorhandenen Nazis sind in der starken Minderzahl und benehmen sich dementsprechend weitgehend unauffällig. Das über der Biertheke aufgehängte Poster „No Politics! No Weapons! No Priests!“ fasst den Zustand ganz gut zusammen, womit jeder leben können sollte.
Kommen wir also zu den erfreulichen Dingen! Die kleine Bühne wird von mittags bis nachts bespielt, wobei man sich Mühe gegeben hat, Bands, die für ihre Stimmung die Dunkelheit brauchen, auch erst nachts auftreten zu lassen. Meinen Dank dafür, bei vielen Festivals bleibt dieses Detail häufig vernachlässigt. Der Sound ist recht durchwachsen, festivaltypisch ist gerade der Gesang häufig zu leise, während die Gitarren fast grundsätzlich im Vordergrund stehen, dabei aber gelegentlich etwas verwaschen aus den Boxen kommen. Bei einem Open Air mit 20 Minuten Umbau und Line Check darf man halt keinen Traumklang erwarten. Dafür ist der Sound verdammt laut. Für Festivals dieser Größe typisch ist die Security eher klein und der Umgang mit den Besuchern locker. Dass das ganz offensichtlich gut funktioniert, spricht für das Publikum. Lediglich wenn unerwarteterweise mal ein Crowdsurfer in Richtung Bühne gejagt wird, kommen die Securities ins Schwitzen – das passiert einfach so selten, das es jedes Mal eine Überraschung ist.

Freitag:

Division Speed: Mit DIVISION SPEED eröffnet eine Thrash Band das Festival. Der Vierer beginnt die Show auf ein paar Stratos, bevor der Sänger mit Panzerfaust, die er aber quasi sofort weglegt, auf die Bühne kommt. Der Sound ist bewusst beschissen, unverzerrt und kraftlos. Nach zwei Songs werden die Stratos dann zerschlagen und die Saitenfraktion hängt sich ihre regulären Instrumente um den Hals. Der Sound wird sofort saftiger. Das schafft Stimmung, die die Sachsen auch bitter nötig haben, denn ihr Songmaterial setzt ausschließlich auf die Stumpf-ist-Trumpf-Karte und verfügt über keine nennenswerten musikalischen Qualitäten. Dazu wird es erschreckend rumpelig gespielt, so das von einem „Zusammenspiel“ nur im allerweitesten Sinne die Rede sein kann. Bei allem Respekt vor primitiver Musik, aber man kann es auch übertreiben. Endgültig vorbei ist es dann, als die P.A. Kurzzeitig ausfällt. Als Festivalstart mögen DIVISION SPEED funktionieren, aber wenn sie sich weiterentwickeln wollen, müssen Songmaterial wie auch Liveperformance noch besser werden.

Black Oath: Weiter geht es mit todtraurigem Doom Metal. BLACK OATH riffen sich langsam und ultraschwer durch ihre 40 Minuten und verbreiten dabei schwermütige Stimmung. Einziges Manko der Italiener ist ihr Sänger A.Th., der gefühlvoll und charismatisch, dabei aber gerne unsauber singt. Das stört nur mäßig, da der Gesang eh wenig zu hören ist, und so erlebt die Doomgemeinde ihren ersten Höhepunkt. Unterm Strich bekommen BLACK OATH den Jubel, den sie verdienen.

Maim: Mit MAIM wird das Tempo dann wieder angezogen. Brutaler, technischer Death Metal mit weitgehender Abwesenheit von Melodien. Die Schweden walzen sich durch einen brutalen Set und erhalten dafür zu recht positive Reaktionen. Die Musik hat zwar keinen echten Innovationswert, hält live aber die klassischen Death Metal Helden am Leben. Leider wird der Set auf Dauer etwas eintönig, womit er auch die größte Schwäche der aktuellen Strömung beinhaltet. Das Potential ist definitiv da, aber ein bisschen mehr Variabilität darf es gerne sein.

Saturnalia Temple: Waren Black Oath schon langsam, bleiben SATURNALIA TEMPLE fast stehen. Die Zutaten des Duos plus Liveschlagzeug sind dabei einfache, ständig wiederholte Riffs, die das Publikum hypnotisieren und verzaubern sollen. Dumm nur, dass das nicht so recht klappen will, denn die Riffs sind längst nicht stark genug. Und so erweist sich der, als besonders wirkungsvoll gedachte, einfache und gleichförmige Aufbau der Songs als Killer, denn die Riffs zünden nicht, sondern fliegen nur ziellos in der Gegend rum. Einige Die-Hard Fans würden sicherlich widersprechen, denn zumindest ein paar Leute nicken inbrünstig mit, aber prinzipiell sind SATURNIA TEMPLE in ihrer Langsamkeit einschläfernd und in ihrer Gleichförmigkeit nervend.

Obliteration: OBLITERATION reißen das Publikum mit ihrem klassischen, schwedisch angehauchten Death Metal sofort mit und sorgen für viele Headbanger und lautes Gebrüll. Ihr Spiel ist variantenreich, immer melodisch genug, um abwechslungsreich zu sein, aber nie so melodisch, als das es auch nur einen Hauch an Brutalität einbüßt. Dazu wissen die Norweger in allen Tempovarianten zu überzeugen und glänzen auf der Bühne mit viel Aktivität. Ein Fest für Death Metal Fans und eine eindrucksvolle Demonstration von musikalischer Klasse. Gegen Ende des Auftritts erfahren die Musiker dann von den Anschlägen in Norwegen und zeigen sich betroffen, was in einer kurzen Ansage zum Ausdruck kommt. Dass sie ihren Set danach so schnell wie möglich beenden wollen, um danach mehr zu erfahren, kann ihnen wohl kaum jemand verübeln.

Root: Die Tschechen ROOT bezeichnen ihren Stil als Epic Black Metal. Diesen spielen sie schon eine ganze Weile, nämlich über 20 Jahre. Leider hat das der Qualität nicht besonders gut getan. Die Strukturen sind abgestanden, die Tempowechsel vorhersehbar und die Riffs nur selten wirklich aggressiv. Damit sind ROOT in der Generation In Flames eigentlich recht passend, für das Hells Pleasure aber nicht wirklich geeignet. Zudem legt man gerade zu Anfang des Sets ein wenig zu sehr Gewicht auf Downtemposongs, so dass die Stimmung von Obliteration nicht übernommen werden kann.

Enforcer: Die Schweden sind mit ihrem klassischen Heavy Metal heute der Ausreißer des Festivals. Das macht aber gar nix, den ENFORCER sind bereit, um die Fans zu kämpfen und sprinten von Anfang an los, als hätten sie Chillisoße an den Beinen. Für große Diskussionen sorgt die Übernahme der zweiten Klampfe durch Sänger Olof Wikstrand. Der kann sich natürlich weniger bewegen und man merkt ihm auch noch an, wie anstrengend die neue Doppelbelastung für ihn ist. Das ändert aber nichts daran, dass die neue Besetzung funktioniert und das Songmaterial für sich ausgezeichnet zündet. ENFORCER müssen weiterhin hart arbeiten, doch es ist kein Grund zu erkennen, warum diese Band nicht noch größer werden sollte. Lediglich das Zugabespielchen sollte man sich bei einem so kurzen Set doch lieber sparen.

Ghost: GHOST haben viele Fans unter den Besuchern des Hells Pleasure, jedenfalls steigt der Druck auf die ersten Reihen mit Beginn des Auftritts beträchtlich, denn jeder will einen Blick auf die fünf Kuttenträger und den Papst bekommen. Vor allem letzterer ist es, der den Auftritt der Schweden mit seiner Gestik und seinem Gesang maßgeblich bestimmt. Seine Segensgesten und seine Bewegungen vermitteln eine Würde, die durch die Texte und die schwarzen Männer im Hintergrund effektiv karikiert wird, so das eine vollendete Blasphemie daraus erwächst. Das einzige Problem dabei: GHOST brauchen unbedingt mehr Songmaterial, um die Setlist stärker variieren zu können. Durch ihre einstudierte Performance gleicht die Show der in Berlin beinahe bis aufs Haar. Wenn GHOST auf Dauer relevant bleiben wollen, brauchen sie mehr Abwechslung.

Nifelheim: Iron Maiden haben heute einen Day Off, deshalb können sich die Toxic Twins mal wieder um ihre eigene Band kümmern und als Stachelschweine of Darkness and Evil einen schweinegeilen Auftritt hinlegen. Unterstützt werden sie dabei von den beiden Necrophobic Gitarristen, die nach wie vor das wohl beste schwedische Black Metal Gitarrenduo sind. Ihr brillantes, in jedem Moment tightes Gitarrenspiel fügt der punkigen Note der Chefdenker Hellbutcher und Tyrant eine edle Nuance hinzu, die den starken, trotz beständig hohen Tempos variablen Songs die Klarheit gibt, die sie brauchen, um sich in ihrer gesamten, finsteren Pracht entfalten zu können. Zudem haben die Schweden (im Gegensatz zu den meisten Norwegern) auf der Bühne einen schier unersättlichen Bewegungsdrang, so das man alle Mitglieder (mit Ausnahme des Drummers natürlich) beständig am Bühnenrand sehen kann. Das treibt die Stimmung an sämtliche Siedepunkte, und wohl kaum eine andere Band wird an diesem Wochenende so abgefeiert wie NIFELHEIM.

Year Of No Light: YEAR OF NO LIGHT haben sich für den Abschluss des Tages noch etwas Besonderes einfallen lassen. Die Ambienttruppe vertont live den Stummfilm „Vampyr“ aus dem Jahre 1932 neu. Dieser uralte Horrorfilm, der sich vor allem durch eine gewisse Surealität auszeichnet, eignet sich für ein solches Vorhaben perfekt. Leider verschenken YEAR OF NO LIGHT mit einer Verspätung im Guns'n'roses Maßstab (etwas mehr als eine Stunde später als angekündigt geht es los) einen Gutteil der Spannung. Zudem ist die musikalische Umsetzung zwar definitiv geglückt und jagt einem die Gänsehaut über den Rücken, aber nur wenige Fans halten die 80 Minuten in ihrer Gesamtheit durch. Sehr schade, denn das war definitiv sehenswert und sollte unbedingt wiederholt werden.

Samstag:

Reveal: Es gibt Stile in unserer lustigen, bunten Musikwelt, die sind absolut unvereinbar, und dazu gehören definitiv Indie Rock und Black Metal. Genau das versuchen REVEAL, was dann wie kraftloses Geschrammel mit furchtbar unpassendem Gekrächze klingt. Instrumentalbesetzung und Sänger sind für sich genommen definitiv fähig, passen jedoch auf Teufel komm raus nicht zusammen. Das Gebräu wirkt zwar im ersten Moment innovativ und interessant, läuft sich aber bereits nach kurzer Zeit tot, was sich dann auch in den Publikumsreaktionen niederschlägt.

Invidious: Man könnte lästern, das die Stimmung zunimmt, sobald die Innovation abnimmt. Damit tut man den Death Metallern von INVIDIOUS aber Unrecht, denn auch wenn ihre Musik nicht wirklich die genialste Erfindung seit dem ABS ist, macht sie zu dieser Tageszeit definitiv Spaß. Das sehen auch die Fans so, die die Schädel kreisen lassen und den Schweden reichlich Applaus spenden. Schön, das so viele Bands dem klassischen Death Metal huldigen und nicht einfach nur auf dem „Immer schneller, immer brutaler“-Trip sind, der auf Dauer einfach nur nervt.

Jex Thoth: Obwohl JEX THOTH vor nicht einmal einem Jahr in Deutschland unterwegs waren, hat sich in der Zwischenzeit viel getan. Der Keyboarder, bisherige Spaßbremse der Band, ist ersatzlos gestrichen worden, der Bassist wurde ausgewechselt und ein neuer Gitarrist ist dabei, der den Sound der Band andicken soll. Die Folge ist ein zuerst recht gewöhnungsbedürftiges neues Klangbild, das zwar rockiger und dementsprechend festivaltauglicher, häufig aber auch weniger atmosphärisch rüberkommt. Daran muss sich der geneigte Zuschauer erst gewöhnen, allerdings herrscht zumindest etwas mehr Bewegung auf der Bühne. Blickfang ist dabei natürlich Sängerin Jex Thoth, deren Charisma aber durch den Bühnengraben nicht ganz so stark zum Tragen kommt, da es zu weiten Teilen auf der Nähe zum Publikum aufbaut. Dennoch ist sie mit ihrer Ausstrahlung allen Kolleginnen voraus und hat das Publikum vom ersten bis zum letzten Moment in der Hand.

Venenum: VENENUM treiben mit ihrem Bühnenaufbau viel Aufwand und schleifen sogar einen Grabstein auf die Bühne. Dazu wird ein totes Frettchen ins Publikum geworfen, das aber postwendend wieder zurückkommt. Dieser etwas lächerliche Vorgeschmack zeigt, das sich VENENUM vielleicht doch lieber auf ihre Musik konzentrieren sollten, denn die ist zwar gutes Headbangfutter, lässt aber noch den großen Aha-Moment vermissen. Klassischer, leicht komplex angehauchter Death Metal mit ein paar wenigen Black Metal Anleihen steht auf dem Programm und treibt durch vergnügliche 40 Minuten. In diesem Sinne: Weniger „Trara“, mehr „Dröhn“!

Nekromantheon: Das Trio NERKROMANTHEON besteht zu zwei Dritteln aus Obliteration Leuten, aber qualitativ hat das dummerweise überhaupt nicht abgefärbt. Der Thrash Metal der Truppe hat keine Ausstrahlung, sondern nur eine kindische Punkbetonung, die die Qualitäten des Genres auf einfaches Zwei-Akkord Geriffe reduziert. Niemand verlangt, das jede Thrash Band progressive Gewitter im Stile von Megadeth entfesselt oder das melodische Element von Slayers „South Of Heaven“ in vergleichbarer Brillanz übernimmt, aber wenn man beim Zuhören beginnt, auf Kreators „Endless Pain“ technische Anleihen und abwechslungsreiche Arrangements zu finden, dann ist die spielende Band definitiv über das Ziel hinausgeschossen. Auch wenn das diverse Fans vor der Bühne anders sehen: So macht Thrash zumindest mir keinen Spaß – und so sollte man auch ernsthaft überlegen, ihn lieber Trash zu schreiben.

Tribulation: Da kommen die Schweden von TRIBULATION gleich doppelt gut. Die Death Metaller sind nur einen Ticken melodischer als das Gros ihrer Kollegen aus dem Schwedentodmetier, sie sind aber auch einfach gute Songwriter und halt auch schon ein paar Tage am Start, so dass das Songmaterial reifen konnte. Dazu kommt noch die zusammen mit Nifelheim energetischste Perfornmance des Wochenendes. Bei so viel Spielfreude, hochklassigen und eingängigen Songs und noch recht gutem Sound ist das Publikum natürlich von Anfang an dabei und feiert TRIBULATION von vorne bis hinten ab. Die Death Metaller machen alles richtig und gehen damit als einer der Festivalsieger vom Platz.

Gospel Of The Horns: Gegen die geballte Ladung Power von Tribulation können GOSPEL OF HORNS nicht so recht anstinken, dennoch ziehen sie routiniert und spielfreudig ihr Ding durch, womit sie die Fans schnell auf ihrer Seite haben. Ihr angeschwärzter Thrash Metal ist für die feierwütige Masse noch einmal Gelegenheit, die Becher zu erheben und den Hals ordentlich zu belasten. So gewinnen auch GOSPEL OF HORNS sicherlich keinen Innovationspreis, haben und machen aber Spaß – viel mehr kann und will man ja gar nicht verlangen.

Negative Plane: NEGATIVE PLANE sind der progressive Teil des Tagesprogramms und kontrastieren damit effektiv weite Teile des Billings. Das gefällt nicht jedem, dennoch ist es vor der Bühne gut voll. Und was diese drei Musikmagier von der Leine lassen, hat nicht nur Klasse, es hat einfach alles: Sinn und Verstand, brillante Technik, unglaublich viel Gefühl, Abwechslung und ganz viel Tiefe. NEGATIVE PLANE brillieren in jedem Moment, sie zelebrieren ihre eigene Musik mit Selbstbewusstsein, ohne ob ihrer zweifellos vorhandenen Fähigkeiten arrogant zu wirken. Sie überzeugen in jedem Tempo, in jeder Lautstärke und unabhängig von technischer Schwierigkeit. Wenn Gitarrist/Sänger Nameless Void unter seine Schreie ein Tappingsolo packt, klappt einem der Unterkiefer gen Boden, und man wähnt sich bei einem Frickelact im Sinne von Dream Theater oder Symphony X. Damit tut man dieser großartigen Band aber Unrecht, denn emotional ist dieser Auftritt ganz große und finstere Klasse und hat mit den friedlichen Proggies absolut nichts zu tun. Einfach nur großartig!

Rotting Christ: Die Griechen versuchen heute noch ein Mal in ihrem Leben eine Black Metal Band zu sein und setzen heute dementsprechend auf ein Old School Set. Über den Erfolg lässt sich streiten, denn auch wenn die Songauswahl vor allem den frühen Fans zweifellos Spaß macht und die Band über viel Ausstrahlung verfügt, wirken die Songs schaumgebremst. Der Gastauftritt von Primordial Fronter A. Nemtheanga ist dann auch nur ein nettes Gimmick, vor allem, da der Ire naturgemäß bei seiner Hauptband sehr viel mehr Charisma entwickelt. Die Publikumsreaktionen sind dennoch sehr positiv, was vor allem der Ausstrahlung der Musiker zu verdanken ist. So hört man nach dem Auftritt zwar auch negative Stimmen – die positiven überwiegen allerdings.

Candlemass: Mit einer Runde klassischen Doom Songs verwöhnt uns heute der Headliner CANDLEMASS. Songs wie „Sollitude“ und „Hammer Of Doom“ sind Klassiker und werden zudem von der Band wunderschön dargeboten. Vor allem Sänger Robert Lowe brilliert heute und hat schon nach kurzer Zeit die Fans auf seiner Seite – das Publikum frisst ihm aus der Hand, applaudiert artig und macht auch seine Mitsingspielchen mit. Wieder einmal wird klar, was für ein Glücksgriff der In Sollitude Sänger für CANDLEMASS ist. Dabei ist die Instrumentalarbeit wuchtig, aber nicht zu schwer, so dass die Songs den Hörer nicht erschlagen, sondern seine Ohren umschmeicheln und in großer Gelassenheit zu seiner Seele wandern. Das ist zwischen den vielen Knüppelbands nicht nur eine schöne Abwechslung, es ist an dieser Stelle auch durchaus passend. Und einfach nur toll umgesetzt.

Ascension: Danach folgt das absolute Kontrastprogramm. Jeder Funken von Gemütlichkeit verfliegt und macht einer unglaublich intensiven Finsternis Platz, die nichts Geringeres als die absolute Vernichtung aussagt. Bereits der Bühnenaufbau und die Lichtshow demonstrieren eindrucksvoll den Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht. Schädel und Kerzen werden auf der Bühne drappiert, in der Mitte steht ein in Knochen eingehüllter Mikrofonständer, die vier Intrumentalisten tragen ein schwarzes Corpsepaint, während das des Sängers durch die beständig grellrote Beleuchtung fast unmöglich zu erkennen ist. ASCENSION spielen heute ihren ersten Auftritt und sind dabei beeindruckend gut aufeinander eingespielt. Dazu hat die Band eine diabolische, kaum in Gedanken erfassbare, aber stark spürbare Aura. Vor allem der Sänger ist in seiner ganzen Gestik und seinem wahnsinnig ausdrucksstarken Gesang der fleischgewordene Ausdruck zerstörerischer Dunkelheit. Er gibt dem Gesamtkunstwerk ein Gesicht – oder eher eine entstellte Maske, die man wie wahnsinnig anstarrt. Die Reaktionen des Publikums halten sich in Grenzen, Klatschen und Gröhlen scheint fehl am Platze zu sein. Der absolute Höhepunkt und würdige Abschluss des Festivals.A

Fazit: Ein schönes, kleines, gemütliches Festival mit niedrigen Preisen und tollem Billing. Vielmehr kann man nicht verlangen.

Alle Bilder vom Festival.

Für euch waren vor Ort: Felix, Diana und Jäcki

Montag, 27. Juni 2011

DIO Disciples - Live Review C-Club Berlin


Berlin, Columbiaclub Konzertbericht – 22.6.2011
The Rods, DIO Disciples

Am 16. Mai 2010, also vor etwas mehr als einem Jahr, verließ Ronnie James Dio diese Welt und lies viele trauernde Fans zurück. Er ging als einer der größten Rocksänger aller Zeiten in die Musikgeschichte ein, und wer noch einmal die Chance hatte, ihn live zu sehen, der kann sich glücklich schätzen. Nach einigen Tributveranstaltungen und unzähligen Coversongs, die einem teilweise die Tränen in die Augen trieben, gibt es nun eine ganze Tour, deren Ziel es ist, Dio Tribut zu zollen. Mit dabei sind die ehemaligen Begleitmusiker Dios Rudy Sarzo (Bass, 2004-2010), Simon Wright (Drums, 1990-1991, 1998-2010), Craig Goldy (Guitar, 1986-1988, 1999-2002, 2003-2010) und Scott Warren (Keyboard, 1993-2010), die Gesangsparts des Meisters übernehmen Tim „Ripper“ Owens (Beyond Fear, Ex-Judas Priest, Ex-Iced Earth) und Toby Jepson (Gun, Toby and the Whole Truth, Ex-Little Angels). Wie zu erwarten, schmeckt nicht jedem Fan diese Veranstaltung, doch zumindest den Segen von Dios Witwe Wendy hat sie.
Die Fans sind dennoch kritisch, und viele bleiben lieber zu Hause. Der Columbiaclub ist nicht mal zur Hälfte voll, was zumindest dafür spricht, das heute nur Leute da sind, die auch tatsächlich Fans sind – diese positive Betrachtungsweise wird der Veranstaltung wohl am ehesten gerecht. Die Shirtpreise sind okay, und die schön aufgemachten Tribute Shirts werden auch gekauft.

Man kann sich darüber streiten, ob eine Vorband bei einer Tribut Veranstaltung sinnvoll ist, aber zumindest sind THE RODS eine gute, passende Wahl. Nicht nur, dass David Feinstein dort spielt, auch musikalisch passen THE RODS gut in einen traditionsbewussten Abend wie den heutigen rein, denn sie sind nicht nur seit ca. 1980 aktiv, sie klingen auch so. Und das gefällt den Leuten, jedenfalls wird das Trio lautstark abgefeiert. Und das durchaus zu recht, denn das Material ist definitiv gutklassig, und auch wenn David Feinstein die Doppelbelastung Gitarre/Gesang teilweise mehr schlecht als recht schultert, gleicht das der stimmlich an Biff Byford in den Achtzigern erinnernde Bassist/Sänger Gary Bordonaro wieder aus. Alles in allem ein solider Gig.

Dann ist es Zeit für die DIO DISCIPLES und dabei speziell für die Frage, ob die beiden Sänger die Herausforderung schultern können. Die Antwort fällt wie zu erwarten aus: Dio kann man halt nicht ersetzen, aber zumindest schaffen es die beiden, seine Werke würdigend zu interpretieren, wobei es interessant ist, den Kontrast zwischen Rippers spitzer, aggressiver Stimme und Jepsons eher unaufdringlichem und warmen Charakter zu beobachten. Beide zusammen geben den Songs zumindest ein Stück von ihrem alten Glanz, und den Rest macht das Publikum. Denn die Leute sind heiß darauf, Dios Meisterwerke noch einmal hören zu können und unterstützen die großartig aufspielende Band und die beiden Sänger von vorne bis hinten. So kommt man gar nicht auf die Idee, das man hier einer Mogelpackung beiwohnen könnte, denn die Emotionen sind von vorne bis hinten echt. So erweisen sich die Sänger als respektvoll gegenüber dem verstorbenen Sänger, stellen aber ihre Freude und ihre Passion am Singen in den Vordergrund und versuchen nicht, zwanghaft Trauer zu verbreiten – man will den Meister und sein Werk feiern, wie es ihm gebührt.
Eine interessante Frage ist die nach der Gestaltung der Setlist – eine Frage, die mit dem „Holy Diver“ Banner im Hintergrund eigentlich schon mehr oder weniger beantwortet wird. Der Fokus liegt auf Dio's Solowerken, und so startet der Set auch konsequenterweise mit „Stand Up And Shout“ und „Holy Diver“ als Doppelopener – vor allem für ersteres ist Rippers Stimme wie gemacht. Ebenso werden „Don't Talk To Strangers“ und „Egypt (The Chains Are On)“ - letzteres von Jepson gänsehautverursachend umgesetzt. Später sind noch „King of Rock'n'Roll“, „Straight Through The Heart“, „Killing the Dragon“, „The Last In Line“ sowie als Zugabe „Rainbow In The Dark“ und „We Rock“ dran. Ergänzt wird das Material die vier Rainbow Songs „Catch The Rainbow“, „ Man On The Silver Mountain“, „Stargazer“ sowie „Long Live Rock'n'Roll“ und die drei Black Sabbath Songs „Children of the Sea“, „Neon Nights“ und „Heaven And Hell“. Mir persönlich fehlen noch eine ganze Reihe von Songs, und ich schätze mal, das wird jedem so gehen. Aber zumindest ist die Setlist recht ausgewogen, denn bei einer Dio Tribute Veranstaltung ist es nur recht und billig, den Fokus auf sein Schaffen als Solokünstler zu legen.

Fazit: Definitiv eine der besseren Tributeveranstaltungen. Ruhe in Frieden, Ronnie James Dio.

Review von Felix Patzig

Montag, 20. Juni 2011

Zita Rock Festival 2011 - Live Review Zitadelle Spandau


Berlin, Zitadelle Spandau Festivalbericht – 18.06.2011 - 19.06.2011
Zita Rock Festival 2011

Es ist eine schöne Tradition, dass im Juni in der Zitadelle Spandau ein Festival für die Gothic Szene sowie Fans von Mittelalter- und Folkklängen abgehalten wird. Während dieses Festival im letzten Jahr noch in “Zita Rock“ und „Zita Folk“ eingeteilt wurde, nennt man es dieses Jahr einfach nur Zita Rock. Das ist griffig und gut zu merken, auch wenn es nur mäßig auf das Programm passt, das der Natur der Sache entsprechend mindestens genauso viel auf elektronische wie auf gitarrenlastige Klänge setzt.
Während es die Sonne im letzten Jahr laut Augenzeugen schon fast etwas zu gut meinte, ist dieses Jahr das Gegenteil der Fall: Sonnenschein ist Mangelware, Wasser bekommt man hingegen in großen Mengen aus den Himmelsschleusen geliefert – allerdings nicht in praktischen Halbliterflaschen, sondern nur tröpfchenweise. Das dürfte Veranstaltern, Bierständen u.ä. recht nachhaltig auf die Bilanz geschlagen haben, zeitweise hat man den Eindruck, dass die Regenponchos sehr viel besser gehen als der Gerstensaft. Das die Preise auf diesem Festival durchgängig recht gesalzen sind, macht es aber auch recht einfach, die Brieftasche an Ort und Stelle zu belassen, zumal auch das Ticket in Relation zu Programm und Billing definitiv eher Obersegment ist. Auch an den Ständen kann man sehr schnell sehr viel Geld lassen. Teilweise werden einfache, nicht aktuelle CD's für 16 € verhökert, für 10 € hingegen eher selten. Die zahlreichen Accessoire Stände dürften hingegen von dem Sauwetter zumindest ein bisschen profitiert haben, denn sie sind überdacht, und der eine oder andere Gelegenheitskauf wird sich sicherlich ergeben haben. Für mich als Metaller etwas gewöhnungsbedürftig: Bandshirts o.ä. sind kaum zu bekommen, wer hingegen Dunkelplunder vom Gehstock bis zum Umhängekreuz (teils auch Kruzifix) sucht, wird sicherlich fündig werden.
Durch das Wetter bedingt, ist die ganze Veranstaltung eher spärlich besucht, und nur sehr wenige Bands schaffen es tatsächlich, den Platz vor der Bühne voll zu bekommen. Auch die Stimmung ist im Durchschnitt recht verhalten. Der Sound ist durchwachsen, bei einigen Bands richtig gut, bei anderen geht Gesang und/oder Gitarre unter den Elektroelementen unter.

Samstag:
Zin: Der Opener des Zita Rock 2011 heißt ZIN und ist für die meisten Besucher ein unbeschriebenes Blatt. Ob das ein ernsthafter Verlust an Erfahrung ist, sei mal dahingestellt, denn das Quintett ist kaum mehr als eine mittelmäßige Placebo Kopie. Der Gesangsstil, die Synthies, die meist schrammelnde Saitenfraktion, das beckenlastige Schlagzeug, alles klingt nach Placebo, bis auf eins: Placebo haben definitiv fähigere Musiker. Vor allem Drummer Mika spielt so unpräzise und fehlerbehaftet, dass zwangsläufig die Frage aufkommt, ob einer der fünf bis sechs Joints von heute Morgen vielleicht schlecht war. Der einsetzende Regen verbessert die Stimmung naturgemäß auch nicht. ZIN gehören eindeutig (noch?) nicht auf die Festivalbühnen, sondern in den Proberaum.

Mono Inc.: Zu MONO INC. füllt sich der Vorplatz vor der Bühne. Die Band steigt, anders als bei ihren Headlinershows, mit „This is the day“ in ihre 50 Minuten ein und konzentriert sich auch sonst auf ihre Essenz, was nichts anderes bedeutet, als das es einen Best-Off Set gibt, der nur wenige neue Songs vom „Viva Hades“-Album umfasst. Das ist löblich und bei einer so kurzen Spielzeit auch unbedingt notwendig, um keine Stimmungslöcher entstehen zu lassen. Und während Kritiker weiterhin über das mäßig innovative Songmaterial die Stirn runzeln, lassen sich Fans, Gelegenheitshörer und Genrefetischisten vom Charisma der Band, die in verschiedenen, teils recht albernen, aber zumindest doch unterhaltsamen parade-militärisch angehauchten Kostümen über die Bühne turnt, fesseln und feiern den Vierer. Das „The Passenger“ Cover ist weiterhin starke Geschmackssache, dafür hat man mit „Voices of Doom“ noch einen Hit in der Hinterhand.

Zeraphine: Mit ZERAPHINE wird es etwas süßlicher. Und weil Zucker höchst wasserlöslich ist, löst sich auch das Publikum im einsetzenden Platzregen teils fluchtartig auf, weshalb ZERAPHINE mit einem nicht unerheblichen Stimmungstief zu kämpfen haben. Obwohl der Regen im Laufe des Sets nachlässt und zum Ende hin komplett aufhört, kommen die Fans nur sehr zögerlich zurück. Dementsprechend gehen ZERAPHINE heute als Verlierer vom Platz. Sie selbst scheint das allerdings kaum zu stören, denn sie ziehen ihre Show trotz allem souverän durch. Was die musikalische Darbietung an sich angeht: Sie ist, wie bereits erwähnt, sehr süßlich und klebrig, und wer sein musikalisches Mahl honiglastig mag, der wird definitiv zufrieden gestellt. Sein Steak sucht man sich aber besser woanders.

Project Pitchfork: Von nun an wird es noch elektrolastiger. PROJECT PITCHFORK machen Industrial mit nur geringem Gitarrenanteil. Musikalisch ist das in erster Linie tanzbar, und rein qualitativ ist auch kaum etwas gegen die musikalische Darbietung zu sagen – nicht umsonst zählen PROJECT PITCHFORK zu den erfolgreichsten Acts des Genres. Was sich hingegen negativ bemerkbar macht, ist die optische und ästhetische Ähnlichkeit zu Rammstein – vor allem Sänger Peter Spilles erinnert in Performance und Gestik krass an Till Lindemann, mit einem Schuss unmelodischerem Krächzen im Gesang. Das kann einen stören – muss es aber nicht, und die Fans feiern die Industrial Helden ab.

Blutengel: Zu BLUTENGEL kommt dann zum ersten Mal die Sonne raus. Das freut die Besucher und die Band, ist für die Wirkung der Show, die viel auf Lichteffekte und Feuer setzt, tendenziell eher kontraproduktiv, denn das natürliche Sonnenlicht nimmt den Showeffekten einen Gutteil ihrer Wirkung. In seiner Gesamtheit erinnert der Gig eher an eine Art Düstervarietee als an ein Konzert. Das ist auch nur logisch, denn die rein elektronische Musik von BLUTENGEL ist nun mal nicht besonders performancetauglich. Dementsprechend müssen neben den SängerInnen einige Tänzerinnen, Feuerspuckerinnen etc. ran, um die Lücke zu füllen. Das reizt das Auge ohne Frage, allerdings fehlt dem geneigten Fan der handgemachten Musik ziemlich schnell der Ansatz – es gibt nun mal einen Unterschied zwischen einem Konzert und einer Tanzaufführung mit Musikuntermalung. Den durchaus zahlreichen BLUTENGEL Fans ist das augenscheinlich egal, sie bejubeln die Songs und die dazugehörigen Einlagen gleichermaßen.

Eisbrecher: EISBRECHER präsentieren sich heute als Meister der Zeremonie, der sämtliche Rivalen des Tages auf die Ränge verweist. Trotz eingespielter Synthies rockt die Band angenehm organisch und präsentiert dem Publikum Songs wie „Eiszeit“, „Heilig“, „Schwarze Witwe“, „This is Deutsch“ oder „Miststück“. Dabei machen auch diese fünf Musiker nichts grundlegend neues, aber sie wissen es wie nur wenige andere Bands zwischen Gothic Rock und NDH, ihre Nische komplett auszunutzen und können dementsprechend stärkeres und vor allem abwechslungsreicheres Songmaterial vorweisen. Dessen sind sie sich durchaus bewusst, und wie jedermann weiß, war falsche Bescheidenheit noch nie ein Fehler von Frontmann Alex. Dementsprechend kann er es sich auch nicht nehmen, gegen einige der anderen Bands etwas zu sticheln, was ihm aber niemand ernsthaft übel nimmt. Überhaupt ist der Frontmann gut drauf, verteilt Whiskey und Handtücher, lobt seinen Roadie tatsächlich mal und gibt sich sehr kommunikativ und humorvoll. Auch gesanglich kann er überzeugen, genau wie seine Bandkollegen an ihren Instrumenten. Vor allem Schlagzeuger Achim Färber glänzt mit hartem Punch, der der Musik noch einmal Extra Drive gibt. Und so sind EISBRECHER definitiv Tagessieger und beweisen einmal mehr, das sie neben der offensichtlichen (und tatsächlich nur mäßig spannenden) Provokation auch eine reale künstlerische Existenz zu bieten haben. Und nebenbei ziehen sie noch das größte Publikum des Festivals vor die Bühne.

Sonntag:
Qntal: Der Bandname liest sich erst einmal unartikulierbar, wird aber „Quantall“ ausgesprochen. Und QNTAL erwischen mit Geige, zwei Sopranstimmen, Gitarre, Synthie und Schlagzeug einen ziemlich guten, weil treibenden Start. Sie interpretieren diverse Mittelaltertexte auf leicht rockende, teils psychedelisch angehauchte Weise. Leider geht den Musikern ziemlich schnell die Luft aus, so dass sie das Publikum zu langweilen beginnen. Die gesichtslosen Ansagen machen die ganze Chose auch nicht besser. Schmerzhaft wird es, als sie „Tempus Est Iocunbum“ aus der Carmina Burana interpretieren. Trotz der teilweise schönen Ansätze muss noch viel geübt werden.

Teufel: Das der TEUFEL im Mittelalter als eher unangenehmer Zeitgenosse wahrgenommen wurde, liegt vermutlich daran, dass er damals noch nicht live auftreten konnte. Denn trotz pathetisch gesprochenem Intro und Texten wie „Todesengel“, „Der dürre König“, „Das Moritat von Mackie Messer“ oder „Kalt ist mein Herz“ kommt der niedlich gehörnte Kerl eher knuffig und sympathisch als wirklich schrecklich und böse rüber. Heute präsentiert er sich zum ersten Mal unter seinem Namen vor Publikum, und mit einer tollen Begleitband demonstriert er die Livetauglichkeit seines Albums „Absinth“. In grauen Uniformen und bis auf den Schlagzeuger maskiert helfen die Proberaumgenossen TEUFEL, seine Songs umzusetzen. Interessant dabei vor allem der Gitarrist – sein Stil ist definitiv Industrial Rock/Metal lastig, dabei aber sehr variabel und häufig melodisch. Ähnliches gilt für das Drumming, das einerseits maschinell und gradlinig die Musik vorantreibt, dabei aber auch gerne und effektiv variiert, ohne dabei den Faden zu verlieren. Ein starker Liveauftakt, der definitiv Lust auf mehr macht.

End of Green: END OD GREEN ist sicherlich die bodenständigste Band des Festivals. Es gibt keine Show, keine Effekte, einfach nur unaufgesetzte Spielfreude und Begeisterung für die eigene Musik. Das beeindruckt und ist auch eine angenehme Abwechslung in einem Billing von spezialgefertigten Bühneklamotten und häufig übertrieben posigem Gehabe. END OF GREEN haben das nicht nötig, sie reißen einfach mit – selbst dann, wenn man, wie ich, mit dem Songmaterial an sich nicht so tierisch viel anfangen kann. Wenn man so viel Spielfreude und gute Laune sieht, fragt man sich, wieso der Fünfer als Depri-Band vermarktet wird. Rein musikalisch ist das ganze härterer, melancholischer Alternativ Rock, der sicherlich mehr Freude macht als zum Ritzen anregt. Eine Randbemerkung: Am Bühnenrand steht der Nachwuchs und spielt Gitarre und filmt. Vielleicht sollte einer der kleinen Fratz Frontmann Michelle die dritte Gitarre abnehmen, damit der Kerl sich auf seinen Gesang konzentrieren kann. Seiner Ausstrahlung würde das sicherlich gut tun.

Samsas Traum: Diese Band um Alexander Kaschte scheint zu polarisieren. Es gibt eine eingeschworene, fanatische Fanbase (von der ein großer Teil heute anwesend ist), aber auch diverse Hasser. Die Aufregung erschließt sich mir beim Livegenuss nicht so recht: Das Songmaterial tut nicht weh, läuft größtenteils gut ins Ohr, bleibt aber nur selten lange im Kopf kleben. Immerhin gibt es die ersten Double Bass Attacken des Festivals, was den Hals sofort zur Bewegung verhilft. Die Begleitband besteht inzwischen aus recht unbekannten Namen, die ihre Sache aber gut machen und auch den einen oder anderen Akzent setzen können. Die Aufmerksamkeit zentriert sich allerdings auf Sänger Kaschte, der heute wohl seinen freundlichen und sogar großzügigen Tag hat, denn verschiedene Shirts und CD's wandern von seiner Hand in die Menge. Rein gesanglich weiß er durchaus zu überzeugen, seine Art ist hingegen eher unfreiwillig komisch. Das Set liegt naheliegenerweise ausschließlich auf den melodischen Gotic Rock Sachen und lässt den Pseudo Black Metal weitgehend außen vor.

Schandmaul: Trotz wieder einsetzendem Regen schafft es die dauergutgelaunte Spielmannstruppe SCHANDMAUL ohne Probleme, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Dabei ist Frontmann Thomas heute bewegungstechnisch grob eingeschränkt – er trägt aufgrund einer Fußballverletzung einen Arm in der Schlinge und kann sich dementsprechend nur gemächlich bewegen. Seine Gitarrenparts übernimmt der Gitarrenroadie, und das wilde Herumgehüpfe fehlt halt. Und tatsächlich, die Bühne kommt einem leerer vor als sonst. Davon lassen sich aber weder Band noch Fans die Laune verderben. Mit Songs wie „Traumtänzer“, „Auf hoher See“ (leider ohne Akkordeon), „Kein Weg zu weit“, „Assassine“ oder „Walpurgisnacht“ wärmen sich die Leute schnell wieder auf, während die Band aus dem Strahlen gar nicht mehr herauskommt.

Apokalyptica: Obwohl APOCALYPTICA eine nicht ganz so große Menge vor die Bühne ziehen können wie Eisbrecher am Tag davor, sind sie doch definitiv der Höhepunkt des Tages. Und so werden die brachialen Eröffnungssongs „2010“, „Grace“ und „Master Of Puppets“ abgefeiert, wie es sich für diese Songs gehört. Der Nacken bewegt sich, die Hände gehen nach oben, die Stimme verlangt nach Betätigung. Leider kommt danach zu den Songs „End Of Me“ und „Bring Them To Light“ Tipe Johnson auf die Bühne, um die Gesangsparts zu übernehmen. Man sagt Reviewschreibern ja gerne nach, dass sie einige Bands oder Musiker nur aus Spaß an der Freude auseinander nehmen. Das ist nicht die Wahrheit, führt aber vielleicht ein wenig dahin, denn das Verreißen von als unfähig wahrgenommenen Musikanten ist eher ein Akt des Frustabbaus nach einer enttäuschenden Performance. Es ist also durchaus befriedigend, aber nicht aus sich heraus, sondern nur als Reaktion. Und Tipe Johnson kann einfach mal nicht singen. Der Unvokalist fällt heute nicht ganz so schlimm auf wie beim letzten Konzert in der Columbiahalle, denn der Gesang ist weiter nach hinten gemischt, doch es ist kaum zu überhören, wie weit er vor allem bei „End Of Me“ neben der Spur liegt. Und auch sein Guturalgesang hat kaum Charisma gewonnen. Am besten sind APOKALYPTICA halt doch, wenn sie alleine auftreten – zum Beispiel bei „Inquisition Symphony“, „Seek And Destroy“, „Nothing Else Matters“, Last Hope“ oder natürlich „Hall Of The Mountain King“, und davon wünsche ich mir mehr!

Fazit: Ein kleines, aber feines Festival – leider recht teuer, aber organisatorisch okay.

Für euch war auf dem Zita Rock Festival 2011: Felix Patzig

Sonntag, 5. Juni 2011

Accept - Live Review C-Club Berlin


Berlin, Columbiaclub Konzertbericht – 4.6.2011
Accept, Grand Magus

ACCEPT sind zurück! Diese Nachricht geistert schon seit einem knappen Jahr durch sämtliche Foren und Fachjournalien. Und die Legende ruht sich nicht auf ihrem starken neuen Album „Blood Of The Nations“ aus, sondern geht gleich noch auf umfangreiche Tour mit ausgedehnten Spielzeiten. Weil der Erfolg dieser Tour in Deutschland so groß ist, gibt es noch ein paar Zusatzkonzerte, darunter das heutige in Berlin. Und auch die Hauptstadt empfängt die zurückgekehrten Vorreiter des klassischen Metalsounds wie verlorene Söhne. Der Columbiaclub ist brechend voll, die T-Shirtdichte ist sehr hoch. Die Preise für besagte Shirts liegen zwischen 15 und 25 Euro, während Grand Magus ihre Shirts allgemein für 15 Euro unter die Leute bringen wollen. Der Rauchergarten zieht heute besonders viele Leute raus, denn die Belüftung ist, wie immer im Columbiaclub, quasi nicht vorhanden. So ist es bereits vor der Vorband extrem heiß, und zum Headliner wird Sauerstoff Mangelware.

Pünktlich um 20:00 Uhr fangen GRAND MAGUS an, und haben die Reaktionen sofort auf ihrer Seite. Leider sehe ich nur die letzten zwei Songs „Ravens Guide Our Way“ und „Iron Will“, da davor ein Interview mit Accept stattfindet. Man kann aber allein aus diesen beiden Songs (und dem Anfang, den ich auch noch mitbekomme) ganz gut ableiten, wie der Auftritt verlaufen sein muss. Die Luft kocht geradezu, der rappelvolle Columbiaclub jubelt dem schwedischen Trio quasi geschlossen zu – so muss das für eine Vorband laufen. Stilistisch passen GRAND MAGUS ganz hervorragend zum Headliner und auf der kleinen Bühne entwickelt das Trio eine enorme Bühnenpräsenz. Was die Songs angeht: Sowohl Doom Metal wie auch der klassische Stahl sind Teil des Repertoires von GRAND MAGUS und werden souverän miteinander kombiniert und dabei noch mit einer ganz eigenen, dunklen Note versehen.

Nun ist es endlich Zeit für ACCEPT. Und das Quartett legt gleich mal ganz furios mit „Teutonic Terror“ los. Quartett? Ja, leider hat es Gitarrist Hermann Frank aufgrund eines Bühnenunfalls in San Antonio nicht nach Deutschland geschafft, weshalb ACCEPT bereits die Süd Amerika Tour und jetzt eben auch die Zusatztermine in Deutschland ohne ihn spielen. Gute Besserung! Im Sound fehlt die Rythmusgitarre zwar gelegentlich, das tut der überkochenden Stimmung im Columbiaclub aber keinen Abbruch. Das Publikum jubelt den Musikern zu, die mit überbordender Spielfreude auch ohne lange Ansagen für Stimmung sorgen können. Lediglich zwei- oder dreimal während der 110 Minuten des Auftritts ergreift Sänger Mark das Wort. Stattdessen lassen ACCEPT die Songs für sich sprechen und haben damit natürlich auch viel zu sagen. Nach dem Opener kommt mit „Bucket Full Of Hate“ gleich ein weiterer neuer Song zum Einsatz. Auch „New World Comin'“ wird früh gespielt, während „No Shelter“ am Ende des regulären Sets plaziert wird und „Pandemic“ sogar im umjubelten Zugabeblock landet. Das die Songs an diesen prominenten Stellen nicht für einen Stimmungsabfall sorgen, ist vielleicht das größte Lob für das aktuelle Album „Blood of the Nations“. Dabei haben ACCEPT nun wirklich genug Klassiker geschrieben – und die dann natürlich auch dabei. „Restless and Wild“ wird schon ziemlich früh ausgepackt, während „Neon Nights“ zusammen mit „Metalheart“ die Mitte des Sets aufpeppen, in der auch Songs wie „Bulletproof“, „Amamos La Vida“ oder „Monsterman“ auftauchen, bevor Songs wie „Loosers And Winners“, „Princess of the Dawn“ und „Up to the Limit“ das erste Finale einläuten. Dazu gibt es im regulären Set noch „Aiming High“ vom „Russian Roulette“ Album, das genauso wie alle anderen Songs, komplett abgefeiert wird. Dazwischen gibt es noch Gitarren- und Basssoli – wer diese Elemente als langweilig oder überflüssig bezeichnet, hat die Magie von gefühlvollem Instrumentalspiel nicht verstanden. Der Zugabeblock bricht dann noch mal alle Dämme: „Fast As A Shark“, dann das bereits erwähnte „Pandemic“ und zu guter Letzt „Balls To The Wall“ mit ausuferndem Mitsingteil. Das alles wird bei einem Spitzensound, der kraftvoll, klar differenziert und auch in der richtigen Lautstärke aus den Boxen ballert, dargeboten. So ist es nicht verwunderlich, dass das Publikum am Ende vor Hitze fast kollabiert, aber dennoch die ganze Zeit mit voller Energie mitmacht.

Fazit: Accept sind für unser aller Lieblingsmusik wahnsinnig wichtig!

Review von Felix Patzig